Blog · 16. September 2026 · 11 Min. Lesezeit

Claude Code, Codex oder Copilot: was wofür?

Person tippt an einem Arbeitsplatz mit zwei Monitoren und einem Laptop, auf allen Bildschirmen steht Code
Foto: Mikhail Fesenko / Pexels

Claude Code vs Codex vs Copilot lässt sich in drei Sätzen beantworten: Claude Code ist ein Terminal-Agent von Anthropic, der deine Dateien liest, ändert und Befehle ausführt, und der auch ohne GitHub und ohne Programmierkenntnisse läuft. Codex ist das Gegenstück von OpenAI, laut Doku ebenfalls ein Terminal-Agent mit Editor-Erweiterung und Cloud-Variante, das in jedem ChatGPT-Abo enthalten ist. GitHub Copilot ist am stärksten an GitHub gebunden: Editor-Vervollständigung, ein Cloud-Agent, der Pull Requests baut, und eine eigene Kommandozeile. Wer Dateien und Ordner im eigenen Betrieb bearbeiten will, ist bei Claude Code oder Codex richtig; wer sowieso in GitHub lebt, bekommt mit Copilot den kürzesten Weg zum Pull Request.

Ich nutze Claude Code täglich, seit es erschienen ist, und betreibe damit meine KI-Belegschaft. Codex nutze ich regelmäßig, um zu sehen, wie es sich verändert, und für Korrekturschleifen. GitHub Copilot habe ich getestet, aber nicht dauerhaft im Betrieb gehabt. Preise und Funktionsumfang nehme ich trotzdem aus den offiziellen Dokus der Hersteller, Stand September 2026; wo mein eigener Eindruck einfließt, schreibe ich es dazu. Alles Weitere zu Claude sammle ich auf der Seite Claude.

Drei Werkzeuge, drei Grundideen

Die drei Werkzeuge klingen ähnlich, weil alle drei „Agent" heißen und alle drei im Terminal laufen können. Der Unterschied liegt in der Herkunft. Claude Code ist laut der Anthropic-Dokumentation „an agentic coding tool that reads your codebase, edits files, runs commands", verfügbar im Terminal, in VS Code, Cursor und JetBrains, als Desktop-App für macOS und Windows (Linux als Beta), im Web unter claude.ai/code samt Handy-App, in GitHub Actions, GitLab CI/CD, Slack und Chrome. Voraussetzung ist ein bezahltes Claude-Abo oder ein Konto in der Anthropic Console.

Codex beschreibt OpenAI in der CLI-Dokumentation so: „Inspect code, make changes, run commands, and automate repeatable work without leaving your terminal." Es gibt die Kommandozeile, eine Erweiterung für VS Code, Cursor und Windsurf, eine Cloud-Variante im Browser, eine Desktop-App für macOS und Windows und eine GitHub-Integration. Angemeldet wird laut Doku mit dem ChatGPT-Konto oder einem API-Schlüssel, Berechtigungen stellst du über den Befehl /permissions ein. Von der Grundidee her ist Codex damit Claude Code am nächsten: ein Agent, der in deinem Ordner arbeitet.

GitHub Copilot ist anders aufgebaut. Der Kern ist die Vervollständigung im Editor, dazu kommen laut GitHub-Doku Chat, ein Cloud-Agent und eine Kommandozeile namens Copilot CLI. Der Cloud-Agent läuft nach Herstellerangabe in einer eigenen, kurzlebigen Umgebung auf GitHub Actions, maximal 59 Minuten je Sitzung, nur für GitHub-Repositories, und liefert je Auftrag genau einen Pull Request. Copilot ist also weniger ein Werkzeug für deinen Ordner als ein Werkzeug für dein Repository.

Copilot vs Claude Code vs Codex: die Vergleichstabelle

Die Tabelle fasst zusammen, was die Hersteller in ihren Dokus angeben (Stand 16.09.2026). Die Preisangaben sind Einstiegspreise in US-Dollar; die vollständige Preislogik steht im nächsten Abschnitt.

Werkzeug Oberflächen laut Doku Voraussetzung Einstieg (Stand Sept. 2026) Für wen
Claude Code (Anthropic) Terminal, VS Code, Cursor, JetBrains, Desktop-App, Web und Handy, GitHub Actions, GitLab, Slack, Chrome bezahltes Claude-Abo oder Console; kein GitHub nötig Pro 20 Dollar im Monat, Max 100 oder 200 Dollar Wer Dateien, Ordner und Abläufe im eigenen Betrieb bearbeiten will, auch ohne Code
Codex (OpenAI) Terminal, VS Code, Cursor, Windsurf, Cloud im Browser, Desktop-App, GitHub ChatGPT-Konto oder API-Schlüssel; kein GitHub nötig in Free, Go (8 Dollar) und Plus (20 Dollar) enthalten, Pro ab 100 Dollar Wer ChatGPT schon bezahlt und einen Terminal-Agenten dazu will
GitHub Copilot GitHub.com, VS Code, Visual Studio, JetBrains, Neovim, Eclipse, Xcode, Copilot CLI, GitHub Mobile GitHub-Konto; Cloud-Agent nur mit GitHub-Repos Free mit 2.000 Vervollständigungen im Monat, Pro 10 Dollar, Pro+ 39 Dollar, Max 100 Dollar Entwicklerteams, deren Arbeit ohnehin in GitHub liegt

Zwei Dinge fallen in der Tabelle auf. Erstens die kostenlosen Einstiege: Zwei der drei Werkzeuge haben einen, Claude Code nicht, das verlangt laut Anthropic ein bezahltes Abo. Vergleichen lässt sich das aber nur eingeschränkt. GitHub nennt für Copilot Free ein Kontingent in Zahlen, 2.000 Vervollständigungen im Monat plus Copilot CLI. Codex ist laut OpenAI-Doku im kostenlosen ChatGPT-Plan enthalten, ein vergleichbares Kontingent in Zahlen nennt OpenAI dafür nicht; belegt ist nur, dass es mit den bezahlten Stufen steigt. Wer Codex kostenlos testet, weiß vorher also nicht, wie weit er kommt. Zweitens: Copilot bindet die beiden Konkurrenten ein. Die Planübersicht von GitHub nennt für Pro „Access to 3rd party agents (Claude Code and Codex)". Das ist für die Entscheidung wichtig: Du musst dich nicht zwingend zwischen den dreien entscheiden, wenn dein Team ohnehin Copilot bezahlt.

Preise und Verbrauchslogik im Vergleich

Die Preise für Claude habe ich mit Quelle in Claude Kosten und Abos im Überblick zusammengefasst, Stand September 2026: Free 0 Dollar (ohne Claude Code), Pro 20 Dollar im Monat, Max 100 oder 200 Dollar im Monat, Team ab 20 Dollar je Sitz und Monat. Anthropic rechnet das Kontingent laut Preisseite in Fünf-Stunden-Fenstern; Max bietet nach Herstellerangabe fünf- oder zwanzigmal so viel Nutzung je Fenster wie Pro.

OpenAI nennt in der Codex-Preisdoku (Stand 16.09.2026) Free, Go für 8 Dollar und Plus für 20 Dollar im Monat, Codex ist in allen dreien enthalten; Pro beginnt laut Doku bei 100 Dollar im Monat, mit fünf- oder zwanzigfach höheren Limits als Plus; Business kostet 25 Dollar je Nutzer monatlich oder 20 Dollar bei Jahreszahlung. Auch OpenAI zählt Nachrichten je Fünf-Stunden-Fenster, dazu kommen Wochenlimits und nachkaufbare Credits.

GitHub rechnet nach eigener Doku anders: Free 0 Dollar mit 2.000 Vervollständigungen im Monat und Copilot CLI, Pro 10 Dollar, Pro+ 39 Dollar, Max 100 Dollar im Monat, Business 19 und Enterprise 39 Dollar je Sitz und Monat. Die Agenten-Nutzung wird in „AI credits" abgerechnet, laut Doku 1.000 bei Pro, 3.900 bei Pro+ und 10.000 bei Max.

Was heißt das für den Vergleich? Drei Anbieter, drei Zähleinheiten: Fünf-Stunden-Fenster, Nachrichten plus Wochenlimit, Credits. Ein direkter Kostenvergleich ist damit nur eine Heuristik. Aus meiner Erfahrung mit Claude Code: Ich habe nicht mit Max angefangen, sondern bin erst gewechselt, als das Kontingent von Pro bei langen Sessions nicht mehr reichte. Für geschäftliche Daten nutze ich zusätzlich Claude Team, wegen Auftragsverarbeitungsvertrag und Datenschutz.

Was für Nicht-Entwickler den Unterschied macht

Wenn du nicht programmierst, sondern Angebote, Protokolle, Checklisten und Ordnerstrukturen bearbeiten willst, zählen drei Fragen: Läuft das Werkzeug in einem normalen Ordner ohne Repository? Kann ich Regeln hinterlegen, die immer gelten? Kann ich Abläufe wiederverwenden?

Claude Code beantwortet alle drei mit ja, das habe ich in Claude Code: Anleitung für Einsteiger Schritt für Schritt gezeigt. Eine CLAUDE.md im Projektordner ist die Hausregel, Skills sind wiederverwendbare Abläufe, und Hooks sind Regeln, die bei jedem Ereignis automatisch laufen; mehr dazu in Claude Code Hooks: Regeln, die immer gelten. Codex arbeitet ebenfalls in einem beliebigen Ordner mit Berechtigungsstufen. Ich nutze es regelmäßig, allerdings für Korrekturschleifen und nicht als Zuhause meiner Belegschaft; wie weit Regeln und wiederverwendbare Abläufe dort tragen, habe ich deshalb nicht systematisch geprüft. Copilot setzt für die Kommandozeile Node 22 und ein GitHub-Konto voraus, der Cloud-Agent braucht ein GitHub-Repository. Für einen Betrieb ohne GitHub ist das eine hohe Hürde.

Ein Beispiel aus meiner Belegschaft, das genau diese drei Punkte nutzt: Sebastian, mein SEO-Mitarbeiter, hat seine Abläufe als Skills seo-audit und geo-audit in seinem Ordner liegen. Am 16.09.2026 hat er Conny, meine Content-Chefredakteurin, über das Postfach-Protokoll unserer Belegschaft nach Erfahrungen für fünf Blogbeiträge gefragt; Conny hat als Subagent geantwortet und den Brief in Sebastians Eingang gelegt. Das ist kein Repository und kein Pull Request, sondern eine Ordnerstruktur mit Regeln, in der zwei Claude-Code-Sitzungen zusammenarbeiten.

Meine Wahl: Claude Code, und wo die Grenzen liegen

Meine Wahl ist gefallen, bevor es die anderen beiden in ihrer heutigen Form gab: Ich nutze Claude Code seit dem Start als Research Preview am 24.02.2025 täglich, und meine KI-Belegschaft läuft darauf. Jeder hat eine eigene CLAUDE.md als Personalakte, eigene Skills und ein eigenes Postfach. Conny und Ralf laufen regelmäßig in langen, zusammenhängenden Sessions. Mein konkretester Hook-Anwendungsfall: Sechs Hook-Ereignisse melden jedes Ereignis an mein Mitarbeiter-OS, und bei einer Freigabe-Anfrage kann ich die Entscheidung dort treffen, statt im Terminal; das läuft seit September 2026 nachweislich live.

Ehrlich gesagt gibt es Grenzen. Claude Code hat keine kostenlose Stufe, und bei intensiver Nutzung stößt du an die Fünf-Stunden-Fenster. Eine grafische Oberfläche mit Klick-Bedienung ist nicht das Konzept, auch wenn Desktop-App und Web existieren. Und wer sein Team schon auf GitHub organisiert hat, bekommt mit Copilot einen Pull-Request-Ablauf, den ich mir mit Claude Code selbst bauen müsste. Wie sich Claude Code vom Desktop-Werkzeug Cowork unterscheidet, steht in Claude Code oder Cowork: was wofür?.

Ein Werkzeug schreibt, ein anderes prüft

Bei mir gilt eine Hausregel: Wer etwas erstellt, korrigiert es nicht. Dahinter steht dieselbe Überlegung wie beim Review-Pass in meiner Belegschaft, dass ein Modell die eigenen Fehler im selben Kontext schlecht findet. Praktisch heißt das: Ein Werkzeug schreibt, ein anderes liest gegen. Genau dafür setze ich Codex regelmäßig ein. Claude Code baut etwas, Codex prüft das Ergebnis mit frischem Blick, oder andersherum.

Das ist kein Benchmark, ich messe dabei nichts. Entscheidend ist die Trennung, nicht der Hersteller: Das geht auch mit zwei getrennten Sitzungen desselben Werkzeugs, solange der Prüfer den Weg zum Ergebnis nicht kennt.

Wann Codex oder Copilot die bessere Wahl ist

Meine Einschätzung, bei Codex aus laufender Nutzung, bei Copilot aus der Doku und einem Test:

  1. Du bezahlst schon ChatGPT Plus und willst keinen zweiten Anbieter: Codex ist im Abo enthalten, die Grundidee ist die gleiche wie bei Claude Code. Ob dir das Modell dahinter besser liegt, ist eine eigene Frage; für Chat und Textarbeit habe ich das in Claude vs ChatGPT 2026: der Vergleich beantwortet.
  2. Dein Team lebt in GitHub, jede Änderung geht über Pull Requests, und du willst Aufgaben an einen Agenten geben, der in einer sauberen Umgebung arbeitet: Das ist genau der Zweck des Copilot Cloud-Agenten, laut GitHub-Doku in allen bezahlten Plänen enthalten.
  3. Du willst erst einmal kostenlos ausprobieren: Copilot Free und Codex im kostenlosen ChatGPT-Plan kommen beide ohne Abo aus, Claude Code nicht. Ein Kontingent in Zahlen nennt nur GitHub, 2.000 Vervollständigungen im Monat plus Copilot CLI; für Codex im Free-Plan nennt OpenAI keines.
  4. Du willst Claude Code, aber deine Firma hat nur Copilot: Laut GitHub-Planübersicht enthält Copilot Pro den Zugang zu Claude Code und Codex als Drittanbieter-Agenten; die GitHub-Doku führt Drittanbieter-Agenten für die bezahlten Einzelpläne, nicht für Free. Welche Limits dabei gelten, nennt die Seite nicht, das musst du im eigenen Konto prüfen.

Wenn keiner dieser vier Fälle auf dich zutrifft und du mit Dateien in deinem eigenen Betrieb arbeiten willst, ist Claude Code aus meiner Sicht die Wahl, mit der du am wenigsten Infrastruktur brauchst.

Häufige Fragen

Kann ich Claude Code innerhalb von GitHub Copilot nutzen?

Laut Planübersicht von GitHub (Stand 16.09.2026) enthält Copilot Pro „Access to 3rd party agents (Claude Code and Codex)". Was das im Detail an Kontingent bedeutet, steht nicht auf der Seite. Wenn du Claude Code als eigenständiges Werkzeug im Terminal willst, brauchst du weiterhin ein Claude-Abo.

Brauche ich für Codex ein bezahltes ChatGPT-Abo?

Nein, laut Codex-Preisdoku ist Codex auch im kostenlosen ChatGPT-Plan enthalten. Das Kontingent steigt mit Go, Plus und Pro. Für regelmäßige Arbeit im Terminal ist eine bezahlte Stufe nach meiner Einschätzung realistisch, wie bei Claude auch.

Claude Code vs Copilot: welches läuft ohne GitHub?

Claude Code und Codex laufen in jedem Ordner, ein Repository ist nicht nötig. Copilot ist an ein GitHub-Konto gebunden, der Cloud-Agent zusätzlich an ein GitHub-Repository. Die Copilot CLI läuft zwar lokal, braucht aber laut Doku ebenfalls das GitHub-Konto.

Was ist der Unterschied zwischen einem Cloud-Agenten und dem Terminal?

Im Terminal arbeitet der Agent direkt auf deinem Rechner, in deinen Dateien, und fragt bei riskanten Schritten nach. Ein Cloud-Agent wie bei Copilot oder Codex arbeitet in einer Umgebung beim Anbieter, holt sich dein Repository und liefert das Ergebnis als Pull Request zurück. Für Ordner ohne Repository ist das Terminal der einzige Weg.

Claude Code vs Codex 2026: welches Werkzeug ist für Nicht-Entwickler besser?

Beide laufen laut Doku in einem normalen Ordner und ohne Repository. Bei Claude Code kann ich aus eigener Nutzung sagen, dass CLAUDE.md, Skills und Hooks auch für reine Textarbeit tragen. Codex nutze ich regelmäßig, aber für Korrekturschleifen und nicht als Ablage für Regeln und Abläufe; für diesen Zweck habe ich es nicht geprüft.

Läuft eines der drei Werkzeuge auf Windows ohne WSL?

Laut Doku ja, alle drei: Claude Code per PowerShell-Installer oder über WSL, Codex „native and WSL", Copilot CLI über PowerShell und WSL. Die genauen Schritte für Windows stehen in Claude Code installieren: Windows, Mac, Linux.

Wie du weitermachst

Wenn du dich für Claude Code entscheidest, fang mit Claude Code: Anleitung für Einsteiger an: Installation, CLAUDE.md und die erste Aufgabe. Wenn du zwischen Terminal und Desktop schwankst, hilft Claude Code oder Cowork: was wofür?. Und wenn deine eigentliche Frage ist, ob Claude oder ChatGPT als Modell besser zu dir passt, ist Claude vs ChatGPT 2026: der Vergleich der richtige Einstieg. Wie meine KI-Mitarbeiter auf Claude Code aufgebaut sind, zeige ich in meiner Community.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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