Ein Claude Projekt ist ein Arbeitsbereich mit eigenem Wissen und eigenen Anweisungen: Jeder Chat, den du darin startest, kennt von der ersten Sekunde an alles, was du im Projekt hinterlegt hast. Wer Claude Projekte richtig nutzen will, muss vor allem eine Entscheidung treffen, und die ist keine technische: Was genau soll dieses Projekt sein? Die meisten machen daraus einen Themenordner. Sinnvoller ist eine klar abgegrenzte Rolle, geführt wie eine Personalakte.
Der Unterschied klingt klein und verändert alles. Dieser Artikel erklärt den Einstieg über Claude Projects. Meine eigenen KI-Mitarbeiter liegen dagegen als Files and Folders in lokalen Arbeitsordnern und können deshalb auch mit Codex oder offenen Modellen arbeiten. Die übrigen Bausteine findest du auf der Claude-Übersichtsseite.
Claude Projekte erklärt: die drei Bestandteile
Ein Projekt in der Claude-App besteht aus drei Dingen:
- Anweisungen: ein Text, der für jeden Chat im Projekt gilt. Hier steht, wie Claude sich in diesem Projekt verhalten soll.
- Projektwissen: Dateien und Dokumente, die du hochlädst. Claude kennt sie in jedem Chat des Projekts, ohne dass du sie neu anhängst.
- Die Chats selbst: alle Gespräche zu diesem Projekt an einem Ort, statt verstreut im Verlauf.
Das löst das Grundproblem der Chat-KIs: dass jede Session bei null startet und du Kontext immer wieder zusammenkopierst. Warum dieses Vergessen die Grundmechanik aller Sprachmodelle ist und nicht die Schwäche eines Anbieters, habe ich hier auseinandergenommen: Warum ChatGPT vergisst, KI-Mitarbeiter nicht.
Der häufigste Fehler: das Projekt als Themenordner
So nutzen die meisten ihre Projekte: eines für „Marketing", eines für „Kunde Meier", eines für „Ideen". Dann landen dort ein paar Dateien, die Anweisungen bleiben zwei Sätze, und nach vier Wochen ist das Projekt ein Ablagestapel mit Chatfunktion.
Das Problem: Ein Themenordner hat keinen Job. Er sammelt, aber er liefert nicht. Die Ergebnisse schwanken je nach Tagesform deiner Prompts, und du bist weiter der Speicher für alles, was die KI wissen müsste.
Die bessere Frage: Wer arbeitet in diesem Projekt?
Statt „Welches Thema kommt hier rein?" hilft die Frage: „Welchen Job würde ich hier einem Menschen geben?" In Claude Projects bedeutet das: ein Projekt für die Angebotserstellung, eines für den Content, eines für die Buchhaltung, jeweils mit einer klar abgegrenzten Rolle.
In der Akte liegt dann alles, was dieser eine Mitarbeiter für seinen Job braucht: seine Rolle, seine Regeln, das Wissen über mein Business, meine Formulierungen. Jedes Gespräch startet mit diesem Wissen statt bei null. Aus „Kontext zusammenkopieren und hoffen" wird „Fall reingeben und Ergebnis freigeben". Warum genau dieser Mechanismus für mich der Hauptgrund für Claude war, steht in Claude statt ChatGPT.
Claude Projekte: welche Anweisungen hineingehören
Die Projekt-Anweisungen sind der wichtigste Teil und bleiben bei den meisten am dünnsten. Diese Struktur übertrage ich aus meinen vierzehn dateibasierten Mitarbeiterrollen auf den Einstieg in Claude Projects:
- Job und Nicht-Job: Was ist die Aufgabe dieses Mitarbeiters, und was ist ausdrücklich nicht seine Aufgabe? Die zweite Hälfte verhindert, dass er sich in alles einmischt.
- Dein Business: Leistungen, Zielgruppe, Preislogik, typische Fälle. Nur das, was dieser Job braucht.
- Deine Sprache: zwei, drei echte Textbeispiele von dir und eine Liste von Formulierungen, die du nie benutzen würdest.
- Regeln und Freigaben: Was darf er entscheiden, was legt er dir immer zur Freigabe vor?
Du musst das nicht perfekt vorschreiben. Gib dem Projekt die Rolle und lass Claude im ersten Gespräch fragen, was es für den Job noch wissen muss. Deine Antworten wandern dann in die Anweisungen und ins Projektwissen. Dieses Onboarding-Gespräch ist Schritt drei meines Einstellungs-Ablaufs: KI-Mitarbeiter einstellen: der Ablauf.
Feedback gehört in die Akte, nicht in den Chat
Hier entscheidet sich, ob dein Projekt mit der Zeit besser wird oder nur älter. Wenn ein Ergebnis nicht passt, korrigiere nicht einfach im Chat weiter. Sag, was falsch war, und sorge dafür, dass die Korrektur in den Anweisungen oder im Projektwissen landet: „Der Preis fehlt", „zu förmlich", „diese Floskel nie wieder".
Eine Korrektur im Chat gilt bis zum Ende des Gesprächs. Eine Korrektur in der Akte gilt für immer. Nach drei bis fünf Durchläufen merkst du, wie die Nacharbeit gegen null geht, weil das Wissen dort liegt, wo jeder neue Chat es findet.
Ein Projekt pro Rolle, nicht ein Projekt für alles
Die praktische Konsequenz aus dem Personalakten-Ansatz: mehrere kleine Projekte statt eines großen. Ein Projekt, das gleichzeitig Angebote schreibt, Content plant und Mails beantwortet, hat verwässerte Anweisungen und liefert verwässerte Ergebnisse. Drei Projekte mit je einem klaren Job liefern dreimal sauber.
Genau so ist meine Belegschaft entstanden, allerdings in lokalen Arbeitsordnern: nicht als ein Superprompt, sondern als vierzehn Rollen mit je eigener Akte. Claude Projects bilden dasselbe Rollenprinzip innerhalb der Claude-App ab.
Zur Abgrenzung noch ein Satz, weil die Begriffe oft durcheinandergehen: Die Projekt-Anweisungen beschreiben, wer dein Mitarbeiter ist und was er weiß. Wie eine einzelne Aufgabe Schritt für Schritt abläuft, gehört dagegen in einen Skill. Beides zusammen ergibt erst den kompletten Mitarbeiter: Claude Skills: erstellen und nutzen.
Wann ein Projekt nicht mehr reicht
Projekte haben eine natürliche Grenze: Sie leben in der Claude-App, dein Mitarbeiter arbeitet also mit dem, was du hochlädst. Wenn er direkt in deinen echten Ordnern und Systemen arbeiten und unabhängig vom Modell bleiben soll, legst du Rolle, Wissen und Skills als Dateien in einem lokalen Arbeitsordner ab. Darauf können Claude Code, Codex oder ein offenes Modell arbeiten. Was dagegen nach einem Kurs mit Plattform oder Workflow-Tool dauerhaft im Werkzeug liegen bleibt, steht in KI-Kurs gebucht: was danach jeden Monat läuft.
Für einen einfachen Einstieg mit reinen Textaufgaben kann ein Projekt reichen. Wer Portabilität von Anfang an will, startet direkt mit Files and Folders.
Womit du anfängst
Leg heute ein einziges Projekt an und gib ihm einen Job statt eines Themas: die eine Aufgabe, die sich bei dir jede Woche wiederholt. Schreib die vier Anweisungs-Blöcke von oben in einer halben Stunde herunter und führ das erste Onboarding-Gespräch.
Der komplette Ablauf von der Aufgabenwahl bis zur Festanstellung steht in KI-Mitarbeiter einstellen: der Ablauf. Und wie dein Projekt-Mitarbeiter feste Arbeitsabläufe bekommt, liest du in Claude Skills: erstellen und nutzen. Wo Projekte in der Gesamtstrecke einsortiert sind, zeigt Claude lernen: der Weg in fünf Stufen.