20. September 2026 · Aktualisiert am 31. Oktober 2026 · 23 Min. Lesezeit

Claude über AWS Bedrock: EU, DSGVO, Kosten

Reihe schwarzer Serverschränke mit Lochblechtüren in einem Rechenzentrum, durch das Gitter der vordersten Tür schimmern blaue und rote Netzwerkkabel
Foto: Brett Sayles / Pexels

Claude über AWS Bedrock ist der Weg, auf dem Claude in EU-Regionen rechnet: Anthropics eigene API kennt für den Verarbeitungsort nur „us" und „global", Amazon Bedrock dagegen bietet für die aktuellen Modelle Opus 5.5, Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 ein EU-Profil, das Anfragen laut AWS innerhalb der EU-Geografie hält, dazu den Auftragsverarbeitungsvertrag von AWS, kein Training mit deinen Inhalten und standardmäßig keine Speicherung. Zwei Haken stehen im Kleingedruckten: „Claude in Frankfurt" heißt in der Praxis „Claude in einer von sechs EU-Regionen", und die Fable-Modelle laufen in Europa nur über das globale Profil, mit bis zu 30 Tagen Speicherung für die Missbrauchserkennung.

Das ist keine Rechtsberatung, sondern die Betreiber-Perspektive. Ich nutze Bedrock in manchen Fällen selbst produktiv und habe es bei Kunden eingerichtet. Dieser Beitrag erklärt, was der Weg über EU-Regionen zusichert und welche Grenzen bleiben, Quellenstand 31.10.2026. Die Ampel für Kundendaten hilft bei der Einordnung; die weiteren Bausteine sammle ich auf der Claude-Übersichtsseite.

Warum Bedrock überhaupt: Anthropic selbst hat keine EU-Server

Anthropics Doku zur Datenresidenz ist kurz und eindeutig. Der Parameter inference_geo der Claude-API nimmt zwei Werte an, „global" und „us", und als Speicherort für einen Workspace gibt es nur „us". Eine EU-Option existiert dort nicht, weder für die Verarbeitung noch für die Ablage. Für die Team- und Enterprise-Pläne habe ich in Claude Enterprise oder Team: Kosten, DSGVO dasselbe Bild beschrieben: „US-only inference" ist eine Funktion, ein EU-Standort ist keine.

Anthropic verweist für Europa selbst auf die Partnerplattformen. Die Seite zur regionalen Compliance nennt AWS Bedrock, Google Vertex und Microsoft Foundry als Wege, „um lokale Datenresidenz-Anforderungen zu erfüllen", und die Datenresidenz-Doku sagt, dass auf Bedrock nicht der Parameter entscheidet, sondern das gewählte Inferenzprofil. Wer Claude in der EU rechnen lassen will, muss also den Anbieter wechseln, nicht das Modell. Das ist der Grund, warum dieser Beitrag überhaupt existiert.

Was Bedrock ist, und mit wem du den Vertrag hast

Amazon Bedrock ist der AWS-Dienst, über den Modelle verschiedener Hersteller per API laufen, Claude eingeschlossen. Die Modelle liegen dabei nicht bei Anthropic, sondern in AWS-eigenen Konten: AWS beschreibt je Region und Anbieter ein „Model Deployment Account", in das die Modellsoftware kopiert wird und auf das der Anbieter keinen Zugriff hat. Die Folge steht wörtlich in der Doku: Weil die Anbieter keinen Zugang zu diesen Konten haben, haben sie keinen Zugang zu Bedrock-Logs, Prompts und Antworten. Anthropic formuliert es auf seiner Seite genauso: Claude in Bedrock läuft „mit zero operator access", Anthropic-Personal kommt nicht an die Inferenz-Infrastruktur.

Vertraglich bist du AWS-Kunde. Die Nutzung läuft über deinen AWS-Account, die Abrechnung erscheint auf der AWS-Rechnung, im Cost Explorer unter dem Modellanbieter. Für die Datenverarbeitung gelten die AWS Service Terms, in denen das Data Processing Addendum von AWS enthalten ist. Dazu kommen die Nutzungsbedingungen von Anthropic für Bedrock, die du beim Freischalten über den AWS Marketplace annimmst; für Kunden im EWR, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich ist dort Anthropic Ireland Limited der Vertragspartner, und Anthropic darf laut diesen Bedingungen nicht mit deinen Inhalten trainieren. Wie die Daten technisch behandelt werden, regelt laut Anthropic aber Bedrock, nicht Anthropic: „Data handling for this offering is governed by Amazon Bedrock."

Die Regionen: was „Claude in Frankfurt" wirklich heißt

Bedrock kennt drei Wege, eine Anfrage zu verarbeiten. In-Region bleibt in genau einer Region. Geo routet innerhalb einer Geografie wie EU oder US. Global routet weltweit. Für die Claude-Modelle sieht das in Europa so aus, Stand der Modellkarten vom 30.10.2026:

Aufruf aus Opus 5.5 Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 Opus 5 und Sonnet 5 Fable 5 und 5.1
eu-central-1 (Frankfurt) EU-Profil oder global EU-Profil oder global EU-Profil oder global nur global
eu-north-1 (Stockholm), eu-west-1 (Irland) EU-Profil oder global EU-Profil oder global Einzel-Region über den Mantle-Endpunkt, EU-Profil oder global nur global
eu-west-2 (London) Einzel-Region, EU-Profil oder global EU-Profil oder global EU-Profil oder global nur global
Zürich, Mailand, Spanien, Paris EU-Profil oder global EU-Profil oder global EU-Profil oder global nur global

Das EU-Profil heißt eu.anthropic.claude-opus-5-5, eu.anthropic.claude-sonnet-5-5 oder eu.anthropic.claude-haiku-5-5, für die Vorgänger eu.anthropic.claude-opus-5 und eu.anthropic.claude-sonnet-5. AWS sagt dazu, Anfragen an ein Geo-Profil wie EU bleiben innerhalb dieser Geografie. Der Satz daneben ist der wichtigere: Ein- und Ausgaben können die Quellregion verlassen. Wer aus Frankfurt aufruft, bekommt also Verarbeitung in einer der EU-Regionen, nicht zwingend in Frankfurt.

Welche Regionen das sind, steht inzwischen in jeder Modellkarte. Rufst du aus Frankfurt auf, landet die Anfrage in einer von sechs Regionen: Frankfurt, Stockholm, Mailand, Spanien, Irland oder Paris, alle in EU-Staaten. Dieselben sechs gelten für Aufrufe aus Stockholm, Mailand, Spanien, Irland und Paris. Nur wer aus Zürich oder London aufruft, bekommt die eigene Region als siebte dazu, also einen Standort außerhalb der EU. Die acht eu-Regionen, die AWS führt, sind demnach Quellregionen, nicht die Ziele jeder Anfrage. Die verbindliche Zielliste für deine Quellregion liefert der API-Aufruf GetInferenceProfile; AWS sichert zu, dass diese Liste für ein Geo-Profil nie geändert wird. Welche Region eine einzelne Anfrage bedient hat, siehst du hinterher im CloudTrail-Feld inferenceRegion.

Wer wirklich eine einzige Region braucht, hat in Europa wenige Adressen. Opus 5.5 läuft als Einzel-Region nur in London, über den Standard-Endpunkt mit der Modell-ID ohne Präfix; London liegt nicht in der EU. Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 gibt es in Europa nur über das EU-Profil oder global. Für Opus 5 und Sonnet 5 bleiben Stockholm und Irland über den Mantle-Endpunkt. Frankfurt ist für keines der Modelle als Einzel-Region dabei. Und die Fable-Modelle fallen für eine EU-Zusage ganz aus: In allen eu-Regionen steht nur das globale Profil zur Verfügung.

Regionssperren per SCP: zwei Fallen

Viele Unternehmen sperren ungenutzte Regionen über Service Control Policies (SCP) in AWS Organizations. Dann gehören zwei Punkte aus der AWS-Doku in die Planung. Erstens bricht eine Sperre „nur eu-central-1" das EU-Profil: Für ein Geo-Profil musst du alle Zielregionen deiner Quellregion erlauben oder eine Ausnahme über den Bedingungsschlüssel bedrock:InferenceProfileArn einbauen, sonst schlagen Anfragen fehl, sobald Bedrock zum Beispiel nach Stockholm routen will. Zweitens kannst du das globale Profil gezielt verbieten. AWS gibt dafür diese SCP vor:

{
  "Effect": "Deny",
  "Action": "bedrock:*",
  "Resource": "*",
  "Condition": {
    "StringEquals": { "aws:RequestedRegion": "unspecified" },
    "ArnLike": { "bedrock:InferenceProfileArn": "arn:aws:bedrock:*:*:inference-profile/global.*" }
  }
}

Damit kann niemand in der Organisation versehentlich über ein global.-Profil rechnen lassen. Die Fable-Modelle sind dann in Europa nicht mehr nutzbar, weil es sie dort nur global gibt.

Der Datenweg: was AWS zusichert und was trotzdem gespeichert wird

Die Zusagen von AWS sind belegbar und stehen in den Bedrock-FAQ und der Doku zur Missbrauchserkennung. Weder AWS noch die Modellanbieter trainieren mit Ein- oder Ausgaben. Deine Inhalte werden nicht an Anbieter weitergegeben. Bedrock arbeitet mit „zero operator access", kein Bediener des Dienstes kommt an Modell-Ein- oder -Ausgaben, und standardmäßig mit „zero data retention", Ein- und Ausgaben werden nicht gespeichert. Was verarbeitet und abgelegt wird, liegt verschlüsselt in der Region, in der du Bedrock nutzt, in Transit ist TLS 1.2 Pflicht, eigene Schlüssel und AWS PrivateLink ohne Weg über das öffentliche Internet sind möglich.

Die Ausnahme steht in derselben Doku. Für Claude Fable 5 und Fable 5.1 wird der gesamte Verkehr bis zu 30 Tage für die automatisierte Missbrauchserkennung gespeichert, und auffällig eingestufte Anfragen können von Menschen bei AWS geprüft werden. Ausgenommen sind laut Doku nur Kunden, die für das Programm „Enterprise Frontier Safeguards" in Frage kommen, und das bis zum 31.12.2026. Die gespeicherten Daten bleiben bei AWS, nicht bei Anthropic, und bei Cross-Region-Profilen liegen sie in der Zielregion.

Der Speichermodus: none sperrt Fable automatisch

Ob Bedrock etwas speichert, regelt ein Modus, den du selbst setzt: je Region für das ganze Konto und auf dem Mantle-Endpunkt zusätzlich je Projekt. Von streng nach locker gibt es none (nichts wird dauerhaft gespeichert), default (es gilt die Regel des Modells), aws_review (AWS darf speichern und von Menschen prüfen lassen) und das Altmodell provider_data_share, das laut AWS heute nichts an Anbieter weitergibt. Dazu kommt inherit, die Vorgabe für neue Konten, die die Entscheidung an die nächsthöhere Ebene weiterreicht. Eine Konsolenoberfläche gibt es dafür nicht, gesetzt wird per API oder SDK.

Jedes Modell meldet, welche Modi es zulässt. Die Fable-Modelle verlangen mindestens aws_review: Steht dein Konto auf none oder default, sind sie nicht verfügbar, und ein Aufruf über den Standard-Endpunkt endet mit einer ValidationException. Wer none setzt, sperrt Fable also automatisch. Opus 4.8 nennt die Doku als Beispiel für ein Modell, das none erlaubt; dann wird unabhängig von der Kontoeinstellung nichts gespeichert. Die Modellkarten von Opus 5.5, Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 enthalten, anders als die von Fable, keine Speicherpflicht. Welche Modi ein Modell zulässt, zeigt das Feld allowed_modes, wenn du das Modell über den Mantle-Endpunkt abfragst. Damit niemand den Modus später lockert, lässt sich none per SCP erzwingen: Die Doku verbietet dafür die Aktion bedrock:PutAccountDataRetention für jeden Wert außer none, auf dem Mantle-Endpunkt zusätzlich das Anlegen und Ändern von Projekten.

Für gelbe Daten heißt das: ein Modell mit EU-Profil, also Opus 5.5, Sonnet 5.5, Haiku 5.5 oder ein Vorgänger, nicht Fable. Das ist keine Aussage über die Qualität der Modelle, sondern über den Datenweg.

AVV, Standardvertragsklauseln und der US-Konzern

Die Auftragsverarbeitung ist bei AWS kein Extraschritt. Das AWS-DPA ist Teil der Service Terms, und die Standardvertragsklauseln der EU-Kommission von Juni 2021 gelten laut AWS automatisch. AWS ist außerdem unter dem EU-US Data Privacy Framework zertifiziert, als Teil der Zertifizierung von Amazon.com, Inc. Die Region, in der deine Inhalte gespeichert werden, bestimmst du. Damit erledigt Bedrock den Teil, für den du bei einem einzelnen Pro-Konto keinen Vertrag bekommst, ohne dass du etwas unterschreibst; wie das bei Team aussieht, steht in Claude Team: Kosten und wann es lohnt.

Was bei dir bleibt, ist dasselbe wie bei jedem Werkzeug. Die Rechtsgrundlage für die Eingabe personenbezogener Daten brauchst du unabhängig vom Ort der Verarbeitung; die Datenschutzkonferenz sagt in ihrer Orientierungshilfe zu KI und Datenschutz ausdrücklich, Randnummer 48, dass schon die Eingabe in ein KI-System eine Rechtsgrundlage braucht. Die Datenschutzerklärung, das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und die Entscheidung, welche Daten überhaupt in einen Prompt gehören, nimmt dir kein Anbieter ab. Wie ich diese Grenze ziehe, steht in KI und Datenschutz: was die KI sehen darf.

Ein Punkt gehört ehrlich dazu: Die kommerziellen eu-Regionen betreibt ein US-Konzern. Die Antwort von AWS darauf ist die European Sovereign Cloud, seit dem 15.01.2026 mit einer ersten Region in Brandenburg, ausschließlich von EU-Ansässigen betrieben, unter einer eigenen Muttergesellschaft mit drei deutschen GmbHs. Nur: Claude taucht dort nicht auf. Bedrock in der Sovereign Cloud wurde am 17.09.2026 um Googles Gemma-4-Modelle erweitert, Anthropic wird in keiner AWS-Ankündigung zur Sovereign Cloud genannt, und keine der Claude-Modellkarten führt eine Region der Sovereign Cloud, Stand 30.10.2026. Wer Claude will, nimmt heute die kommerziellen eu-Regionen mit DPA, Standardvertragsklauseln und Data Privacy Framework. Wer die Sovereign Cloud will, findet dort nach allem, was AWS veröffentlicht hat, heute kein Claude.

Was Claude über Bedrock kostet

Bedrock ist Verbrauchsabrechnung, kein Abo; Claude wird über den AWS Marketplace abgerechnet und erscheint auf deiner AWS-Rechnung. Die AWS-Preisseite führt zwei Preise je Modell: global und „Geo und In-Region". Das EU-Profil und Einzel-Regionen kosten 10 Prozent mehr als das globale Profil. Je Million Token, Stand 30.10.2026:

Modell Global Eingabe / Ausgabe EU-Profil Eingabe / Ausgabe
Opus 5.5 4 / 20 Dollar 4,40 / 22 Dollar
Sonnet 5.5 2 / 10 Dollar 2,20 / 11 Dollar
Opus 5 5 / 25 Dollar 5,50 / 27,50 Dollar
Fable 5.1 10 / 50 Dollar nur global

Haiku 5.5 hat laut Anthropic einen gestaffelten Listenpreis: 0,10 / 0,50 Dollar bis 100.000 Token im Prompt, darüber 0,50 / 2,50 Dollar. Auf der AWS-Preisseite kostet Haiku 5.5 global 0,10 / 0,50 Dollar und über das EU-Profil 0,11 / 0,55 Dollar; für lange Prompts führt AWS eine eigene Zeile mit 0,50 / 2,50 Dollar global und 0,55 / 2,75 Dollar im EU-Profil.

Als Größenordnung: Eine Million Eingabe-Token und 200.000 Ausgabe-Token mit Sonnet 5.5 kosten global 4 Dollar und über das EU-Profil 4,40 Dollar. Das ist ein anderer Kostentyp als die 20 Dollar für Pro oder die 25 Dollar je Sitz bei Team, die ich in Claude Kosten und Abos im Überblick vergleiche: planbar ist es nicht, dafür zahlst du nur, was läuft, und die Rechnung kommt von AWS, nicht von Anthropic. Prompt-Caching, Batch, Budget-Alarm und Kosten pro Abteilung erkläre ich in AWS Bedrock Kosten: Claude-Preise und Budget.

Claude Code über Bedrock in der EU

Claude Code kann statt über das Abo direkt gegen Bedrock laufen. Der Zugang ist einmal je AWS-Konto zu erledigen: im Bedrock-Modellkatalog ein Anthropic-Modell wählen und das Use-Case-Formular absenden, der Zugriff wird laut Doku sofort gewährt. Mit AWS Organizations genügt ein Aufruf von PutUseCaseForModelAccess aus dem Management-Konto, die Freigabe gilt dann auch für die Unterkonten. Fable 5.1, Fable 5, Opus 4.8, Sonnet 5, Opus 4.7 und Haiku 4.5 stehen laut Anthropic allen Bedrock-Kunden offen; die Zugangskriterien für Opus 5.5, Sonnet 5.5, Haiku 5.5 und Opus 5 zeigt die Bedrock-Konsole.

Am schnellsten geht die Einrichtung über den Assistenten: claude starten, bei der Anmeldung „3rd-party platform" und dann „Amazon Bedrock" wählen; wer schon angemeldet ist, ruft /setup-bedrock auf. Der Assistent fragt nach AWS-Profil, Bedrock-API-Schlüssel oder Zugangsschlüssel und nach der Region, prüft, welche Claude-Modelle dein Konto aufrufen darf, und speichert alles in deiner Einstellungsdatei. Für Skripte und Rollouts gehen weiterhin Umgebungsvariablen:

export CLAUDE_CODE_USE_BEDROCK=1
export AWS_REGION=eu-central-1
export ANTHROPIC_BEDROCK_REGION_PREFIX=eu

Ohne weitere Angaben nimmt Claude Code auf Bedrock Opus 5.5 als Hauptmodell, mit dem Präfix eu also eu.anthropic.claude-opus-5-5. In einer eu-Region ist eu ohnehin der Vorgabewert; die Variable gibt es ab Claude Code 2.1.224, und sie ist laut Doku eine Vorgabe, keine Garantie. Die Doku warnt ausdrücklich: Wer kein Hauptmodell festlegt, zahlt den Opus-Preis. Für Sonnet 5.5 setzt du ANTHROPIC_MODEL=eu.anthropic.claude-sonnet-5-5, und für mehrere Nutzer empfiehlt die Doku, die Modellversionen immer festzulegen. Sonnet 5 und neuer sowie Opus 4.7 und neuer laufen auf Bedrock standardmäßig mit einem Kontextfenster von einer Million Token.

Drei Einschränkungen gehören dazu: Das Websuche-Werkzeug ist auf Bedrock nicht verfügbar, /logout gibt es nicht, weil die Anmeldung über AWS-Zugangsdaten läuft, und Fast Mode bietet Claude Code über Bedrock nicht an, siehe Claude Code Fast Mode: Kosten und Umstieg. Was Claude Code sonst ausmacht, Dateien, Ordner, Skills, bleibt gleich; die Grundlagen stehen in Claude Code: Anleitung für Einsteiger.

Claude Desktop über Bedrock

Auch die Desktop-App lässt sich auf Bedrock umstellen. Anthropic nennt das Claude Desktop on third-party (3P): Die App schickt alle Anfragen an den Anbieter, den du einträgst, und Chat, Cowork und Code bleiben nutzbar. Bei Bedrock gehen die Anfragen direkt vom Rechner an den regionalen Endpunkt, die Gespräche liegen lokal auf dem Gerät, nicht bei Anthropic. Abgerechnet wird nach Token über AWS, ohne Lizenzen je Sitz.

Eingerichtet wird zentral. Das Konfigurationsfenster der App (Developer → Configure Third-Party Inference…) baut die Einstellungen, verteilt werden sie per MDM wie Intune, Jamf oder Gruppenrichtlinie. Für die Anmeldung beschreibt die Doku mehrere Wege, vom gemeinsamen Bedrock-API-Schlüssel für einen ersten Test bis zur Anmeldung in der App über IAM Identity Center, auf Wunsch mit Entra ID oder Okta dahinter; dann erscheint jede Person einzeln in CloudTrail. Drei Punkte gehören in die Planung: Die Modelle müssen in genau der Region freigeschaltet sein, die du in der App einträgst. Die Websuche braucht auf Bedrock einen eigenen Suchanbieter. Und die App schickt standardmäßig Absturzberichte und Nutzungsstatistik ohne Gesprächsinhalte an Anthropic; das lässt sich per Konfiguration ganz abschalten. Die Einrichtung Schritt für Schritt, mit Export für Intune und Jamf, steht in Claude Desktop über Bedrock einrichten. Was bei Quoten und einer ThrottlingException hilft, erkläre ich in Bedrock Limits und ThrottlingException.

Was auf Bedrock fehlt

Die Bedrock-Integration für Opus 4.7 und neuer liefert die Messages-API mit Prompt-Caching, Thinking, Werkzeugaufrufen, Zitaten und inzwischen auch Structured Outputs. Nicht unterstützt sind laut Anthropic unter anderem die Files API und URL-Quellen für Bilder und Dokumente, die serverseitigen Werkzeuge Code Execution, Web Search, Web Fetch und Advisor, Agent Skills, der MCP-Connector und Programmatic Tool Calling, die Endpunkte für Message Batches sowie für Nutzung und Kosten, Claude Managed Agents und die neuen Toolsets für Computer- und Browser-Nutzung. Wer eine eigene Anwendung baut, prüft diese Liste vor der Entscheidung, nicht danach.

Praxis bei mir: gelb über Bedrock, rot lokal

Meine Ampel für Kundendaten hat drei Stufen. Grün geht direkt, das sind Blogbeiträge, Texte und alles ohne Personenbezug. Gelb sind personenbezogene Daten im normalen Geschäftskontext, die brauchen einen AVV, Anonymisierung oder eben Claude über Bedrock in der EU. Rot sind Gesundheitsdaten, Bankdaten Dritter und andere besondere Kategorien, die laufen bei mir meist direkt über lokale Modelle, ohne Cloud; wie so ein Aufbau aussieht, steht in Lokale KI und Datenschutz: Cloud oder Server?.

Bedrock nutze ich in manchen Fällen selbst produktiv und habe es bei Kunden eingerichtet, jeweils dort, wo Verarbeitung in der EU verlangt ist; meine eigene Belegschaft läuft im Alltag über Claude mit AVV. Der Preis dafür ist Aufwand: ein AWS-Konto, IAM-Rechte, die Frage nach Einzel-Region oder EU-Profil, und ein Blick in CloudTrail, wenn jemand nachfragt, wo eine Anfrage gerechnet wurde. Für grüne Daten lohnt sich das nicht, für rote reicht es mir nicht. Für die Mitte ist es die Option, die ich selbst einsetze; Google Vertex und Microsoft Foundry nennt Anthropic ebenfalls als EU-Wege, die habe ich nicht angesehen. Wie sich Bedrock neben dem Business-Plan eines Anbieters und einem eigenen Server einordnet, wenn ein Unternehmen KI für alle einführt, steht in Corporate LLM: Anbieter oder eigener Server?.

Häufige Fragen

Ist Claude über AWS Bedrock DSGVO-konform?

Kein Dienst ist für sich konform, nur ein Setup. Belegt ist, was Bedrock liefert: Auftragsverarbeitung über das AWS-DPA mit Standardvertragsklauseln, Verarbeitung in eu-Regionen über das EU-Profil, kein Training, keine Weitergabe an Anthropic, standardmäßig keine Speicherung, Verschlüsselung in Transit und at rest. Rechtsgrundlage, Datenschutzerklärung und die Auswahl der Daten bleiben bei dir. Wie du Bedrock in deinem Betrieb einrichtest, schauen wir uns gemeinsam an.

Läuft Claude über Bedrock in Frankfurt?

Von Frankfurt aus ja, in Frankfurt allein nein. Opus 5.5, Sonnet 5.5, Haiku 5.5 und die Vorgänger Opus 5 und Sonnet 5 laufen in eu-central-1 nur über das EU-Profil oder global. Das EU-Profil routet von Frankfurt aus laut Modellkarte in sechs Regionen in EU-Staaten: Frankfurt, Stockholm, Mailand, Spanien, Irland und Paris; die verbindliche Liste liefert GetInferenceProfile. Eine Einzel-Region gibt es in Europa für Opus 5.5 nur in London und für Opus 5 und Sonnet 5 in Stockholm und Irland über den Mantle-Endpunkt.

Sieht Anthropic meine Daten, wenn ich Claude über Bedrock nutze?

Nach der AWS-Doku nein. Die Modelle laufen in AWS-Konten, auf die Anthropic keinen Zugriff hat, und auch die für Fable 5 und 5.1 gespeicherten Daten bleiben laut AWS bei AWS und werden nicht an Modellanbieter weitergegeben.

Brauche ich einen eigenen AVV mit Anthropic?

Für die Verarbeitung auf Bedrock ist AWS dein Auftragsverarbeiter, das DPA ist Teil der AWS Service Terms. Mit Anthropic nimmst du beim Freischalten die Nutzungsbedingungen für Bedrock an, im EWR mit Anthropic Ireland Limited.

Kostet das EU-Profil mehr als das globale Profil?

Ja, 10 Prozent, zum Beispiel Sonnet 5.5 mit 2,20 statt 2 Dollar je Million Eingabe-Token; dafür bleiben die Anfragen in den EU-Regionen. Abgerechnet wird über die AWS-Rechnung, maßgeblich ist die Preisseite von AWS.

Kann ich Claude Code über Bedrock nutzen?

Ja, über den Anmelde-Assistenten (/setup-bedrock) oder mit CLAUDE_CODE_USE_BEDROCK=1, einer AWS-Region und dem Präfix eu für die EU-Profile. Das Websuche-Werkzeug und Fast Mode fehlen dann, alles andere bleibt.

Wie du das für dich einordnest

Drei Fragen, dann weißt du, ob Bedrock dein Weg ist. Verlangt ein Kunde oder dein Datenschutzbeauftragter Verarbeitung in der EU? Wenn nein, reicht ein kommerzielles Claude-Produkt mit AVV, siehe Claude Datenschutz und DSGVO: was gilt. Wenn ja: Genügt „irgendwo in den EU-Regionen" oder muss es eine einzige Region sein? Das entscheidet zwischen dem EU-Profil und einer Einzel-Region, die es in der EU nur für Opus 5 und Sonnet 5 in Stockholm oder Irland gibt. Und brauchst du Fable? Dann ist die EU-Zusage heute nicht zu haben, und die Wahl fällt auf Opus 5.5, Sonnet 5.5 oder Haiku 5.5.

Was auf keinem Cloud-Weg zu haben ist, besondere Kategorien ohne jeden fremden Server, bleibt das Feld für lokale Modelle. Wie meine Belegschaft aus fünfzehn KI-Mitarbeitern mit diesen Grenzen arbeitet und welche Regeln in ihren Personalakten stehen, zeige ich in meiner Community.

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Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus fünfzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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