Ob du ein offenes KI-Modell kommerziell nutzen darfst, entscheidet die Lizenzdatei, nicht das Wort „Open Source“ auf der Modellseite. Apache 2.0 und MIT erlauben kommerzielle Nutzung ohne Umsatzgrenze. Wenn du das Modell weitergibst, lieferst du im Wesentlichen den Lizenztext und die Urheberhinweise mit. Darunter fallen im Oktober 2026 zum Beispiel Qwen3.8-27B, Gemma 4, gpt-oss, Muse Glimmer 30B und Mistral Small 4 mit Apache 2.0 sowie DeepSeek V4 mit MIT. Die eigenen Lizenzen der Hersteller setzen Bedingungen, und die unterscheiden sich stark. Llama 4 vergibt die Rechte an seinen multimodalen Modellen nicht an Firmen mit Hauptsitz in der EU. Mistral Medium 3.5 endet bei 20 Mio. USD Monatsumsatz, LFM2.5 bei 10 Mio. USD Jahresumsatz. Mehrere Lizenzen verlangen „Built with …“ im Produkt oder einen eigenen Vertrag, wenn du das Modell anderen als Dienst anbietest. Teuken-7B-instruct v0.6 ist gar nicht kommerziell nutzbar.
Ich bin Entwickler und kein Anwalt, das hier ist keine Rechtsberatung, sondern meine Lesart der Lizenztexte, die ich am 26.10.2026 selbst abgerufen habe. Im Zweifel gehört der Einzelfall geprüft. Ich lese diese Texte, weil ich KI-Mitarbeiter baue und offene Modelle auf meinem DGX Spark teste. Alles zu lokaler KI sammle ich auf der Seite KI, die Modelle selbst mit Größe und Hardwarebedarf stehen in Open-Source-KI-Modelle 2026 im Vergleich.
Open Weight oder Open Source: der Unterschied
Die Open Source Initiative legt mit ihrer Open Source AI Definition 1.0 fest, was „Open Source“ bei KI heißt. Ein System muss vier Freiheiten gewähren: es für jeden Zweck nutzen, „without having to ask for permission“, es untersuchen, es verändern und es weitergeben. Dafür verlangt die Definition drei Bausteine: ausreichend genaue Informationen über die Trainingsdaten, den vollständigen Code für Training und Betrieb und die Parameter, also die Gewichte.
Open Weight heißt: Du bekommst nur den dritten Baustein. Die Gewichte liegen zum Download bereit, Trainingsdaten und Trainingscode meist nicht. Das trifft auf fast alle bekannten offenen Modelle zu. Für dein Unternehmen ist das Etikett aber zweitrangig. Entscheidend ist, was die Lizenz zu Nutzung, Veränderung, Weitergabe und Verkauf sagt und an welche Bedingungen sie das knüpft. Genau da gehen die Modelle weit auseinander.
Die Lizenzen offener Modelle im Überblick
Stand: 26.10.2026. Die Spalte „Kommerziell“ ist meine Lesart für ein kleines Unternehmen, das das Modell selbst betreibt oder in ein eigenes Produkt einbaut.
Apache 2.0 und MIT: die einfachen Fälle
Apache 2.0 gewährt jedem Nutzer eine Lizenz, die „perpetual, worldwide, non-exclusive, no-charge, royalty-free, irrevocable“ ist. Du darfst das Modell also dauerhaft, weltweit und ohne Gebühr nutzen, verändern und weitergeben, auch in einem Produkt, das du verkaufst. Die Pflichten greifen vor allem bei der Weitergabe: „You must give any other recipients of the Work or Derivative Works a copy of this License“, und veränderte Dateien müssen einen deutlichen Hinweis tragen. Markenrechte gibt Apache 2.0 ausdrücklich nicht. Du darfst also schreiben, dass dein Produkt auf Qwen3.8-27B läuft, aber nicht so tun, als sei es ein Produkt von Alibaba.
MIT ist noch knapper. Die Lizenz von DeepSeek erlaubt, die Software „without restriction“ zu nutzen, zu verändern, zu verkaufen und weiterzugeben. Einzige Bedingung: „The above copyright notice and this permission notice shall be included in all copies or substantial portions of the Software.“ Für ein kleines Unternehmen, das ein Modell auf eigener Hardware betreibt, sind beide Lizenzen der einfachste Fall.
Neben der Lizenz lohnt der Blick auf eine mögliche Nutzungsrichtlinie. Muse Glimmer 30B steht unter Apache 2.0, die Modellkarte verweist aber zusätzlich auf eine „Usage Policy“ von Meta. Sie enthält eine Liste verbotener Einsatzzwecke, etwa den Betrieb kritischer Infrastruktur, und den Satz „Muse Glimmer is not intended for individuals under the age of 18.“ Bei Apertus 1.5 stimmst du vor dem Download der Lizenz und einer „Acceptable Use Policy“ zu. Lies beide Texte mit, wenn du das Modell in ein Produkt für andere einbaust.
Gemma: Gemma 4 unter Apache 2.0, ältere Versionen nicht
Bei Gemma hängt die Lizenz an der Generation. Die Lizenzseite zu Gemma 4 zeigt den Text der Apache 2.0, die Modellkarten tragen das Etikett „apache-2.0“. Für die älteren Modelle gelten die Gemma Terms of Use. Google schreibt dort: „The terms below apply to Gemma models listed in the Appendix at bottom of this page. For Gemma 4 terms, see the Gemma 4 license.“ Im Anhang stehen unter anderem Gemma 1 bis 3 und Gemma 3n.
Die Gemma Terms erlauben ebenfalls kommerzielle Nutzung, binden sie aber an eine Verbotsliste, die du bei Weitergabe vertraglich an deine Nutzer weiterreichen musst. Außerdem behält sich Google vor, die Nutzung „remotely or otherwise“ einzuschränken, wenn es einen Verstoß vermutet. Wer heute noch ein Gemma-3-Modell einsetzt, hat also andere Bedingungen als mit Gemma 4.
Llama 4: die EU-Klausel
Die Llama 4 Community License verweist auf eine Nutzungsrichtlinie, die „hereby incorporated by reference“ Teil der Lizenz ist. In dieser Richtlinie steht der Satz, der für Firmen in Deutschland zählt:
„With respect to any multimodal models included in Llama 4, the rights granted under Section 1(a) of the Llama 4 Community License Agreement are not being granted to you if you are an individual domiciled in, or a company with a principal place of business in, the European Union. This restriction does not apply to end users of a product or service that incorporates any such multimodal models.“
Llama 4 Scout und Maverick verarbeiten Text und Bild, Hugging Face führt beide als Bild-Text-Modelle. Nach meiner Lesart bekommt eine Firma mit Hauptsitz in der EU an diesen Modellen keine Rechte aus Abschnitt 1(a), darf sie also nicht selbst betreiben, verändern oder weitergeben. Nutzt du als Endkunde ein Produkt, das Llama 4 enthält, greift vermutlich die Ausnahme für Endnutzer. Dazu kommen die Pflichten aus der Lizenz selbst: „Built with Llama“ sichtbar anzeigen, eine Kopie der Lizenz mitgeben und abgeleitete Modelle mit „Llama“ am Namensanfang benennen. Ab 700 Millionen monatlichen Nutzern brauchst du eine eigene Lizenz von Meta.
Bei Muse Spark Open, Metas neuem offenen Modell vom 15.10.2026, habe ich im Lizenztext keine solche EU-Klausel gefunden. Dort nennt Meta für Europa Meta Platforms Ireland als Vertragspartner. Die Nutzungsrichtlinie von Muse Spark Open hängt als „Exhibit A“ am Lizenztext und ist damit Teil der Bedingungen. Pflicht ist der Hinweis „Built with Muse Spark Open“ in jedem Produkt, und wer anderen Zugriff auf das Modell als Dienst gibt, braucht über 20 Mio. USD Umsatz in zwölf Monaten einen Vertrag mit Meta. Die interne Nutzung und Funktionen im eigenen Produkt nimmt der Text davon ausdrücklich aus.
Qwen: zwei Lizenzen in einer Familie
Bei Qwen 3.8 gelten je nach Modell verschiedene Lizenzen. Qwen3.8-27B, das Modell auf meinem DGX Spark, steht unter Apache 2.0. Qwen3.8-Flash-Next und das große Qwen3.8-2.4T-A95B haben eigene Lizenzen.
Ein Hinweis zu Qwen3.8-Flash-Next: Die Qwen Community License 1.0 verlangt eine eigene Lizenz von Qwen, bevor du das Modell kommerziell nutzt, wenn du oder ein verbundenes Unternehmen „a Model as a Service or AI Work Assistant business“ betreibt. Als „AI Work Assistant“ gilt laut Text ein eigenständiges KI-Produkt, das vor allem für KI-gestütztes Programmieren oder Büroarbeit gedacht ist. Ausgenommen ist die interne Nutzung, solange weder das Modell noch seine Ausgaben Dritten zugänglich werden. Für Unternehmen ohne solches Geschäft ist die kommerzielle Nutzung erlaubt. Ab 100 Mio. monatlichen Nutzern oder 20 Mio. USD Monatsumsatz muss der Modellname sichtbar im Produkt stehen, dasselbe gilt für Qwen3.8-Max. Ich nutze Flash-Next nicht für Kundenprojekte und habe die Klausel deshalb nicht weiter prüfen lassen. Wer ein Produkt für Büroarbeit oder Programmieren auf Flash-Next bauen will, sollte das vorher klären.
Umsatzgrenzen und „Built with“: Mistral, Kimi, MiniMax, Liquid
Mehrere Lizenzen knüpfen die Rechte an die Größe deines Unternehmens:
- Mistral Medium 3.5: „You are not authorized to exercise any rights under this license if the global consolidated monthly revenue of your company (or that of your employer) exceeds $20 million“, gemessen am Vormonat. Für die meisten kleinen Unternehmen ist das kein Hindernis. Die kleineren Mistral-Modelle wie Mistral Small 4 und Ministral 3 stehen ohnehin unter Apache 2.0.
- LFM2.5 von Liquid AI: Kommerzielle Nutzung ist nur lizenziert, solange dein Jahresumsatz unter 10 Mio. USD liegt.
- Kimi K3: Ein Vertrag mit Moonshot AI ist erst nötig, wenn du das Modell anderen als Dienst anbietest und über 20 Mio. USD Umsatz in zwölf Monaten hast. Ab 100 Mio. monatlichen Nutzern oder 20 Mio. USD Monatsumsatz muss „Kimi K3“ sichtbar im Produkt stehen. Die interne Nutzung ist ausgenommen.
- MiniMax M3: Jede kommerzielle Nutzung verlangt den Hinweis „Built with MiniMax M3“ und eine einmalige Mitteilung an MiniMax per E-Mail, über 20 Mio. USD Jahresumsatz mit dem Produkt eine vorherige schriftliche Genehmigung.
- GLM-5.3: Eine Sicherheitsprüfung durch Z.ai brauchen nur Anbieter von Modellen als Dienst mit über 10 Mrd. USD Umsatz.
Teuken: offen, aber nicht kommerziell
Teuken-7B-instruct v0.6 aus dem deutschen Projekt OpenGPT-X ist in allen 24 Amtssprachen der EU trainiert. Die Modellkarte nennt als Lizenz CC BY-NC 4.0 und beschreibt den Zweck so: „designed for private, non-commercial, research, and educational use“. Für Kundenarbeit scheidet diese Fassung damit aus. Auf Hugging Face liegt eine ältere Fassung namens Teuken-7B-instruct-commercial-v0.4, die laut Hugging Face unter Apache 2.0 steht. Getestet habe ich keine der beiden.
Was die Lizenz nicht regelt: Datenschutz
Eine Lizenz sagt, was du mit den Gewichten tun darfst. Sie sagt nichts darüber, wo deine Daten landen. Wenn du ein offenes Modell auf eigener Hardware betreibst, verlässt deine Eingabe dein Netz nicht, egal ob das Modell aus den USA, aus China oder aus Frankreich stammt. Nutzt du dasselbe Modell über die App oder API des Herstellers oder als Cloud-Modell in Ollama, gelten dessen Datenschutzbedingungen. Was beim lokalen Betrieb trotzdem abfließen kann, steht in Lokale KI und Datenschutz: Cloud oder Server?, die Cloud-Seite am Beispiel Claude in Claude Datenschutz und DSGVO: was gilt. Den Unterschied zwischen App, API und eigenen Gewichten zeige ich am Beispiel DeepSeek in DeepSeek lokal 2026: was mit V4 wirklich geht.
So prüfst du eine Modelllizenz in fünf Schritten
- Lizenzdatei öffnen, nicht das Etikett lesen. Auf Hugging Face steht bei eigenen Lizenzen oft nur „other“. Der Text liegt als
LICENSE im Repository oder im Zugangsformular.
- Deinen Fall einordnen. Nutzt du das Modell intern, baust du es in eine Funktion deines Produkts ein, oder bietest du es anderen als Dienst an? Viele Klauseln greifen erst im dritten Fall.
- Schwellen prüfen. Umsatz im Monat oder im Jahr, Nutzerzahlen, mit oder ohne verbundene Unternehmen.
- Pflichten notieren. Lizenzkopie, „Built with …“, Namensregeln, Mitteilung an den Hersteller.
- Datum festhalten. Lizenzen ändern sich mit neuen Versionen. Leg dir den Text mit Abrufdatum ab und prüf ihn bei jedem Modell-Update neu.
Häufige Fragen
Darf ich Modelle unter Apache 2.0 für Kundenprojekte nutzen?
Ja. Apache 2.0 erlaubt kommerzielle Nutzung ohne Umsatzgrenze. Gibst du das Modell weiter, lieferst du den Lizenztext mit und kennzeichnest Änderungen. Das gilt im Oktober 2026 etwa für Qwen3.8-27B, Gemma 4, gpt-oss, Muse Glimmer 30B und Mistral Small 4.
Darf eine Firma in Deutschland Llama 4 nutzen?
An den multimodalen Llama-4-Modellen bekommen Firmen mit Hauptsitz in der EU laut Nutzungsrichtlinie keine Rechte aus Abschnitt 1(a) der Lizenz. Llama 4 Scout und Maverick sind multimodal. Ausgenommen sind Endnutzer eines Produkts, das so ein Modell enthält. Das ist meine Lesart, keine Rechtsberatung.
Ist DeepSeek kommerziell nutzbar?
Die Gewichte von DeepSeek V4 und V4.1 stehen unter der MIT-Lizenz. Kommerzielle Nutzung ist erlaubt, Bedingung ist der Urheber- und Lizenzhinweis. Davon getrennt ist der Datenschutz: Lokal betrieben gehen keine Daten an DeepSeek, über App oder API schon.
Was bedeutet „Model as a Service“ in einer Lizenz?
Gemeint ist, dass du Dritten Zugriff auf das Modell selbst gibst, etwa über eine API, sodass sie Eingaben und Parameter steuern. Die Lizenzen von Kimi K3 und GLM-5.3 nehmen Endkundenprodukte aus, in denen das Modell nur in einzelnen Funktionen steckt. Muse Spark Open nimmt Funktionen im eigenen Produkt ebenfalls aus.
Ist Teuken kommerziell nutzbar?
Teuken-7B-instruct v0.6 nicht, es steht unter CC BY-NC 4.0. Die ältere Fassung Teuken-7B-instruct-commercial-v0.4 trägt auf Hugging Face das Etikett Apache 2.0.
Gilt die Lizenz auch für die Texte, die das Modell erzeugt?
Das regeln die Lizenzen unterschiedlich. OpenMDW-1.1 schreibt ausdrücklich, dass es keine Pflichten für die Ausgaben gibt. Meta erhebt bei Muse Spark Open keinen Anspruch auf die Ausgaben, Google in den Gemma Terms of Use ebenfalls nicht. Bei anderen Lizenzen lies den Text.
Wie du weitermachst
Bevor du ein Modell auswählst, schau in die Tabelle mit Größe und Hardwarebedarf in Open-Source-KI-Modelle 2026 im Vergleich. Wie ein offenes Modell zum Baustein eines KI-Mitarbeiters wird und welche anderen Wege es gibt, vergleiche ich in KI-Mitarbeiter bauen: sechs Wege im Vergleich. Was die Hardware kostet, steht in Eigener KI-Server: Hardware und Kosten.