Blog · 16. September 2026 · 11 Min. Lesezeit

Claude Kurs: was es gibt und was taugt

Aufgeklappter Laptop auf einem Tisch in einem Schulungsraum, im Hintergrund weitere Tische und Geräte
Foto: Adam Sondel / Pexels

Einen offiziellen Claude-Kurs gibt es, und zwar deutlich mehr als einen: Anthropic betreibt unter dem Namen Claude Academy einen Katalog mit 31 Kursen, und die Academy ist kostenlos (abgerufen am 18.09.2026). Bei Kursen, die ein „Completion badge" ausweisen, bekommst du nach den erforderlichen Quizzen ein kostenloses Abschlusszertifikat mit öffentlichem Verifikationslink. Das ist nicht dasselbe wie die separate, beaufsichtigte Claude-Zertifizierungsprüfung: Die ist kostenpflichtig, läuft über Pearson, wird über Credly ausgestellt und steht laut Anthropics FAQ nur Partnern offen. Der öffentlich einsehbare Katalog ist englischsprachig; eine deutsche Kursfassung habe ich dort am 18.09.2026 nicht gefunden.

Ich arbeite seit kurz nach dem Erscheinen von Claude Code täglich mit Claude und betreibe mein Business mit einer KI-Belegschaft auf Claude-Basis. Zur Zertifikatsfrage habe ich eine eigene Sicht: Ich halte alle fünf Kubernetes-Zertifizierungen der Cloud Native Computing Foundation gleichzeitig gültig und bin damit Kubestronaut, dazu kommen mehrere AWS-Zertifizierungen. Ich lehne Zertifikate also nicht ab. Ich habe nur eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, was ein Nachweis belegen kann und was nicht. Alles, was ich zu Claude geschrieben habe, findest du gesammelt auf der Seite Claude.

Ein Hinweis vorweg, der für den ganzen Beitrag gilt: Alle Angaben zur Academy stammen vom 18.09.2026, abgerufen im Kurskatalog und in der Academy-FAQ. So etwas ändert sich. Wenn du das später liest, sieh an derselben Stelle selbst nach.

Die Claude Academy von Anthropic: 31 Kurse, drei mögliche Einstiege

Anthropic betreibt sein Lernangebot unter academy.claude.com, die frühere Adresse anthropic.com/learn leitet dorthin weiter. Die Plattform beschreibt sich selbst mit „Learn to work and build with Claude". Der Katalog zählte am 18.09.2026 genau 31 Kurse in vier Bereichen: „Start your journey" für den Einstieg, „Learn the products" für einzelne Werkzeuge wie Claude Code, das Model Context Protocol, Subagents und Skills, „Become AI fluent" für die Arbeitsweise mit KI und „Build with the API" für Entwicklung, unter anderem mit Amazon Bedrock und Google Clouds Vertex AI.

Die folgende Tabelle ist eine Auswahl, kein vollständiges Verzeichnis. Ich habe drei Kurse genommen, die drei verschiedene Einstiege abbilden: Oberfläche, Terminal und Arbeitsweise. Alle Angaben stehen so im Katalog (abgerufen am 18.09.2026).

Kurs Umfang laut Katalog Dauer Abschluss
Claude 101 13 Lektionen, 1 Quiz 2,5 Stunden Completion badge
Claude Code 101 12 Lektionen, 1 Quiz 1,5 Stunden Completion badge
AI Fluency: Framework and foundations 14 Lektionen, 1 Quiz 4 Stunden Completion badge

Der dritte Kurs ist der ausführlichste und dreht sich um ein Denkmodell mit vier Teilen, das 4D-Framework: Delegation, Description, Discernment, Diligence. Also wie du eine Aufgabe übergibst, wie du sie beschreibst, wie du das Ergebnis beurteilst und wie sorgfältig du dabei vorgehst. Die beiden anderen stehen im Katalogbereich „Start your journey", also dort, wo Anthropic selbst den Anfang sieht.

Kostenlos ist dabei wörtlich gemeint. Die FAQ sagt: „It's free: you can browse the catalog without signing in at all." Wer nach einem Claude-Kurs kostenlos sucht, hat damit die Antwort. Zum Mitmachen und für den Abschluss brauchst du ein Claude-Konto, und laut FAQ reicht dafür ein kostenloses persönliches Konto. Wie weit die Gratis-Stufe von Claude trägt, steht in Claude kostenlos nutzen: was geht.

Abschlusszertifikat und Zertifizierungsprüfung sind zwei verschiedene Dinge

Hier wird es unübersichtlich. Anthropic hat zwei Dinge im Angebot, die beide wie ein Zertifikat klingen, aber nichts miteinander zu tun haben.

  1. Das Completion Badge der Academy. Es ist kostenlos. Die FAQ formuliert es so: „Course completion badges are earned by passing the course's quizzes." Das Badge liegt danach im Dashboard, lässt sich herunterladen und teilen und hat einen öffentlichen Verifikationslink. Anthropic selbst nennt das „certificates of completion (badges)". Wer also einen Claude-Kurs mit Zertifikat sucht, findet ihn hier, und zwar ohne Kursgebühr.
  2. Die beaufsichtigte Zertifizierungsprüfung. Die ist etwas ganz anderes. Laut FAQ: „The Claude certification exams are a separate paid, proctored program: the exams are delivered by Pearson and the credential is issued through Credly." Sie kostet Geld, sie wird überwacht abgenommen, und sie steht laut derselben FAQ nur Anthropic-Partnern offen. Für die meisten, die nach einem Kurs suchen, ist dieser Weg damit ohnehin zu.

Beides am 18.09.2026 in der Academy-FAQ nachgelesen. Wenn du das Ergebnis eines Kurses irgendwo vorzeigen willst, ist das Badge gemeint, nicht die Prüfung. Und wenn dir jemand eine „Claude-Zertifizierung" verkauft, lohnt die Rückfrage, welches der beiden Dinge er meint.

Was ein solches Papier aus meiner Sicht aussagt

Das ist jetzt meine Einschätzung, kein Messwert. Ein Abschluss-Badge aus einem Online-Kurs belegt, dass jemand die Lektionen durchgearbeitet und die Quizze bestanden hat. Das ist mehr als nichts, und es ist ehrlich benannt: Anthropic nennt es „completion", also Abschluss, und nicht Können.

Drei Dinge machen aus meiner Erfahrung den Unterschied, wenn ein Nachweis gegenüber einem Auftraggeber tragen soll:

  1. Eine Stelle, die ihn vergibt und pflegt. Bei Kubernetes ist das die CNCF, bei Cloud-Diensten sind es die Anbieter selbst. Es gibt einen definierten Prüfungsstoff, eine Gültigkeitsdauer und eine Rezertifizierung.
  2. Eine Prüfung, in der du etwas tun musst. Die CKA ist laut Linux Foundation eine beaufsichtigte, praxisbasierte Prüfung: zwei Stunden, Aufgaben auf der Kommandozeile eines laufenden Kubernetes (abgerufen am 18.09.2026). Ich habe sie selbst abgelegt. Raten funktioniert dort nicht, und das ist für mich der entscheidende Punkt.
  3. Ein Feld, das stabil genug ist. Geprüftes Wissen muss in zwei Jahren noch stimmen, sonst zertifizierst du einen Zeitpunkt statt einer Fähigkeit.

Punkt drei ist im KI-Feld aus meiner Sicht das eigentliche Problem. Was ich vor einem Jahr über die Arbeit mit Claude aufgeschrieben hätte, wäre heute in Teilen überholt. Meine ausführliche Einordnung zu Prüfungen steht in Kubernetes-Zertifizierungen: CKA, CKAD & Co. und Kubestronaut: was ist das?.

Was du zusätzlich vorzeigen kannst, ist ein Ergebnis. Ein Ordner, in dem eine wiederkehrende Aufgabe tatsächlich erledigt wird, sagt in einem Kundengespräch aus meiner Erfahrung mehr über deine Arbeitsweise als eine Teilnahmebestätigung. Versprechen kann ich dir zu beidem nichts, weder zur Wirkung eines Zertifikats noch zur Wirkung eines Ergebnisses. Das hängt an der Stelle und am Gegenüber.

Gibt es einen Claude-Kurs auf Deutsch?

Im öffentlichen Katalog der Claude Academy habe ich am 18.09.2026 keine deutsche Kursfassung gefunden. Der Katalog und die Kursseiten, die ich aufgerufen habe, waren englischsprachig. Das ist eine Beobachtung an diesem Tag und an diesen Seiten, keine Aussage darüber, dass es hinter einem Konto oder in einzelnen Inhalten nirgends eine Übersetzung gibt.

Damit hast du zwei Wege. Entweder du nimmst den englischen Kurs, oder du nutzt deutschsprachiges Material. Über fremde Kursanbieter schreibe ich hier nichts, was ich nicht selbst geprüft habe: Ich habe für diesen Beitrag keine Plattform getestet und nenne deshalb auch keine.

Ein Hinweis aus der Praxis: Claude selbst antwortet dir auf Deutsch, wenn du auf Deutsch schreibst. Die Sprachfrage betrifft also das Lernmaterial, nicht die Arbeit danach. Wenn du direkt loslegen willst, ist Claude Anleitung: der Einstieg die deutschsprachige Kurzfassung für das erste Gespräch.

Was ein Kurs nicht leistet

Zwischen einer Lektion und dem eigenen Betrieb liegt eine Lücke, und die ist nach meiner Erfahrung größer, als die meisten erwarten. Ein Kurs zeigt dir ein sauberes Beispiel mit sauberen Daten. Deine Aufgabe hat unsaubere Daten, eine Vorgeschichte und drei Ausnahmen, die niemand aufgeschrieben hat.

Ein Blick in die Lektionslisten zeigt das deutlich. Claude Code 101 hat zwölf Lektionen, und sie lesen sich wie ein Inhaltsverzeichnis meiner eigenen Beiträge: der Ablauf aus Erkunden, Planen, Schreiben und Committen, Kontextverwaltung, die CLAUDE.md als Projektgedächtnis, Subagents, Skills, MCP und Hooks. Claude 101 geht von der ersten Nachricht über Projekte und Artefakte bis zu Connectors und Enterprise Search. Die Werkzeuge sind also sauber erklärt, und zwar vom Hersteller selbst.

Was auf den beiden Kursseiten nicht steht, ist die Ebene darüber: eine Rolle, die über Monate dazulernt, abgestufte Freigaben dafür, was ohne dich passieren darf, und ein Gedächtnis je Rolle statt je Sitzung. Übrigens auch nichts darüber, wie Anthropic selbst intern arbeitet; die Kurse erklären das Produkt, nicht den eigenen Betrieb (geprüft am 18.09.2026 auf den Seiten zu Claude 101 und Claude Code 101).

Ein Beispiel aus meinem Betrieb. Peter ist der KI-Mitarbeiter in meiner Belegschaft, der Belege sortiert. Ich habe ihm den Auftrag ins Mikrofon diktiert, er hat 63 Belege ausgewertet und dabei zwölf Befehle ausgeführt, zwei davon sind fehlgeschlagen. Bei allen 63 lief die Kontrollrechnung Netto plus Steuer gleich Brutto durch. Vor der Ausgabe hat er mir zwei Rückfragen gestellt: ein abgebrochener Satz in einem Beleg und zwei verschiedene Währungen. Sein Satz dazu war, dass er keine Wechselkurse erfindet. Ich habe entschieden: alles in Euro, Tageskurs. Das Ergebnis waren dreizehn Quartalsordner und eine Excel-Datei.

Der Teil, der in keinem Kurs steht, ist genau dieser: Wo muss gefragt werden, und wer entscheidet dann? Das lernst du nicht in einer Lektion, sondern an deinen eigenen Fällen, mit jemandem, der dir sagt, wo du gerade danebenliegst. Dasselbe gilt für die Frage, wann du eine Korrektur dauerhaft festhältst, statt sie im nächsten Gespräch zu wiederholen: Wie das bei mir läuft, steht in Claude Gedächtnis: Memory prüfen und nutzen.

Der Weg, den ich stattdessen empfehle

Mein Vorschlag besteht aus zwei Teilen, und der erste kostet dich nichts.

Erstens die Reihenfolge. Ich habe den Weg, den ich selbst gegangen bin, in fünf Stufen aufgeschrieben: erstes Gespräch, Claude im Alltag, Claude in deinen Dateien, eigene Rollen bauen, daraus eine Belegschaft machen. Jede Stufe sagt, was du danach können solltest und was der typische Fehler ist. Das steht in Claude lernen: der Weg in fünf Stufen. Die Gewohnheiten, die den Unterschied zwischen Bedienen und Arbeiten ausmachen, stehen in Claude richtig nutzen: sechs Gewohnheiten.

Zweitens der Punkt, an dem ein Kurs nicht mehr reicht. Ab dem Moment, in dem du an deinen eigenen Aufgaben arbeitest, werden die Fragen individuell. Genau deshalb habe ich keinen Kurs gebaut, sondern eine Community: Claude Practitioners auf Skool. Darin liegen fertige KI-Mitarbeiter-Pakete, jedes nach demselben Ablauf: laden, Onboarding-Gespräch führen, in dem der Mitarbeiter selbst nachfragt, was er über dein Business wissen muss, danach arbeiten lassen. Was dort im Einzelnen drin ist, steht in Claude Community auf Deutsch: wo?.

Einen Preis nenne ich hier bewusst nicht, weil ich dieselbe Regel anwende wie bei jeder Zahl in diesem Beitrag: nur mit aktuellem Beleg. Die aktuellen Konditionen stehen auf der Community-Seite selbst. Wie die Plattform funktioniert, bevor du irgendwo beitrittst, steht in Skool: was ist das und wie funktioniert es?.

Häufige Fragen

Gibt es einen offiziellen Claude-Kurs von Anthropic?

Ja, und nicht nur einen. Der Katalog der Claude Academy führte am 18.09.2026 genau 31 Kurse in vier Bereichen, von Claude 101 über Claude Code 101 bis zu API-Kursen (abgerufen am 18.09.2026 auf academy.claude.com/courses). Die Zahl kann sich ändern, prüf sie im Katalog nach.

Was kosten die Claude-Kurse von Anthropic?

Nichts. Die FAQ der Academy sagt am 18.09.2026 wörtlich „It's free" und ergänzt, dass du den Katalog sogar ohne Anmeldung durchsehen kannst. Für Fortschritt und Abschluss-Badge brauchst du ein Claude-Konto, aber laut FAQ weder einen bezahlten Tarif noch ein Arbeitskonto. Einzelne im Kurs gezeigte Claude-Funktionen können trotzdem einen bezahlten Tarif verlangen. Das ist keine Kursgebühr, sondern eine Frage deines Claude-Tarifs.

Gibt es einen Claude-Kurs mit Zertifikat?

Ja. Kurse mit „Completion badge" geben dir nach den erforderlichen Quizzen ein kostenloses Abschlusszertifikat mit öffentlichem Verifikationslink; Anthropic nennt das selbst „certificates of completion (badges)" (Academy-FAQ, 18.09.2026). Davon getrennt gibt es eine kostenpflichtige, beaufsichtigte Zertifizierungsprüfung über Pearson und Credly, die laut FAQ nur Anthropic-Partnern offensteht.

Gibt es die Claude-Kurse auf Deutsch?

Im öffentlich einsehbaren Katalog habe ich am 18.09.2026 keine deutsche Kursfassung gefunden; Katalog und geprüfte Kursseiten waren englischsprachig. Ausschließen kann ich damit nicht, dass es an anderer Stelle Übersetzungen gibt. Claude selbst arbeitet auf Deutsch, die Sprachfrage betrifft also nur das Lernmaterial.

Wie lange dauert es, bis ich mit Claude arbeiten kann?

Das hängt davon ab, wie viel du mitnimmst. Die drei Kurse in der Tabelle oben sind mit 2,5, 1,5 und 4 Stunden angegeben, und sie sind nur ein Ausschnitt aus 31 Kursen. Für das erste eigene Ergebnis brauchst du weniger: Der Einstieg in Claude Anleitung: der Einstieg reicht für das erste Gespräch, danach entscheidet die Übung an deinen eigenen Aufgaben.

Lohnt sich ein Kurs, wenn ich schon mit Claude chatte?

Wenn du Begriffe sortieren willst, ja. Wenn dein Problem lautet, dass die Ergebnisse im Alltag nicht tragen, bringt dich ein Kurs nach meiner Erfahrung kaum weiter. Dann fehlt Struktur in deiner Arbeitsweise, und die baust du an eigenen Fällen auf.

Ersetzt eine Community einen Kurs?

Sie löst ein anderes Problem. Ein Kurs erklärt den Stoff für alle gleich, eine Community beantwortet deine Frage zu deinem Fall. Ich würde beides kombinieren: erst die kostenlosen Kurse für die Begriffe, dann eigene Aufgaben mit jemandem, der mitschaut.

Wie du weitermachst

Fang mit einem der kostenlosen Kurse an, wenn dir die Begriffe fehlen, und nimm das Abschluss-Badge mit, wenn der Kurs eines ausweist. Es kostet nichts, es kommt vom Hersteller, und du verlierst nichts dabei. Erwarte danach aber nicht, dass Claude in deinem Betrieb läuft, sondern dass du weißt, worüber alle reden.

Der eigentliche Schritt kommt danach: eine echte Aufgabe aus deiner Woche nehmen und sie einmal komplett mit Claude machen, inklusive der Stellen, an denen es schiefgeht. Die Reihenfolge dafür steht in Claude lernen: der Weg in fünf Stufen, der Einstieg in Claude Anleitung: der Einstieg. Und wenn du an dem Punkt bist, an dem die Fragen individuell werden, findest du die aktuellen Konditionen meiner Community auf der Community-Seite.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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