Blog · 1. September 2026 · 9 Min. Lesezeit

Claude Prompts auf Deutsch: Vorlagen

Aktenordner und eine Brille neben einem aufgeklappten Laptop auf einem Schreibtisch
Foto: Karola G / Pexels

Gute Claude Prompts auf Deutsch brauchen kein Geheimrezept, sondern vier feste Teile: eine klare Rolle, einen konkreten Auftrag, saubere Grenzen und ein Format, das du wiederverwenden kannst. Wer nur nach fertigen Textbausteinen sucht, verschenkt aber genau das, was Claude von einem einzelnen Prompt abhebt, nämlich dass sich eine einmal geschriebene Rolle über viele Sitzungen hinweg merken lässt, statt bei jedem neuen Gespräch wieder bei null anzufangen.

In meinem Business arbeiten acht KI-Mitarbeiter auf Claude-Basis, und in meiner Arbeitsweise läuft keiner von ihnen mit einem einzelnen Prompt. Jeder hat eine eigene Personalakte, aus der die Vorlagen in diesem Beitrag stammen, anonymisiert und zum Selberausfüllen. Die übrigen Bausteine meines Claude-Setups sammle ich auf der Claude-Übersichtsseite.

Bevor du eine einzige Vorlage kopierst, zeige ich dir, warum ich von reinen Prompt-Sammlungen eher abrate und was bei mir stattdessen hängen bleibt.

Warum ich keine Prompt-Sammlung baue, sondern eine Personalakte

Ein einzelner Prompt ist ein Wegwerfprodukt. Du tippst ihn, Claude antwortet, und beim nächsten Gespräch beginnst du wieder bei null, es sei denn, du kopierst dieselben Zeilen erneut hinein. Für eine schnelle Übersetzung reicht das völlig. Für eine Rolle, die jeden Tag arbeitet, etwa den Posteingang sortiert oder Angebote vorbereitet, ist das zu wenig, weil die Regeln, Grenzen und Freigaben jedes Mal neu erklärt werden müssen.

Claude bietet dafür eine eigene Funktion namens Memory, die sich Dinge aus deinen Chats merkt und jedem Projekt einen eigenen Speicherraum gibt, auf Free, Pro und Max standardmäßig eingeschaltet (Quelle: Anthropic-Hilfe zu Chat-Suche und Memory, support.claude.com). Das Prinzip meiner Personalakte ist dasselbe: Statt bei jedem Chat neu zu erklären, wer Claude gerade ist, schreibe ich das einmal auf und lege es dorthin, wo es dauerhaft gelesen wird. Wenn du in der Claude-Oberfläche arbeitest, ist das ein eigenes Projekt. Bei mir selbst ist es eine Datei im Arbeitsordner des jeweiligen KI-Mitarbeiters.

Der Unterschied lässt sich so zusammenfassen:

Merkmal Einzelner Prompt Personalakte als feste Ablage
Gültigkeit ein Gespräch dauerhaft, bis du sie änderst
Aufwand pro Nutzung jedes Mal neu einfügen einmal schreiben, dann laufen lassen
Grenzen und Freigaben musst du jedes Mal wiederholen stehen fest in der Akte
Weiterentwicklung keine, jeder Prompt ist isoliert wächst mit jeder Feedback-Schleife

Das heißt nicht, dass Vorlagen nutzlos sind. Für einmalige Aufgaben, für den Einstieg in eine neue Rolle oder als Baustein innerhalb einer Personalakte sind sie genau richtig, und deshalb bekommst du unten sieben davon. Nur als Endziel taugen sie bei mir nicht.

Claude Tipps und Tricks, die in jede meiner Vorlagen einfließen

Bevor eine Vorlage bei mir zur Akte wird, prüfe ich sie gegen einen festen Bauplan. Sechs Teile gehören für mich in jeden Prompt, den ich später wiederverwenden will, und diese Reihenfolge hat sich bei mir als praktisch erwiesen:

  1. Rolle: Wer soll hier antworten, mit welchem Blickwinkel?
  2. Aufgabe: Was genau soll am Ende dabei herauskommen?
  3. Kontext: Welche Informationen braucht Claude, um das zu leisten?
  4. Daten: Welche konkreten Angaben kommen dazu, anonymisiert wo nötig?
  5. Grenzen: Was darf Claude nicht selbst entscheiden?
  6. Format: Wie soll die Antwort aussehen, damit du sie direkt weiterverwenden kannst?

Ein Prompt, der nur aus Aufgabe und Format besteht, funktioniert für eine Frage. Für eine Rolle, die wiederkehrend arbeitet, fehlen dann die Grenzen, und genau da entstehen die Fehler, die du später mühsam korrigierst. Die sieben Vorlagen im nächsten Abschnitt folgen alle diesem Bauplan, auch wenn nicht jeder Teil in jeder Vorlage gleich stark ausgeprägt ist.

Sieben Claude Prompts aus meiner Personalakten-Praxis

Die folgenden sieben Claude Prompt Vorlagen sind Bausteine, mit denen ich echte Personalakten für meine KI-Mitarbeiter aufbaue und pflege. Ersetze die Platzhalter in spitzen Klammern durch deine eigenen Angaben.

Onboarding-Fragen eines Pakets. So starte ich, wenn eine neue Rolle das erste Mal arbeitet, statt ihr direkt Aufgaben zu geben:

Bevor du für mich arbeitest, will ich dich richtig einrichten. Stelle mir
der Reihe nach fünf Fragen, eine nach der anderen, damit ich dich als
<Rollenname> aufsetzen kann:
1. Welche Informationen brauchst du von mir, um <Kernaufgabe> zu
   übernehmen?
2. Welche Entscheidungen sollst du selbstständig treffen, und welche
   nicht?
3. Wie soll ich dich ansprechen, wenn etwas unklar ist?
4. Welches Format erwartest du für <typisches Eingabematerial>?
5. Was ist der häufigste Fehler, den du bei dieser Aufgabe vermeiden
   sollst?
Sammle meine Antworten und fasse sie am Ende als Rollen-Beschreibung
zusammen, die ich in eine Datei übernehmen kann.

Rollen-Beschreibung. Das Ergebnis der Onboarding-Fragen bringe ich in diese Form, bevor sie in die Personalakte wandert:

Du bist <Rollenname> und übernimmst <Kernaufgabe> für <Kontext, z. B.
mein Business, ein Kundenprojekt>.

Wer du bist: <ein Satz zu Perspektive und Ton>
Was du tust: <die drei bis fünf wichtigsten Arbeitsschritte>
Was du nicht tust: <Aufgaben, die explizit nicht zu dir gehören>
Woran du dich hältst: <ein bis drei feste Regeln, konkret formuliert>

Freigabe-Regel. Dieser Baustein steht in jeder Personalakte, egal welche Rolle sie beschreibt:

Alles, was <Firma, Kunde oder Öffentlichkeit> erreicht, etwa eine Mail,
eine Rechnung oder ein veröffentlichter Text, legst du als Entwurf an
und markierst ihn als Entwurf. Du sendest, veröffentlichst oder änderst
nichts davon selbst. Interne Vorarbeit, also Sortieren, Recherchieren
und Entwürfe schreiben, erledigst du selbstständig.

Feedback-Schleife. Nach einer erledigten Aufgabe stelle ich diese Frage, damit die Korrektur in der Akte landet, statt beim nächsten Mal erneut zu passieren:

Ich habe dein Ergebnis zu <Aufgabe> geprüft. <Konkrete Korrektur, was
falsch oder unpassend war und warum>. Formuliere daraus einen Satz für
deine Regeln, den ich dauerhaft in deine Rollen-Beschreibung aufnehmen
kann, damit dir das nicht noch einmal passiert.

Eskalations-Regel. Damit eine Rolle weiß, wann sie fragen statt entscheiden soll:

Wenn eine Entscheidung <Schwellenwert, z. B. einen Betrag, einen Kunden,
eine Uhrzeit> überschreitet oder wenn dir Informationen fehlen, die du
normalerweise hättest, arbeite nicht mit einer Annahme weiter. Fasse die
offene Frage in maximal zwei Sätzen zusammen und warte auf meine
Antwort, statt zu raten.

Wochen-Check. Einmal wöchentlich lasse ich jede Rolle kurz Bilanz ziehen, um die Akte aktuell zu halten:

Blicke auf die Aufgaben zurück, die du diese Woche für mich als
<Rollenname> erledigt hast. Nenne höchstens drei Stellen, an denen deine
aktuelle Rollen-Beschreibung nicht gepasst hat, und schlage für jede
eine konkrete Ergänzung vor. Keine allgemeinen Verbesserungsvorschläge,
nur Sätze, die ich direkt übernehmen kann.

Übergabe an eine andere Rolle. Wenn zwei meiner KI-Mitarbeiter nacheinander an derselben Sache arbeiten:

Du übergibst <Aufgabe> an <Name der nächsten Rolle>. Fasse in maximal
fünf Sätzen zusammen: was bereits erledigt ist, was noch offen ist, und
welche Entscheidung <Name der nächsten Rolle> als Erstes treffen muss.
Keine Wiederholung der kompletten Vorgeschichte.

Kundendaten anonymisieren, bevor sie in den Prompt kommen

Bevor ich echte Kundendaten in einen Prompt schreibe, ersetze ich Namen, Beträge und Firmenbezeichnungen durch Platzhalter wie <Kunde A> oder <Betrag>. Erst wenn die Vorlage steht, trage ich die echten Angaben ein, und auch dann nur in dem Umfang, den die Aufgabe wirklich braucht. Für Fälle, in denen selbst das zu heikel ist, gibt es in Claude einen eigenen Inkognito-Modus über das Geist-Symbol: Diese Chats fließen laut Anthropic nie ins Training ein (Quelle: Anthropic-Hilfe zu Modell-Training, privacy.claude.com). Was du sonst bei der Arbeit mit Kundendaten in Claude beachten solltest, habe ich in Claude Datenschutz und DSGVO: was gilt ausführlicher aufgeschrieben.

Als grobe Vorsortierung hilft die Frage, ob etwas so auch in einer E-Mail an einen Fremden stehen dürfte. Was diese Frage nicht besteht, wird vorher anonymisiert oder bleibt draußen. Eine Datenschutz-Prüfung ersetzt sie aber nicht: Zweck, Rechtsgrundlage, Empfänger, ein Auftragsverarbeitungsvertrag und die Datenminimierung bleiben auch dann relevant, wenn eine Angabe harmlos wirkt.

Vorlagen wiederverwenden, statt sie jedes Mal neu zu schreiben

Eine Vorlage, die du dauerhaft brauchst, gehört nicht in deinen Notizen-Ordner, sondern dorthin, wo Claude sie automatisch findet. Für eine Rolle mit fester Aufgabe ist ein eigenes Projekt der einfachste Weg, beschrieben in Claude Projekte richtig nutzen; die Vorlagen liegen dann als Wissensdatei dort, statt bei jedem Gespräch neu eingetippt zu werden. Meine eigenen Rollen liegen stattdessen in Arbeitsordnern im Dateisystem, dort landen die Vorlagen als Datei neben der Personalakte.

Für einen wiederkehrenden Arbeitsschritt mit festen Schritten, etwa immer dieselbe Art von Zusammenfassung oder Prüfung, lohnt sich stattdessen ein eigener Skill, der erst bei Bedarf geladen wird und deine Personalakte schlank hält. Wie du einen solchen Skill selbst baust, zeige ich in Claude Skills: erstellen und nutzen.

Häufige Fragen

Funktionieren ChatGPT-Prompts auch in Claude?

Meistens ja, weil die Grundstruktur aus Rolle, Aufgabe und Format modellunabhängig funktioniert. Bei mir bleiben aber selten fremde Prompts unverändert, weil sie fast nie die Grenzen und Freigaben enthalten, die eine Rolle bei mir wirklich braucht.

Sollte ich Claude Prompts auf Deutsch oder Englisch schreiben?

Ich schreibe fast immer auf Deutsch, wenn die eigentliche Arbeit auf Deutsch stattfindet, etwa eine Kundenmail oder ein Angebot, weil Claude dann direkt in der passenden Sprache antwortet. Für technische Aufgaben ohne deutschen Text wechsle ich manchmal ins Englische, notwendig ist das aber nicht.

Wie lang darf ein Prompt sein?

Anthropic nennt keine feste Obergrenze für einen einzelnen Prompt. Wie viel in ein Gespräch passt, hängt laut Anthropic-Hilfe unter anderem von Länge und Komplexität deiner Anfrage ab (support.claude.com). In der Praxis ist ein Prompt fast immer zu lang, wenn du selbst beim Schreiben schon den Überblick verlierst, nicht weil ein technisches Limit greift.

Was sind XML-Tags in einem Prompt?

Das ist eine Formatierung, mit der du Abschnitte in einem Prompt sauber trennst, etwa <kontext> und <aufgabe>, statt alles in einem Fließtext zu vermischen. Ich nutze das vor allem bei längeren Vorlagen, wenn Claude sonst Kontext und eigentliche Anweisung verwechseln könnte.

Wie speichere ich meine Prompts, damit ich sie wiederfinde?

Am zuverlässigsten in einem Claude-Projekt als Wissensdatei, weil Claude sie dort automatisch für jedes Gespräch in diesem Projekt zur Hand hat. Eine lose Sammlung in Notizen funktioniert auch, verlangt aber, dass du selbst daran denkst, die passende Vorlage jedes Mal wieder einzufügen.

Wie du weitermachst

Fang nicht mit allen sieben Vorlagen gleichzeitig an. Nimm eine einzelne Aufgabe, die bei dir wiederkehrt, baue daraus mit den Onboarding-Fragen eine erste Rollen-Beschreibung, und ergänze Freigabe-Regel und Eskalations-Regel erst, sobald du merkst, wo es wirklich hakt. Wie du bei null anfängst, wenn du Claude noch nie produktiv genutzt hast, zeige ich in Claude Anleitung: der Einstieg.

Die acht Pakete gibt es fertig in meiner Community: Community.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus acht KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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