Blog · 4. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

KI-Assistent erstellen: drei Wege

Person tippt am Laptop und trinkt Kaffee, daneben liegt ein Notizbuch auf einem Holztisch
Foto: Zen Chung / Pexels

Einen KI-Assistenten erstellst du, indem du einer bestehenden KI drei Dinge gibst: eine feste Rolle, klare Regeln und dein eigenes Wissen als Anhang. Das geht ohne Programmierkenntnisse, am gängigsten in einem Claude-Projekt, einem Custom GPT bei ChatGPT oder einem eigenen Agenten in Microsoft Copilot. In allen drei Fällen bleibt der Assistent beim Text: Er wählt keine Werkzeuge selbst aus und trifft keine Entscheidung, die über einen Entwurf hinausgeht.

Ich betreibe mein eigenes Business mit einer Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern auf Claude-Basis, darunter mit Sonja eine Assistentin, die meine Mails in meiner eigenen Stimme entwirft. Was ein KI-Mitarbeiter grundsätzlich ist und wie er sich vom reinen Assistenten unterscheidet, sammle ich auf der Seite KI-Mitarbeiter.

Das dahinterliegende Konzept, eine bestehende KI mit deinem eigenen Wissen auszustatten statt ein Modell zu trainieren, steht ausführlich in Eigene KI erstellen ohne Programmieren. Hier geht es um den konkreten Bau auf den drei Plattformen, die dafür am häufigsten in Frage kommen.

Assistent, Chatbot oder Agent: wo ein Assistent steht

Ein Assistent ist kein Chatbot ohne Gedächtnis und kein Agent, der selbst Werkzeuge bedient. Er sitzt genau dazwischen: eine feste Rolle, angehängtes Wissen, aber am Ende immer ein Textentwurf, den du liest, bevor irgendetwas passiert. Die vollständige Abgrenzung zwischen Chatbot, Assistent und Agent, mit Vergleichstabelle, steht in KI-Agent, Chatbot oder Assistent?. Für diesen Beitrag reicht die Kurzfassung: Ein persönlicher KI-Assistent schreibt und ordnet für dich, er handelt nicht eigenständig nach außen.

Drei Wege, einen KI-Assistenten zu erstellen

Claude-Projekt. Du legst ein Projekt an, gibst ihm in einer Systemanweisung eine feste Rolle und hängst eigene Dokumente als Wissen an, laut der Anthropic-Hilfe zu Projekten kann Claude damit in einem eigenen Chatverlauf mit deinem Kontext arbeiten (support.claude.com, Artikel „What are projects?"). Der Assistent beantwortet dann jede neue Anfrage im Rahmen dieser Rolle und dieses Wissens, ohne dass du den Kontext jedes Mal neu erklärst.

Custom GPT bei ChatGPT. Du beschreibst die Rolle in eigenen Worten, hinterlegst feste Anweisungen und lädst Wissensdateien hoch, aus denen der GPT bei Bedarf zitiert. Für eigene Custom GPTs ist bei ChatGPT in der Regel ein bezahltes Konto nötig, ein kostenloses Konto reicht meist nur zum Nutzen fremder GPTs.

Eigener Agent in Microsoft Copilot. Wer bereits im Microsoft-365-Umfeld arbeitet, kann dort einen eigenen Copilot-Agenten mit Rolle, Anweisungen und eigenen Wissensquellen aus Dateien oder SharePoint aufsetzen. Der Vorteil liegt im direkten Zugriff auf vorhandene Dokumente, der Nachteil in der engeren Bindung an dieses Ökosystem.

Weg Wissen anhängen Stärke Grenze
Claude-Projekt eigene Dokumente hochladen ausführliches Kontextfenster, Preise siehe Claude Kosten und Abos im Überblick bleibt bei Text, kein eigenständiger Werkzeugzugriff
ChatGPT Custom GPT Wissensdateien hochladen schnell geteilt und wiederverwendet eigene GPTs meist an ein bezahltes Konto gebunden
Copilot-Agent Dateien und SharePoint als Quelle direkter Zugriff auf vorhandene Firmendokumente eng an das Microsoft-Ökosystem gebunden

Welcher Weg passt, hängt weniger von der Technik als von deinem Alltag ab: Wo liegen deine Dokumente schon, welches Konto hast du ohnehin, und in welcher Oberfläche schreibst du am meisten Text.

Was in jeden Assistenten hinein muss

Egal auf welcher Plattform, drei Bausteine machen aus einem leeren Fenster einen Assistenten. Die Rolle sagt ihm, wer er für dich ist und wofür er zuständig ist, konkret formuliert statt allgemein: nicht „hilf mir bei Mails", sondern welche Mails, in welchem Ton, mit welchem Ziel. Die Regeln legen fest, was er selbst entscheiden darf und was nicht, etwa dass er nie Zusagen macht oder Preise nennt, ohne dass du das geprüft hast. Das Wissen schließlich sind die Dokumente, aus denen er tatsächlich zitieren soll: alte Mails als Vorlage, deine Preisliste, dein Leistungsverzeichnis, aber keine sensiblen Daten, die dort nichts zu suchen haben.

Am wichtigsten ist die Reihenfolge beim Aufbau: erst Rolle und Regeln, dann Wissen. Ein Assistent mit gutem Wissen, aber unklarer Rolle, antwortet zwar informiert, aber ohne erkennbaren eigenen Ton. Ein Assistent mit klarer Rolle, aber ohne Wissen, klingt zwar wie du, trifft aber inhaltlich oft daneben.

Sonja: eine Assistentin mit Stimme statt ein Chatbot

So sieht das bei mir konkret aus. Sonja ist meine Assistentin für die Mail-Kommunikation, kein Chatbot, den ich bei Bedarf öffne, sondern eine feste Rolle mit eigener Personalakte. Ihre Eingabe ist eine neue Nachricht in meinem Posteingang. Sie kennt aus früheren Mails meinen Ton, meine typischen Formulierungen und die Regeln, was sie nie selbst entscheidet, etwa Zusagen oder Termine ohne meinen Blick darauf.

Aus der eingehenden Nachricht macht sie einen fertigen Antwortentwurf in meiner Stimme, nicht in einem generischen KI-Ton. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist immer ein Entwurf, der auf mich wartet, nie eine verschickte Mail. Ich lese ihn, prüfe, ob Ton und Inhalt stimmen, korrigiere bei Bedarf eine Formulierung und entscheide, ob er so rausgeht. Genau dieser letzte Schritt, die Freigabe, ist der Unterschied zwischen einem Assistenten mit Stimme und einem reinen Chatbot: Ein Chatbot liefert dir eine Antwort auf eine einzelne Frage, Sonja liefert dir einen Entwurf, der in einem laufenden Zusammenhang aus vielen früheren Mails steht.

Testen und nachbessern, bevor du ihm vertraust

Der erste Entwurf eines neuen Assistenten ist selten perfekt, egal auf welcher Plattform du ihn baust. Das ist normal und kein Grund, die Rolle noch einmal von vorne zu schreiben. Gib stattdessen konkretes Feedback zu einzelnen Antworten: „zu förmlich", „diese Information gehört nicht in eine erste Antwort", „so sprechen wir diesen Fall nicht an". Trage jede Korrektur in die Rolle oder die Regeln ein, nicht nur mündlich, sondern schriftlich im Text, den der Assistent bei jeder Anfrage sieht.

Nach ein paar Testrunden mit echten, aber unkritischen Fällen zeigt sich, ob der Assistent trägt. Erst danach lohnt es sich, ihn für Fälle einzusetzen, bei denen ein falscher Ton oder eine falsche Information wirklich etwas kostet.

Vom Assistenten zum KI-Mitarbeiter

Ein Assistent bleibt bei Text und wartet auf dich. Sobald du willst, dass dieselbe Rolle eigenständig recherchiert, mehrere Werkzeuge nutzt oder über eine reine Textantwort hinaus etwas erledigt, wird aus dem Assistenten ein Agent mit eigener Personalakte, also ein KI-Mitarbeiter. Der komplette Weg dahin, von der Aufgabenwahl bis zur festen Einarbeitung, steht in KI-Mitarbeiter erstellen: so startest du. Diesen Schritt musst du nicht sofort gehen: Viele Aufgaben, wie Sonjas Mail-Entwürfe, bleiben dauerhaft beim Assistenten, weil ein Textentwurf mit Freigabe genau das Richtige ist.

Häufige Fragen

Brauche ich ein bezahltes Konto für einen persönlichen KI-Assistenten?

Ein Claude-Projekt lässt sich auch mit einem kostenlosen Konto anlegen, mit Grenzen bei der Anzahl der Projekte und der Nutzung, die aktuellen Preise stehen in Claude Kosten und Abos im Überblick. Für einen eigenen Custom GPT bei ChatGPT ist üblicherweise ein bezahltes Konto nötig, ein kostenloses Konto reicht meist nur zum Nutzen bereits veröffentlichter GPTs.

Sind meine Daten bei einem KI-Assistenten geschützt?

Das hängt vom Anbieter und deinen Einstellungen ab, eine pauschale Zusage gibt es nicht. Lade keine sensiblen oder fremden Daten hoch, die du nicht dort haben willst, und prüfe vor dem Anhängen von Wissen, welche Daten für die Rolle wirklich nötig sind. Das ist keine Rechtsberatung, sondern eine praktische Grundregel aus meinem eigenen Aufbau.

Wie erstelle ich einen KI-Assistenten in Claude?

Du legst ein Projekt an, formulierst darin eine Systemanweisung mit fester Rolle und Regeln und hängst eigene Dokumente als Wissen an. Von da an beantwortet Claude neue Anfragen im Rahmen dieser Rolle, ohne dass du den Kontext jedes Mal neu erklärst.

Wie erstelle ich einen KI-Assistenten in ChatGPT?

Du baust einen eigenen Custom GPT: eine Rollenbeschreibung in eigenen Worten, feste Anweisungen und hochgeladene Wissensdateien, aus denen der GPT zitieren kann. Der Aufbau ähnelt einem Claude-Projekt, die genaue Bedienoberfläche unterscheidet sich.

Kann ich einen KI-Assistenten auch ohne Vorerfahrung selbst erstellen?

Ja, alle drei beschriebenen Wege sind für die Erstellung ohne Programmierkenntnisse gedacht. Was du brauchst, ist eine klare Vorstellung von der Rolle und ein paar eigene Dokumente als Wissen, keine technische Ausbildung.

Wie du weitermachst

Leg dir einen ersten Assistenten für die eine Aufgabe an, bei der du am meisten Text schreibst und am schnellsten prüfen kannst, ob ein Entwurf gut ist, oft ist das die Mail-Kommunikation wie bei Sonja. Wenn du danach den Unterschied zwischen einem solchen Assistenten und einem vollwertigen Agenten genauer verstehen willst, steht die Abgrenzung in KI-Agent, Chatbot oder Assistent?, und der Weg zu einer eigenständigeren Rolle mit Personalakte in KI-Mitarbeiter erstellen: so startest du.

Die acht fertigen Pakete, von Sonjas Assistenten-Rolle bis zu den Agenten-Rollen meiner übrigen Belegschaft, gibt es fertig in meiner Community: Community.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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