Blog · 28. August 2026 · 7 Min. Lesezeit

Claude Datenschutz und DSGVO: was gilt

Steuerformulare und eine Buchhaltungs-Checkliste liegen aufgeschlagen neben einem Laptop, darauf eine Brille
Foto: Leeloo The First / Pexels

Das ist keine Rechtsberatung, sondern die Betreiber-Perspektive, mit der ich Claude in meinem eigenen Business und mit echten Kundendaten einsetze. Claude Datenschutz und DSGVO hängen vor allem vom Plan ab: Bei Free, Pro und Max kannst du das Training an- und abschalten, bei Team, Enterprise und der API sind deine Daten laut Anthropic standardmäßig vom Training ausgenommen, und ein Auftragsverarbeitungsvertrag ist dort automatisch Teil der Verträge.

Ich betreibe mein Business mit einer Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern auf Claude-Basis und lasse dabei auch echte Kundenbelege und Kundenmails verarbeiten. Diese Regeln habe ich mir deshalb nicht aus Interesse angeschaut, sondern weil ich sie in meinem eigenen Setup einhalten muss. Die übrigen Bausteine meines Claude-Setups sammle ich auf der Claude-Übersichtsseite.

Claude Datenschutz nach Plan: Training, AVV und Rolle

Die kurze Antwort unterscheidet sich deutlich zwischen den Consumer-Plänen und den kommerziellen Angeboten:

Plan Training mit deinen Daten AVV automatisch dabei Deine Rolle laut Anthropic
Free, Pro, Max (auch Claude Code aus diesen Konten) Ja, wenn der Schalter „Help improve our AI models" an ist, oder bei einer Sicherheitsprüfung Nein du selbst als Nutzer
Team und Enterprise (Claude for Work) Nein, standardmäßig nicht Ja, automatisch Teil der Commercial Terms Auftraggeber, Anthropic ist Auftragsverarbeiter
API Nein, standardmäßig nicht Ja, automatisch Teil der Commercial Terms Auftraggeber, Anthropic ist Auftragsverarbeiter

Der entscheidende Unterschied ist also nicht in erster Linie der Preis, sondern ob du ein Consumer-Konto oder ein kommerzielles Produkt nutzt. Wie sich das gegenüber ChatGPT unterscheidet, das ähnliche Schalter kennt, vergleiche ich in Claude vs ChatGPT 2026: der Vergleich.

Der Schalter, der über das Training entscheidet

Bei Free, Pro und Max, und damit auch bei Claude Code aus einem dieser Konten, werden deine Chats laut Anthropic zum Training genutzt, wenn der Schalter „Help improve our AI models" aktiviert ist oder eine Sicherheitsprüfung greift. Der Schalter liegt unter claude.ai/settings/data-privacy-controls, ihn auszuschalten wirkt für alle neuen Chats ab dem Zeitpunkt der Änderung. Belegt ist das in der Anthropic-Hilfe zu den Datenschutzeinstellungen (privacy.claude.com).

Eine zweite Ausnahme sind Incognito-Chats: Sie werden laut derselben Quelle nie fürs Training verwendet, unabhängig vom Stand des Schalters. Für mich heißt das in der Praxis: Der Schalter ist der erste Klick nach jedem neuen Konto, bevor überhaupt der erste Kundenfall in einen Chat wandert.

Wie lange Claude deine Daten speichert

Bei Consumer-Plänen mit aktiviertem Training speichert Anthropic Daten laut eigener Angabe bis zu 5 Jahre, de-identifiziert. Gelöschte Chats verschwinden innerhalb von 30 Tagen aus dem Backend. Bei einem Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinien können Daten bis zu 2 Jahre aufbewahrt werden, Trust-and-Safety-Klassifizierungen bis zu 7 Jahre. Quelle ist die Anthropic-Hilfe zur Speicherdauer (privacy.claude.com).

Für kommerzielle Produkte gilt eine andere Logik, weil dort ohnehin kein Training mit deinen Inhalten stattfindet: „By default, we will not use your inputs or outputs from our commercial products ... to train our models", so die Anthropic-Doku dazu (privacy.claude.com). Speicherfristen zur Bereitstellung des Dienstes selbst unterscheiden sich davon und stehen in den jeweiligen Vertragsbedingungen, die ich hier nicht im Detail zitiere, weil ich sie nicht selbst eingesehen habe.

Der Auftragsverarbeitungsvertrag: automatisch oder nicht

Bei Team, Enterprise und der API ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit Standardvertragsklauseln automatisch Teil der Commercial Terms, du musst dafür nichts extra unterschreiben. Anthropic ist in dieser Konstellation Auftragsverarbeiter, du bleibst Verantwortlicher für deine Daten. Beleg dafür sind zwei Anthropic-Seiten: zur Rolle (privacy.claude.com) und zum AVV selbst (privacy.claude.com).

Bei Free, Pro und Max gibt es diesen automatischen Vertrag nicht, diese Pläne laufen über die Consumer-Bedingungen statt über die Commercial Terms. Eine aktuelle Liste der eingesetzten Subprozessoren pflegt Anthropic unter trust.anthropic.com/subprocessors, falls du das für deine eigene Dokumentation brauchst.

Welche Kundendaten bei mir überhaupt in einen Chat dürfen

Auch mit AVV und ausgeschaltetem Training entscheide ich pro Fall, was in einen Chat darf, nicht pauschal pro Plan. Meine eigene Ampel dafür sieht so aus:

  • Grün, geht direkt: allgemeine Geschäftsdaten wie Rechnungsbeträge, Firmennamen, Standardformulierungen, Terminvorschläge ohne besondere Angaben.
  • Gelb, nur mit AVV oder anonymisiert: personenbezogene Daten von Kunden im normalen Geschäftskontext, etwa Name und Adresse auf einer Rechnung.
  • Rot, nie ohne meine eigene Prüfung: Gesundheitsdaten, Bankdaten Dritter und andere besondere Kategorien personenbezogener Daten.

Wie ich diese Grenzen grundsätzlich ziehe, unabhängig von Claude im Speziellen, habe ich ausführlicher in KI und Datenschutz: was die KI sehen darf beschrieben.

Praxis bei mir: Frieda mit Belegen und Posteingang

Meine KI-Mitarbeiterin Frieda sortiert bei mir den Posteingang, schlägt Termine vor und bereitet Belege für die Buchhaltung auf, über ein Konto mit AVV, also außerhalb der Consumer-Ebene. In einer normalen Woche sieht sie Rechnungen von Dienstleistern, Terminanfragen und Quittungen für Kleinausgaben, alles grüne Daten laut meiner eigenen Ampel.

Stell dir folgenden Fall vor: In einer Mail liegt eine Reisekostenabrechnung, die neben den Belegen auch eine ärztliche Bescheinigung enthält, offensichtlich versehentlich mitgeschickt. In Friedas Personalakte steht für genau solche Fälle eine feste Regel: ungewöhnliche oder rote Inhalte stoppen und melden, nicht selbst weiterverarbeiten. Sie stellt den Anhang also zurück und meldet ihn, statt ihn wie den Rest der Post automatisch abzulegen. Ob und wie dieses eine Dokument überhaupt weiter digital verarbeitet wird, entscheide danach ich, nicht sie.

Ehrlich dazugesagt gehört, was diese Regel leistet und was nicht. Damit Frieda eine ärztliche Bescheinigung als solche erkennt, muss sie den Anhang gelesen haben. Die Regel verhindert also nicht das erstmalige Einlesen, sondern jede weitere Verarbeitung, jede Ablage und jede Weitergabe. Wer schon das Einlesen ausschließen will, muss vorher trennen statt hinterher stoppen: solche Anhänge gar nicht erst in das Postfach lassen, auf das die KI zugreift, oder sie vor der Übergabe herausfiltern. Die Datenschutzkonferenz weist darauf hin, dass bereits die Eingabe personenbezogener Daten in ein KI-System eine Rechtsgrundlage braucht und durch klare Routinen vermieden werden sollte (DSK-Orientierungshilfe KI und Datenschutz). Die Stop-Regel ist deshalb die zweite Verteidigungslinie für den Fall, der trotzdem durchrutscht, nicht die erste.

Team als Weg für mehrere Personen

Wenn mehrere Personen mit Claude arbeiten sollen und dabei Kundendaten verarbeiten, ist Team der Plan mit automatischem AVV, ohne Training deiner Inhalte, mit zentraler Verwaltung und Rollen für den Zugriff. Team startet bei 25 Dollar im Monat je Person, Stand September 2026, Details und weitere Preisstufen stehen in Claude Kosten und Abos im Überblick.

Ob sich das für dich schon bei zwei oder drei Personen lohnt oder ob mehrere einzelne Pro-Konten reichen, rechne ich in Claude Team: Kosten und wann es lohnt im Detail vor.

Häufige Fragen

Nutzt Anthropic meine Chats zum Training?

Bei Free, Pro und Max nur, wenn du den Schalter „Help improve our AI models" aktiviert lässt, oder bei einer Sicherheitsprüfung. Bei Team, Enterprise und der API gilt standardmäßig das Gegenteil: kein Training mit deinen Inputs und Outputs.

Brauche ich einen Auftragsverarbeitungsvertrag als Solo-Selbstständiger?

Sobald du personenbezogene Kundendaten über Claude verarbeitest, ja. Ein einzelnes Pro-Konto bringt keinen automatischen AVV mit, dafür brauchst du ein kommerzielles Produkt wie Team, das ab wenigen Sitzen buchbar ist, oder die API.

Wo liegen meine Daten?

Anthropic ist ein US-Anbieter. Für die Übermittlung aus der EU sind Standardvertragsklauseln automatisch Teil der Commercial Terms. Für eine verbindliche Einschätzung zu deinem Fall gehört das vor eine Fachkraft.

Reicht Pro mit ausgeschaltetem Training für Kundendaten?

Der Trainingsschalter allein macht aus einem Pro-Konto keinen AVV-Vertrag. Für Kundendaten mit Personenbezug nutze ich deshalb ein kommerzielles Produkt, nicht ein einzelnes Consumer-Konto, egal wie der Schalter steht.

Muss ich Claude in meine Datenschutzerklärung aufnehmen?

Wenn du über Claude personenbezogene Daten verarbeitest, gehört der Einsatz in der Regel in deine Datenschutzerklärung, mit AVV-Nachweis und den Angaben zum eingesetzten Dienst. Das ist der Hinweis, es grundsätzlich zu prüfen, nicht die Prüfung selbst.

Wie du das für dich einordnest

Die zwei Klicks, mit denen ich sofort anfangen würde: den Trainingsschalter im richtigen Konto prüfen, und bevor irgendetwas mit Personenbezug in einen Chat wandert, in einem kommerziellen Produkt statt in einem einzelnen Consumer-Konto arbeiten. Alles andere, die Ampel für Kundendaten und die Reaktion auf Zweifelsfälle, bleibt bei dir und deiner Rolle als Verantwortlicher.

Wie sich diese Fragen ändern, sobald ein Modell komplett auf eigener Hardware statt in der Cloud läuft, ordne ich in Lokale KI und Datenschutz: Cloud oder Server? ein. Die acht Pakete meiner KI-Belegschaft, Frieda eingeschlossen, gibt es fertig in meiner Community.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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