KI-Agenten erstellen mit Claude geht über drei Aufbauten; der erste ist eine Vorstufe, erst Weg 2 und 3 arbeiten agentisch: als Projekt in Claude.ai (ohne Programmieren, in der App), als Subagent in Claude Code (eine Textdatei mit Anweisungen statt Klicks) oder in Claude Cowork (für Aufgaben in deinen Ordnern, ohne Terminal). Welcher Weg passt, hängt davon ab, ob die KI nur antworten soll oder Werkzeuge braucht: Dateien lesen und ändern, Befehle ausführen, andere Agenten beauftragen. Weg 1 ist die Vorstufe und für den Anfang genau richtig: Rolle, Anweisungen und Wissen, ohne eine Zeile Code, erstes brauchbares Ergebnis erfahrungsgemäß nach ungefähr einer Stunde. Zum Agenten wird der Aufbau erst auf Weg 2 und 3, wo Werkzeuge und eigenständige Arbeitsschritte dazukommen. Was die drei Wege kosten und wo ihre Grenzen liegen, steht weiter unten.
Meine KI-Belegschaft läuft komplett auf Weg 2: jeder Mitarbeiter ist ein Ordner mit Anweisungen, Wissen und Skills, ausführbar als Subagent in Claude Code. Was du hier baust, ist die Grundform davon. Was ein KI-Agent überhaupt ist, erkläre ich in Was ist ein KI-Agent? Einfach erklärt. Die Grundlagen zu Agenten habe ich auf der Seite KI-Agenten gesammelt; wie sich Subagents, Skills und Agents unterscheiden, steht in Claude Subagents, Skills und Agents.
KI-Agent mit Claude erstellen: drei Wege im Vergleich
Die Preise stehen mit Stand und Quelle in Claude Kosten und Abos im Überblick. Weg 1 beschreibe ich am ausführlichsten, weil seine fünf Schritte auch für die anderen beiden gelten.
Weg 1: die Vorstufe als Claude-Projekt in fünf Schritten
Ein Claude-Konto reicht. Projekte gibt es laut Anthropics Preisseite auch im kostenlosen Tarif; die Nachrichten-Kontingente setzen dort allerdings enge Grenzen, sobald du täglich arbeitest. Wichtiger als das Abo ist die Wahl der Aufgabe: Sie wiederholt sich, ihr Ergebnis kannst du in Minuten bewerten, und sie kostet dich spürbar Zeit. Ich nehme „Angebote vorbereiten" als Beispiel.
Schritt 1: Projekt anlegen. Leg in Claude ein neues Projekt an und gib ihm einen Namen, der den Job beschreibt, zum Beispiel „Angebots-Agent". Ein Projekt ist laut Anthropics Hilfeseite zu Projekten ein eigener Arbeitsbereich mit zwei Eigenschaften, die aus einem beliebigen Chat eine feste Rolle machen: eigene Anweisungen, die für jede Unterhaltung darin gelten, und eine Wissensablage, auf die jede Unterhaltung zugreift. Ein Projekt pro Job, das ist die Regel; ein Alleskönner lässt sich kaum korrigieren.
Schritt 2: Anweisungen schreiben. In die Projekt-Anweisungen schreibst du, was du einer neuen Aushilfe am ersten Tag sagen würdest:
- Der Job: „Du bereitest Angebote vor. Du bekommst meine Gesprächsnotizen und lieferst einen fertigen Angebotsentwurf."
- Der Ablauf: „Erst Leistungen und Umfang klären, dann Preise nach meiner Preisliste, dann Text nach meinen Beispielen."
- Die Grenzen: „Du erfindest keine Preise und keine Leistungen. Wenn dir eine Information fehlt, fragst du nach, statt zu raten."
- Das Format: „Ergebnis als fertiges Dokument, Struktur wie in meinen Beispiel-Angeboten."
Der Punkt unter „Grenzen" ist der wichtigste: Eine KI, die nachfragt statt zu raten, spart dir die Nacharbeit.
Schritt 3: Wissen hochladen. Jetzt füllst du die Wissensablage mit dem, was die Rolle für den Job braucht: deine Preisliste, zwei oder drei echte Angebote als Stilvorlage, eine kurze Beschreibung deines Business und Formulierungen, die du nie benutzen würdest. Ein Trick aus meiner Praxis: Schreib in die erste Unterhaltung „Stell mir alle Fragen, die du für deinen Job brauchst", beantworte sie und leg die Antworten als Dokument in die Wissensablage.
Schritt 4: An einem echten Fall testen. Nimm nicht das Testbeispiel, nimm das Angebot, das diese Woche sowieso raus muss. Fehler nicht selbst umschreiben, sondern benennen: „Der Preis für Position 2 stimmt nicht", „zu förmlich, schau in Beispiel 3". Jede Korrektur, die du still selbst einbaust, macht Claude beim nächsten Fall wieder falsch.
Schritt 5: Korrekturen dauerhaft machen. Hier trennt sich die feste Rolle vom Einweg-Prompt. Jede Korrektur, die öfter gelten soll, wandert zurück in die Anweisungen oder in ein Dokument in der Wissensablage. Aus „zu förmlich" wird eine Zeile: „Du schreibst locker, keine Amtssprache." Nach einigen Durchläufen ist jeder neue Fall Routine: Notizen rein, Entwurf raus, du gibst frei.
Ehrlich zur Grenze dieses Wegs: Ich habe Claude-Projekte selbst genutzt und bin damit nicht zufrieden geworden. Alles liegt im Projekt beim Anbieter, und du kommst da nicht wieder raus, weder zu Codex noch zu einem offenen Modell. Für mich fühlt sich das nicht so unter Kontrolle an. Zum Starten taugt der Weg trotzdem, und für reine Textaufgaben bleibt er der schnellste.
Weg 2: Agent in Claude Code als Subagent
In Claude Code ist ein Agent eine Markdown-Datei. Sie liegt laut der Subagents-Dokumentation von Anthropic unter .claude/agents/ im Projektordner oder unter ~/.claude/agents/ für alle deine Projekte. Der Kopf der Datei (Frontmatter) braucht zwei Pflichtfelder, name und description; darunter steht in Prosa, was der Agent tun soll. Optional begrenzt tools, welche Werkzeuge er benutzen darf. Ein Beispiel im selben Job wie oben:
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name: angebots-check
description: Prüft fertige Angebotsentwürfe gegen Preisliste und Stilvorlagen. Nutzen, sobald ein Angebotsentwurf im Ordner angebote/ liegt.
tools: Read, Grep, Glob
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Du prüfst Angebotsentwürfe. Lies die Preisliste in wissen/preise.md
und die Stilvorlagen in wissen/beispiele/. Melde jede Abweichung mit
Fundstelle. Du änderst nichts selbst, du meldest nur.
Aufgerufen wird der Subagent in der laufenden Sitzung, entweder weil Claude anhand der description selbst entscheidet, dass er passt, oder weil du ihn direkt ansprichst, mit @agent-angebots-check oder im Klartext („Nimm den Subagent angebots-check für den Entwurf von heute"). Er arbeitet in einem eigenen, leeren Kontext: ohne deinen bisherigen Gesprächsverlauf, aber mit der CLAUDE.md deines Projekts und seinem Auftragstext. Zurück kommt nur seine Zusammenfassung. Genau deshalb ist meine Belegschaft so gebaut: Der Prüfer kennt den Entwurf nicht aus dem Entstehen, er sieht ihn frisch.
Der Unterschied zu Weg 1 sind die Werkzeuge: Ein Subagent kann Dateien lesen und schreiben, Befehle ausführen und über MCP-Server externe Systeme ansprechen, etwa ein Postfach; wie du das einrichtest, steht in Claude MCP Server einrichten. Mit tools: Read, Grep, Glob wie im Beispiel darf er nur lesen. Das ist bei mir die Regel für jede Prüf-Rolle: Wer prüft, ändert nichts.
Weg 3: Cowork für Aufgaben mit Dateien
Claude Cowork nutzt laut Anthropics Einstiegsseite zu Cowork dieselbe Agent-Architektur wie Claude Code, nur ohne Terminal. Du gibst Ordner frei, beschreibst die Aufgabe in normaler Sprache, und Claude arbeitet in genau diesen Ordnern: Dokumente formatieren, Tabellen mit Formeln bauen, Recherchen zusammenführen. Jeder Schritt wird angezeigt, das Ergebnis liegt zur Durchsicht in deinem Ordner. Seit dem 16.09.2026 legt Anthropic Cowork und den Chat schrittweise zu einem Claude zusammen, zuerst bei Pro und Max. Danach wählst du Cowork nicht mehr eigens aus, sondern beschreibst die Aufgabe in einem normalen Gespräch; bis zur Umstellung steht im Eingabefeld weiter die Option „Cowork“. Ordner auf deinem Rechner gibst du in Claude Desktop frei, und Claude erreicht sie nur, solange die App offen ist (support.claude.com, Stand: 08.10.2026).
Ich habe für Cowork Skills gebaut und sie als ZIP hochgeladen; das hat gut funktioniert. Mein Alltag läuft trotzdem seit rund drei Monaten fast ausschließlich über Claude Code. Cowork passt, wenn dein Agent Dateien anfassen soll, du aber kein Terminal willst; für mehrere Agenten mit festen Regeln bleibt Weg 2 der direktere. Was Cowork kann, was es kostet und wo die Grenze zu Claude Code liegt, habe ich in Claude Cowork: was es kann und für wen eingeordnet.
Claude Agenten Teams: mehrere Agenten zusammenarbeiten lassen
Bei mehr als einem Agenten stellt sich die Frage, wie sie sich Arbeit übergeben. Bei mir läuft das über ein Postfach-Protokoll: Der Absender legt eine Übergabe-Datei in seinen Ausgang und eine Kopie in den Eingang des Empfängers, mit Link auf den Kontext statt Kopie des Inhalts. Jeder prüft am Sitzungsstart sein Postfach, und alles, was das Haus verlässt, prüft eine getrennte Rolle.
Ein Ablauf aus dem Betrieb, 07.09.2026: Sebastian, mein SEO-Mitarbeiter, schreibt Ralf, der Websites baut und textet, die Übergabe für ein Blog-Release. Ich gebe um 18:24 frei. Ralf arbeitet als Subagent, weil die Zustellung an seine laufende Sitzung an der Freigabe scheiterte. Danach prüft Sebastian das Ergebnis live. Am 16.09. lief es andersherum: Sebastian fragt Conny, meine Content-Chefredakteurin, per Postfach nach Erfahrungen für fünf Beiträge, und Conny antwortet als Subagent mit einem Brief in seinem Eingang. Was Sebastian aus solchen Zuarbeiten macht, steht auf Sebastian, der meine Website mit echten Werkzeugen misst.
Zwei Regeln halten das zusammen. Erstens: Ein Agent beauftragt einen anderen nur auf meine Anweisung; Connys Brief an Eddi, meinen Video-Mitarbeiter, enthält dann meinen Wortlaut, Kontext-Links, Pflicht-Checks und das Freigabe-Gate. Was auf Eddis Seite aus so einem Brief wird, steht auf Eddi, der meine Reels aus dem Rohmaterial schneidet. Zweitens: Freigaben erteile ausschließlich ich; der jeweilige Mitarbeiter dokumentiert sie mit Zeitpunkt. Wie so ein Zusammenspiel für Buchhaltung und Postfach aussieht, zeige ich in KI-Agent für Buchhaltung und Postfach. Welche Muster ab dem zweiten Agenten tragen und wer was sehen und ändern darf, steht Schritt für Schritt in Mehrere KI-Agenten orchestrieren: Anleitung.
Was Claude Agenten kosten
Für Weg 1 reicht ein Claude-Konto; Free kostet 0 Dollar, Pro 20 Dollar im Monat (Stand: September 2026, Quelle: Anthropics Preisseite). Weg 2 und Weg 3 brauchen ein bezahltes Abo: Pro 20, Max 100 oder 200 Dollar im Monat, Team ab 20 Dollar je Sitz und Monat. Ich bin nicht mit Max gestartet; heute nutze ich Claude Team mit zwei Sitzen und dazu Max, für geschäftliche Daten Team wegen AVV und Datenschutz. Alle Stufen mit Quelle stehen in Claude Kosten und Abos im Überblick, und ob für Claude Code Abo oder API günstiger ist, in Claude Code Kosten: Abo oder API?.
Vom Agenten zum Mitarbeiter
Nach Weg 2 oder 3 hast du einen funktionierenden KI-Agenten: eine KI mit Job, Kontext, Werkzeugen und wiederholbarem Ergebnis; nach Weg 1 eine feste Rolle mit deinem Wissen im Rücken. Was beiden fehlt, ist die Führungsebene: ein Name, eine richtige Personalakte statt verstreuter Dokumente, ein sauberes Onboarding, ein Gedächtnis für Korrekturen und Feedback als fester Bestandteil der Zusammenarbeit. Was das genau ist, steht in Was ist ein KI-Mitarbeiter?.
Das ist kein technischer Schritt, sondern ein Perspektivwechsel: Du führst, statt zu bedienen, und du bleibst der, der freigibt. Der komplette Ablauf von der Aufgabenwahl bis zur Festanstellung steht in KI-Mitarbeiter einstellen: der Ablauf.
Häufige Fragen
Brauche ich Claude Code oder reicht Claude.ai?
Für eine Rolle, die Texte liefert und aus deinem Wissen antwortet, reicht ein Projekt in Claude.ai. Claude Code brauchst du, sobald die KI selbst in Dateien arbeiten, Befehle ausführen oder andere Agenten beauftragen soll; ab da spreche ich von einem Agenten.
Geht das im Free-Plan?
Weg 1 ja, mit knappen Nachrichten-Kontingenten. Weg 2 und 3 nicht, Claude Code und Cowork brauchen ein bezahltes Abo. Was mit dem Gratis-Tarif geht und wann sich Pro lohnt, steht in KI-Agent erstellen kostenlos: was geht?.
Agent oder Projekt, was ist der Unterschied?
Ein Projekt ist der Behälter: Anweisungen plus Wissensablage, die in jeder Unterhaltung gelten. Mit klarem Job und Korrekturen an echten Fällen wird daraus eine feste Rolle, technisch aber weiter ein Chat mit Kontext. Zum Agenten wird es mit Werkzeugen und eigenständigen Schritten, also im Subagenten oder in Cowork.
Was ist der Agentenmodus?
Einen Schalter mit diesem Namen habe ich in Anthropics Doku nicht gefunden. Gemeint ist meist, dass Claude nicht nur antwortet, sondern mehrere Schritte plant und Werkzeuge benutzt. Genau das bekommst du über Claude Code oder Cowork; ein Projekt in Claude.ai bleibt ein Chat mit Kontext.
Wie baue ich einen Fachagenten, zum Beispiel für Buchhaltung?
Genauso wie den Angebots-Agenten oben, nur mit anderem Wissen: Kontenrahmen, deine Belegregeln, Beispiele richtig gebuchter Fälle. Die wichtigste Anweisung bleibt „nachfragen statt raten": Mein Buchhaltungs-Mitarbeiter Peter hat am 06.09.2026 bei 63 Belegen vor der Ausgabe zwei Rückfragen gestellt, unter anderem zu zwei Währungen, statt Kurse zu erfinden. Dass er nur macht, was in seiner Prozessbeschreibung steht, ist bei ihm die Grundregel: Peter, mein Mitarbeiter für die Buchhaltung.
Kann der Agent E-Mails lesen?
Nur mit einer Anbindung: in Claude.ai über eine Verbindung, die Anthropic anbietet, in Claude Code über einen MCP-Server für dein Postfach. Lesen und Entwürfe schreiben ist der einfache Teil; Versenden bleibt bei mir hinter einer Freigabe, weil alles, was das Haus verlässt, vorher geprüft wird.
Wie du weitermachst
Nimm dir eine echte Aufgabe und Weg 1. Wenn der Agent nach ein paar Durchläufen sauber liefert und du merkst, dass er Dateien anfassen müsste, ist das der Moment für Weg 2 oder 3, nicht vorher. Ob Claude oder ChatGPT für deinen Agenten besser passt, habe ich in KI-Agent erstellen: Claude vs ChatGPT verglichen, und zehn Agenten aus dem Betrieb, jeder mit Ergebnis, findest du in KI-Agenten: 10 Beispiele aus der Praxis.
Und falls du dich fragst, warum ich Agenten in Claude baue statt in n8n oder Make: Die Begründung mit Vergleichstabelle steht in KI-Agenten erstellen ohne Code: mein Weg. Kurzfassung: Workflow-Plattformen lösen Fließband-Aufgaben, aber die teuren Stunden von Selbstständigen stecken in Aufgaben mit Kontext und Urteilsvermögen. Und wenn dir für den Weg dorthin die Reihenfolge fehlt, findest du sie in Claude lernen: der Weg in fünf Stufen.