Blog · 17. September 2026 · 11 Min. Lesezeit

Claude richtig nutzen: sechs Gewohnheiten

Aufgeschlagenes punktkariertes Notizbuch neben einer weißen Tastatur und einem Bleistift auf einem hellen Schreibtisch
Foto: PNW Production / Pexels

Claude richtig nutzen heißt nicht, mehr Funktionen zu kennen, sondern sechs Gewohnheiten zu haben, die bei jeder Aufgabe gleich bleiben. Erstens: den Auftrag geben und Rückfragen zulassen. Zweitens: vorher klären, was ohne dich passieren darf. Drittens: auf den Nachweis bestehen statt auf die Behauptung. Viertens: prüfen lassen, und zwar nicht von der Rolle, die es geschrieben hat. Fünftens: jede Korrektur genau einmal sagen und dauerhaft ablegen. Sechstens: die Arbeit dorthin verlegen, wo deine Dateien liegen. Diese sechs Punkte machen in meiner Arbeit den Unterschied zwischen jemandem, der Claude bedient, und jemandem, der damit arbeitet.

Ich nutze Claude seit dem Erscheinen von Claude Code täglich und betreibe mein Business mit einer KI-Belegschaft, deren Rollen als Ordner und Dateien auf meinem Rechner liegen. Jede Gewohnheit hier stammt aus dieser Arbeit, nicht aus einer Liste im Netz. Die übrigen Bausteine meines Setups stehen auf der Claude-Übersichtsseite.

Was hier bewusst nicht steht: Prompt-Vorlagen, eine Anleitung für Projekte, die Einstellungen des Gedächtnisses. Dafür gibt es eigene Beiträge, und ich verlinke sie genau an den Stellen, an denen sie weiterhelfen. Hier geht es um das Verhalten davor und danach.

Claude richtig nutzen: die sechs Gewohnheiten auf einen Blick

Gewohnheit Woran du merkst, dass sie fehlt Wann der Aufwand anfällt Wirkt vor allem bei
1. Auftrag geben, ausfragen lassen Du schärfst dieselbe Aufgabe dreimal hintereinander nach einmal je Rolle neuen Aufgabenarten
2. Grenzen vorher klären Du erschrickst über etwas, das schon passiert ist einmal aufschreiben allem, was einen Zustand ändert
3. Nachweis statt Behauptung Du glaubst dem Wort „fertig" je Ergebnis Zahlen, Listen, Veröffentlichungen
4. Ersteller prüft nicht Fehler fallen erst außerhalb auf je Durchgang allem, was nach außen geht
5. Korrektur genau einmal sagen Du wiederholst dich über Wochen je Korrektur wiederkehrender Arbeit
6. Dort arbeiten, wo die Dateien liegen Du kopierst Kontext in den Chat einmal einrichten laufenden Projekten

Die Reihenfolge ist keine Rangliste, sondern der Ablauf eines Auftrags: Gewohnheit 1 und 2 stehen am Anfang, 3 und 4 am Ende, 5 danach, und 6 entscheidet, wo das Ganze überhaupt stattfindet.

Gewohnheit 1: Gib den Auftrag und lass dich ausfragen

Der häufigste Fehler am Anfang ist, den Auftrag zu perfektionieren, statt Rückfragen zuzulassen. Ich mache es umgekehrt. Am 2. September habe ich meinem SEO-Mitarbeiter Sebastian per Sprachnotiz gesagt: „könntest du mal bitte für meine Website die SEO und Geoanalyse machen?" Mehr nicht. Einundvierzig Sekunden später kam die Rückfrage „Welche Website meinst du?", und danach lief die Arbeit durch, bis der Bericht stand.

Dasselbe Muster mitten in der Arbeit. Als mein Buchhaltungs-Mitarbeiter Peter 63 Belege ausgewertet hat, kamen vor der Ausgabe zwei Rückfragen: ein abgebrochener Satz in einem Beleg und zwei verschiedene Währungen, dazu der Satz „ich erfinde keine Wechselkurse". Meine Antwort war ein Halbsatz: „Alles in Euro, Tageskurs." Eine Rückfrage vor dem Ergebnis kostet Sekunden. Ein falsches Ergebnis kostet den ganzen Durchlauf.

Bei einer neuen Rolle führe ich das einmal ausführlich als Onboarding-Gespräch: Die Rolle fragt selbst ab, was sie über das Business wissen muss, und die Antworten landen dauerhaft in ihrer Akte, statt in jedem Auftrag neu zu erscheinen. Wie so ein Auftrag im Detail aufgebaut ist und warum ich keine Prompt-Sammlung führe, steht in Claude Prompts auf Deutsch: Vorlagen. Hier geht es nur um die Gewohnheit dahinter: erst fragen lassen, dann arbeiten lassen.

Gewohnheit 2: Kläre vorher, was ohne deine Freigabe passieren darf

Sobald Claude nicht mehr nur Text schreibt, sondern Dateien ändert, Befehle ausführt oder etwas veröffentlicht, brauchst du eine Antwort auf die Frage, was ohne dich passieren darf. In meinem Modell steht das in der Akte jeder Rolle in drei Stufen: frei, nur nach Freigabe, nie. Anmeldungen und Zahlungen mache grundsätzlich ich selbst, kein KI-Mitarbeiter gibt Zugangsdaten ein.

Wie das im Alltag aussieht, zeigt eine Session vom 6. September. Ich hatte meinem Website-Mitarbeiter Ralf vier Zeilen Auftrag gegeben und als fünfte getippt: „bring die website direkt live. so wie wir das immer machen". Die Antwort war „Kevin, Freigabe notiert, ich baue fertig, verifiziere und deploye direkt danach", später kam „Fertig und live" und im selben Atemzug „Committet habe ich noch nichts, sag Bescheid". Der zweite Satz ist der interessante: Für das Deployment lag eine Freigabe vor, für den Commit nicht, also blieb er liegen.

Technisch musst du das nicht selbst erfinden. Claude Code kennt dafür Regeln und Modi, die genau festlegen, was erlaubt ist, was nachfragt und was verboten bleibt; die offizielle Dokumentation beschreibt sie unter Configure permissions (abgerufen am 18.09.2026). Wenn du solche Regeln verbindlich machen willst, statt sie zu wiederholen, ist der nächste Schritt Claude Code Hooks: Regeln, die immer gelten.

Gewohnheit 3: Verlange den Nachweis, nicht die Behauptung

„Fertig" ist keine Prüfung, sondern eine Behauptung. Die Gewohnheit besteht darin, bei jedem Ergebnis nach dem Nachweis zu fragen: Woran hast du gemerkt, dass es stimmt? Bei den 63 Belegen war das eine Kontrollrechnung, netto plus Steuer gleich brutto, bei allen 63, und dazu die nüchterne Meldung „Ausgeführt 12 Befehle (2 fehlgeschlagen)". Erst diese zweite Zahl macht die erste überhaupt beurteilbar.

Meine Content-Chefredakteurin Conny hat im September 23 Reels auf zwei neue Kanäle gespiegelt. Der Ablauf war: erst ein einzelner Testpost, dann die übrigen 22, und jeder einzelne wurde danach per Gegenabruf verifiziert, 23 von 23. Der Gegenabruf gleicht das Ergebnis mit der Plattform ab.

Zum Nachweis gehört auch das Gegenteil: sichtbar zu machen, was fehlt. Als Ralf zu einer Person auf einer Website nichts finden konnte, hat er sichtbare Platzhalter geschrieben, statt etwas zu erfinden. Genau darauf würde ich achten, wenn du eine Rolle einarbeitest. Eine sichtbare Lücke kannst du prüfen. Eine plausibel gefüllte fällt dir unter Umständen nie auf. Anthropic beschreibt dieselbe Haltung in seinem eigenen Lernangebot als eine von vier Verhaltensweisen, Discernment, nachzulesen im kostenlosen Kurs AI Fluency auf der Claude Academy (abgerufen am 18.09.2026; der geprüfte Kurs ist englischsprachig).

Gewohnheit 4: Wer es erstellt, korrigiert es nicht

Das ist die Hausregel, an der bei mir alles hängt, was nach außen geht: Die Rolle, die etwas geschrieben hat, prüft es nicht selbst. Geprüft wird in einem zweiten, getrennten Durchlauf, oft von einem Subagenten mit eigenem Kontext, manchmal auch von einem anderen Werkzeug. Für Korrekturschleifen nutze ich regelmäßig Codex, einfach weil es nicht dieselbe Sitzung ist.

Wichtig, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Bei mir ist das eine Rollenregel, keine technische Sperre. Meine Prüf-Subagenten haben keine eingeschränkten Werkzeugrechte, sie sind schlicht ein anderer Durchlauf mit einem anderen Auftrag. Die Trennung wirkt trotzdem, und sie wirkt sichtbar: Beim Lektorat einer Blogrunde am 7. September hat die getrennte Prüfrolle in gut der Hälfte der Kubernetes-Beiträge fachliche Fehler korrigiert und bei den Claude-Beiträgen unbelegte Preis- und Funktionsaussagen entfernt.

Dass das kein Spleen ist, zeigt auch die Forschung. Huang und Kollegen haben auf der ICLR 2024 gezeigt, dass Sprachmodelle ihre eigenen Denkfehler ohne externes Feedback nicht zuverlässig korrigieren und nach einem Selbstkorrektur-Versuch teilweise sogar schlechter abschneiden (Large Language Models Cannot Self-Correct Reasoning Yet). Wenn du wissen willst, wie so ein zweiter Durchlauf technisch aussieht, hilft Claude Subagents, Skills und Agents weiter.

Gewohnheit 5: Sag jede Korrektur genau einmal

Die teuerste Gewohnheit ist, dieselbe Korrektur jede Woche neu zu sagen. Bei mir wandert jede Korrektur stattdessen in eine Learnings-Datei der jeweiligen Rolle, und zwar nach einem festen Schema: die Regel, warum sie gilt, wie sie anzuwenden ist, und wie sicher sie ist. Das Neueste steht oben, Widerlegtes wird durchgestrichen statt gelöscht, damit nachvollziehbar bleibt, was einmal galt.

Zwei Beispiele aus dem Betrieb. Am 5. September habe ich eine Formulierung bemängelt, die in fast jedem Entwurf auftauchte, diese knappe Zweisatz-Formel mit Gegensatz. Sie steht seitdem als verbotene Formel in der Akte. Am 24. August habe ich Feedback zu einem Splitscreen-Video gegeben; daraus wurden fünf Pflichtpunkte, die seitdem in jedem Video-Briefing stehen. Connys Learnings-Datei ist inzwischen über 1.300 Zeilen lang, und das ist kein Ballast, sondern der Grund, warum ich vieles nur einmal sagen musste.

Wo genau so eine Regel landet, hängt vom Werkzeug ab, und die Unterschiede sind größer, als sie aussehen: Was das eingebaute Gedächtnis von selbst lernt und was du bewusst in eine Datei schreibst, trenne ich streng. Das habe ich in Claude Gedächtnis: Memory prüfen und nutzen auseinandergenommen, für Claude Code steht es in CLAUDE.md: das Gedächtnis von Claude Code. Die Gewohnheit selbst ist unabhängig davon: Wenn du dieselbe Korrektur zum zweiten Mal aussprichst, schreib sie auf, mit Datum und in der Form, in der du sie wiederfindest.

Gewohnheit 6: Arbeite dort, wo deine Dateien liegen

Die sechste Gewohnheit ist die, die am meisten verändert und am seltensten genannt wird. Solange du im Chat arbeitest, bist du damit beschäftigt, Kontext hinein und Ergebnisse heraus zu kopieren. Sobald das Werkzeug direkt in deinem Ordner arbeitet, fällt das meiste davon weg. Zwei meiner Rollen laufen deshalb regelmäßig in langen, zusammenhängenden Sitzungen und nicht in einer Kette kurzer Chats.

Ich sage dazu deutlich, dass das meine Entscheidung ist und keine allgemeine Wahrheit. Claude-Projekte habe ich genutzt und sie funktionieren; mich stört daran, dass alles in Claude liegt und ich nicht wechseln kann, weder zu einem anderen Werkzeug noch zu einem offenen Modell. Das ist ein Kontrollgedanke, kein Qualitätsurteil. Wenn du ohnehin in Claude bleibst, ist der Weg über Projekte völlig in Ordnung, und wie er sauber aussieht, steht in Claude Projekte richtig nutzen.

Wer keine Softwareentwicklung macht, landet erfahrungsgemäß eher bei der Desktop-App als im Terminal. Ich selbst nutze meistens das Terminal, weil ich es gewohnt bin. Der Einstieg dorthin steht in Claude Code: Anleitung für Einsteiger.

Häufige Fragen

Wie nutze ich Claude richtig, wenn ich gerade erst anfange?

Fang nicht mit allen sechs Gewohnheiten an, sondern mit einer einzigen wiederkehrenden Aufgabe und Gewohnheit 1: Auftrag geben, Rückfragen zulassen. Den vollständigen Weg vom ersten Gespräch bis zur eigenen Rolle habe ich in Claude lernen: der Weg in fünf Stufen beschrieben, den technischen Einstieg in Claude Anleitung: der Einstieg.

Gelten diese Gewohnheiten auch für andere KI-Tools?

Ja, aus meiner Sicht schon. Diese sechs Punkte sagen nichts über Funktionen aus, sondern über den Umgang mit Ergebnissen, und deshalb lassen sie sich nach meiner Erfahrung auf andere Werkzeuge übertragen. Es sind meine Gewohnheiten, keine Vorschrift. Ich arbeite hauptsächlich mit Claude, nutze aber regelmäßig auch Codex, unter anderem genau für die Korrekturschleifen aus Gewohnheit 4.

Wie kann ich KI richtig nutzen lernen, ohne einen Kurs zu kaufen?

Indem du die nächste echte Aufgabe damit erledigst und die Ergebnisse prüfst, statt vorher einen Lehrgang zu suchen. Die Gewohnheiten oben kosten nichts außer Aufmerksamkeit. Welche Kursangebote es gibt und was davon taugt, habe ich in Claude Kurs: was es gibt und was taugt zusammengetragen.

Was ist anders, wenn ich KI-Agenten richtig nutzen will statt nur einen Chat?

Gewohnheit 2 und 3 werden wichtiger. Ein Agent kann Zustände ändern: Dateien schreiben, Befehle ausführen, etwas veröffentlichen. Er kann auch nur lesen und planen, aber sobald er etwas ändern darf, gebe ich ihm vorher eine klare Grenze und verlange hinterher einen Nachweis, während beim reinen Textentwurf im schlimmsten Fall ein Absatz in den Papierkorb wandert.

Welche einzelne Änderung bringt am schnellsten etwas?

Gewohnheit 5. Wenn du Claude besser nutzen willst und nur eine Sache ändern kannst, dann schreib die nächste Korrektur, die du zum zweiten Mal aussprichst, an einen festen Ort statt in den Chat. Das ist der erste Schritt, den ich empfehlen würde, wenn nur einer möglich ist.

Brauche ich dafür das Terminal?

Für die Gewohnheiten 1 bis 5 nicht, die funktionieren in jeder Oberfläche. Nur Gewohnheit 6 verlangt, dass Claude an deine Dateien darf, und dafür gibt es zwei Wege: das Terminal oder die Desktop-App mit Cowork. Ich habe Kunden bei der Installation unter Windows begleitet; wer keine Software entwickelt, bleibt meist ohnehin bei der Desktop-App.

Was mache ich, wenn Claude etwas erfindet?

Nicht diskutieren, sondern der Reihe nach vorgehen: Ergebnis stoppen, die Lücke sichtbar machen, Quelle oder Nachweis verlangen. Erst wenn sich ein Muster zeigt, schreibe ich daraus eine dauerhafte Regel. Oft liegt es nämlich nicht am Werkzeug, sondern an fehlenden Quellen, fehlendem Kontext oder einer Aufgabe, die so nicht lösbar war. Als Ralf beim Bau einer Website zu einer Person nichts fand, schrieb er sichtbare Platzhalter in den Text, statt etwas zu erfinden. Genau so will ich es.

Wie du weitermachst

Nimm dir eine Aufgabe, die du diese Woche ohnehin erledigst, und wende zwei Gewohnheiten darauf an: Lass dich am Anfang ausfragen, und schreib am Ende die erste Korrektur an einen festen Ort. Das reicht für den Anfang, und du merkst beim zweiten Durchlauf, ob es etwas gebracht hat.

Wenn du danach wissen willst, wo du gerade stehst und was der nächste Schritt ist, folge der Strecke in Claude lernen: der Weg in fünf Stufen. Und wenn du an den Punkt kommst, an dem aus einzelnen Rollen eine Belegschaft wird: Die acht fertigen KI-Mitarbeiter-Pakete gibt es in meiner Community, zusammen mit Live-Calls, in denen genau die Fragen besprochen werden, die individuell werden. Die aktuellen Konditionen stehen auf der Community-Seite selbst.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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