Blog · 3. August 2026 · Aktualisiert am 27. August 2026 · 5 Min. Lesezeit

Claude Skills: erstellen und nutzen

Geöffneter Werkzeugkasten mit Werkzeug und einer Glühbirne

Claude Skills sind wiederverwendbare Arbeitsanweisungen für Claude: Du schreibst einmal auf, wie eine bestimmte Aufgabe abzulaufen hat, mit deinen Schritten, deinen Regeln, deinen Beispielen. Ab dann wendet Claude diese Anleitung automatisch an, sobald die Aufgabe dran ist. Du promptest den Ablauf nicht mehr jedes Mal neu, er ist Infrastruktur.

Für mich sind Skills einer der drei Gründe, warum meine komplette KI-Belegschaft auf Claude läuft. Die anderen beiden und alle weiteren Anleitungen findest du auf meiner Claude-Übersichtsseite.

Was ein Claude Skill ist

Technisch ist ein Skill ein Ordner mit einer Datei namens SKILL.md. Darin steht in normalem Text, wann der Skill gilt und wie die Aufgabe abläuft. Dazu können Vorlagen, Referenzmaterial und kleine Hilfsskripte kommen. Claude lädt den Skill nur dann, wenn er gebraucht wird, und arbeitet die Anweisung dann Schritt für Schritt ab.

Das Entscheidende steht nicht in der Technik, sondern im Format: Ein Skill ist ein lesbares Dokument. Du kannst ihn öffnen, verstehen und ändern wie eine Arbeitsanweisung für einen Menschen. Kein Flussdiagramm, kein Code, den du nicht durchschaust.

Anthropic liefert einige Skills vorinstalliert mit, zum Beispiel für Excel-Tabellen, Word-Dokumente, PowerPoint-Präsentationen und PDFs. Die spannenden Skills sind aber die, die du selbst schreibst.

Claude Skills installieren und aktivieren

So kommst du an Skills (Stand: August 2026, Skills gibt es auf allen Plänen inklusive Free):

  1. In der Claude-App: Unter Einstellungen die Funktion Code-Ausführung aktivieren, dann unter „Customize" den Bereich Skills öffnen. Dort schaltest du vorhandene Skills an oder lädst eigene hoch.
  2. Eigene Skills hochladen: Ein Skill wird als ZIP-Datei hochgeladen. Der Ordner enthält die SKILL.md, der Ordnername muss zum Skill-Namen passen.
  3. In Claude Code: Skills liegen als Ordner in deinem Skills-Verzeichnis und werden automatisch erkannt. Aufrufen kannst du sie direkt mit einem Schrägstrich-Befehl, etwa /angebot-erstellen.

Auf Team- und Enterprise-Plänen lassen sich Skills zusätzlich mit Kollegen oder der ganzen Organisation teilen.

Claude Skills erstellen: schreib eine Arbeitsanweisung, kein Programm

Hier scheitern die meisten Anleitungen im Netz, weil sie Skills wie ein Entwickler-Thema behandeln. Mein Rat: Vergiss die Technik für einen Moment und stell dir vor, du schreibst eine Arbeitsanweisung für einen neuen Mitarbeiter. Genau das ist ein Skill.

Eine gute Arbeitsanweisung beantwortet vier Fragen:

  • Wann gilt sie? „Immer wenn ein Angebotsentwurf erstellt wird."
  • Was sind die Schritte? In Reihenfolge, konkret: erst Anfrage lesen, dann Leistungen zuordnen, dann Entwurf schreiben, dann gegen die Checkliste prüfen.
  • Welche Regeln gelten? Formulierungen, die immer rein müssen. Formulierungen, die nie vorkommen dürfen. Was zur Freigabe vorgelegt wird.
  • Wie sieht ein gutes Ergebnis aus? Ein echtes Beispiel sagt mehr als zehn Regeln.

Der einfachste Weg zum ersten Skill: Lass Claude ihn selbst schreiben. Wenn du eine Aufgabe einmal im Chat sauber durchgespielt hast und das Ergebnis passt, sag: „Schreib aus diesem Ablauf einen Skill, damit du das nächste Mal genauso arbeitest." Dann liest du das Ergebnis gegen und korrigierst, was nicht stimmt.

Drei Beispiel-Skills für den Einstieg

Damit das greifbar wird, drei Skizzen, wie solche Arbeitsanweisungen aussehen können:

1. Angebots-Skill. Gilt, wenn eine Kundenanfrage zum Angebot werden soll. Schritte: Anfrage zusammenfassen, passende Leistungen und Preise aus der Personalakte ziehen, Entwurf im eigenen Ton schreiben, offene Fragen an den Chef sammeln. Regel: Kein Angebot verlässt den Entwurfsstatus ohne Freigabe.

2. Content-Prüf-Skill. Gilt vor jeder Veröffentlichung. Schritte: Entwurf gegen eine Liste eigener Regeln prüfen, etwa Hook-Qualität, verbotene Floskeln, Länge. Verstöße werden markiert, nicht stillschweigend umgeschrieben. So arbeitet meine Content-Chefredakteurin: Jeder Entwurf läuft gegen meine Hook-Regeln, bevor ich ihn überhaupt sehe.

3. Wochenreport-Skill. Gilt jeden Freitag. Schritte: erledigte Aufgaben aus den Arbeitsordnern einsammeln, offene Punkte auflisten, drei Vorschläge für nächste Woche machen. Ergebnis: eine halbe Seite, immer gleich aufgebaut.

Du merkst am Muster: Ein Skill ist immer ein Ablauf, den du sonst mündlich erklären würdest. Wenn du ihn einem Praktikanten in fünf Minuten beibringen könntest, kannst du ihn als Skill aufschreiben.

Drei Fehler, die Skills unbrauchbar machen

Nach vielen geschriebenen und wieder verworfenen Arbeitsanweisungen kenne ich die typischen Fallen:

  1. Zu vage. „Schreib gute Angebote" ist kein Skill, das ist ein Wunsch. Ein Skill braucht prüfbare Schritte und Regeln. Wenn du nicht sagen kannst, ob Claude sich an die Anweisung gehalten hat, ist sie zu weich formuliert.
  2. Zu lang. Ein Skill, der jeden Sonderfall abdecken will, wird zum Roman, den keiner mehr pflegt. Schreib den Normalfall auf und ergänze Sonderfälle erst, wenn sie wirklich auftreten.
  3. Skills für Einmal-Aufgaben. Ein Skill lohnt sich nur für Abläufe, die wiederkommen. Für die einmalige Aufgabe reicht der Chat.

Die Faustregel: Ein Skill ist gut, wenn du ihn in zwei Monaten öffnest und sofort verstehst, was er tut und warum.

Warum Skills den Unterschied machen

Ohne Skills bekommst du von einer KI jedes Mal eine etwas andere Version der Aufgabe, je nachdem, wie du gerade gepromptet hast. Mit Skills bekommst du Wiederholbarkeit: Die Aufgabe läuft nächste Woche genauso wie heute, und wenn du etwas ändern willst, änderst du ein Dokument statt deine Prompt-Gewohnheiten.

Skills sind damit das zweite von drei Puzzleteilen meines Ansatzes: Das Claude-Projekt als Personalakte hält, wer dein Mitarbeiter ist und was er weiß. Skills halten, wie er arbeitet. Und Feedback wandert in beide, statt im Chatverlauf zu verschwinden. Warum mich genau diese Kombination zu Claude gebracht hat, steht in Claude statt ChatGPT.

Womit du anfängst

Nimm eine Aufgabe, die du diese Woche sowieso mit KI erledigst, und spiel sie einmal sauber im Chat durch, bis das Ergebnis sitzt. Dann lass Claude daraus deinen ersten Skill schreiben und lies ihn gegen. Mehr braucht der Einstieg nicht.

Wenn du das Ganze von Anfang an richtig aufziehen willst, mit Rolle, Personalakte und Einarbeitung statt einzelner Skills: Der komplette Ablauf steht in KI-Mitarbeiter einstellen.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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