KI-Readiness heißt: Dein Betrieb hat die Voraussetzungen, um KI sinnvoll einzusetzen. Für einen kleinen Betrieb lässt sich das mit fünf Fragen prüfen. Kannst du einen wiederkehrenden Ablauf aufschreiben? Liegen die Daten dafür digital und zugänglich vor? Gibt es eine Person, die briefen, prüfen und freigeben kann? Gibt es Regeln, welche Daten die KI sehen darf und was ohne Freigabe nie rausgeht? Ist ein kleines Budget an Geld und Zeit da? Wenn du alle fünf mit Ja beantwortest, kannst du mit einer ersten Rolle starten. Jedes Nein zeigt dir, was du vorher erledigst.
Ich führe mein Business mit vierzehn KI-Mitarbeitern. Die fünf Fragen leite ich aus meiner eigenen Arbeitsweise ab: Jede Rolle bekommt bei mir eine Personalakte mit Aufgabe und Grenzen, und was das Haus verlässt, gebe ich frei. Die Fragen sind meine Arbeitsregel, kein wissenschaftliches Reifegradmodell, und sie ergeben bewusst keine Punktzahl.
Was KI-Readiness meint, und was nicht
Öffentliche Readiness-Checks fragen meist nach mehreren Bereichen. Der KI-Readiness-Check des Mittelstand-Digital Zentrums Kaiserslautern etwa nennt vier: Technologie, Organisation, Menschen und Umwelt, also Datenbasis und IT, Prozesse und Kultur, die Sicht der Mitarbeitenden sowie Recht, Datenschutz und Compliance. Am Ende steht ein KI-Reifegrad.
Für ein Unternehmen mit mehreren Abteilungen ist das sinnvoll. In einem Betrieb mit fünf Leuten schrumpfen diese Bereiche auf wenige Fragen, die du an einem Nachmittag beantworten kannst. Dort gibt es meist keine eigene IT-Strategie, die zu bewerten wäre, sondern ein Postfach, ein Buchhaltungs-Tool und eine Inhaberin, die wenig Zeit hat. Die entscheidende Frage ist nicht „Wie reif sind wir?“, sondern „Was hält uns davon ab, nächste Woche mit einer Aufgabe zu starten?“
Der Selbsttest: fünf Fragen zur KI-Readiness
1. Kannst du einen wiederkehrenden Ablauf aufschreiben?
Nimm eine Aufgabe, die jede Woche anfällt, und schreib sie in fünf bis zehn Sätzen auf: Was löst sie aus, welche Informationen brauchst du, welche Schritte folgen, woran erkennst du ein gutes Ergebnis? Wenn das gelingt, ist die Frage mit Ja beantwortet.
Wenn nicht, liegt das Wissen nur in deinem Kopf. Dann hilft dir auch das beste Werkzeug nicht, denn eine KI kann einen Ablauf übernehmen, aber nicht erfinden. Wie du Abläufe findest und beschreibst, steht in Prozessoptimierung mit KI: so gehst du vor.
2. Liegen die Daten digital und zugänglich vor?
Die Eingangsdaten für diesen Ablauf müssen an einer Stelle liegen, auf die eine KI zugreifen kann: ein Postfach, ein gemeinsamer Ordner, ein Buchhaltungs-Tool mit Schnittstelle. Papierstapel, private Handys und Notizen auf dem Schreibtisch sind ein Nein.
Bei mir greift Frieda über offizielle Connectors für Gmail oder Microsoft 365 auf das Postfach zu, ohne Passwörter im Klartext. Wenn bei dir Belege noch auf Papier liegen, ist der erste Schritt eine digitale Ablage, beschrieben in Belege digital verwalten: Ablage im Betrieb.
3. Gibt es eine Person, die briefen, prüfen und freigeben kann?
Ein KI-Mitarbeiter braucht jemanden, der ihm sagt, was er tun soll, seine Ergebnisse prüft und Feedback gibt. Diese Person braucht in den ersten Wochen regelmäßig Zeit dafür, nicht nur einmal am Anfang, aber keine lange Schulung. Welche Pflichten die KI-Verordnung dazu vorsieht, steht in KI-Kompetenz nach AI Act: Mitarbeiter schulen. Wenn keiner diese Rolle übernehmen kann oder will, ist das ein klares Nein.
Bei mir bleibt genau das bei mir: den Auftrag geben, das Ergebnis freigeben und entscheiden, was live geht. In meiner Community steht es deshalb ausdrücklich unter „Nicht für dich, wenn“: wenn du eine Lösung suchst, die ohne dein Zutun läuft.
4. Gibt es Regeln für Daten und Freigaben?
Prüfe, ob zwei Regeln schriftlich feststehen: wer freigibt, bevor etwas das Haus verlässt, und welche Ordner und Daten die KI sehen darf und welche nie, zum Beispiel Bewerbungen oder Gesundheitsdaten. Warum beide vor dem ersten echten Zugriff stehen müssen, steht in KI für kleine Unternehmen einführen.
Für den Einstieg mit einer Rolle reicht in der Regel ein einzelnes Abo für ein KI-Tool. Wichtiger ist die Zeit: Das Briefing, die ersten Prüfrunden und das Feedback kosten in den ersten Wochen Arbeitszeit, bevor eine Entlastung spürbar wird. Wenn weder Abo noch diese Stunden drin sind, verschieb den Start, statt ihn halbherzig zu beginnen. Was ein KI-Mitarbeiter genau kostet, steht in Was kostet ein KI-Mitarbeiter wirklich?.
So liest du dein Ergebnis
Der Selbsttest ergibt keine Punktzahl, und das ist Absicht. Eine Prozentzahl klingt genau, sagt dir aber nicht, was du am Montag tun sollst. Jedes Nein steht dagegen für einen konkreten Schritt:
Frage
Wenn Nein
Dein nächster Schritt
1. Ablauf aufschreiben
Wissen liegt nur in deinem Kopf
eine Woche lang wiederkehrende Aufgaben notieren, eine davon beschreiben
2. Daten digital
Eingangsdaten auf Papier oder verstreut
eine Ablage oder ein gemeinsames Postfach einrichten
3. Verantwortliche Person
niemand prüft und gibt frei
die Rolle benennen und feste Zeit im Kalender blocken
4. Regeln
keine Freigabe- und Datenregel
eine Seite mit beiden Regeln schreiben
5. Budget
kein Abo und keine Zeit
Start verschieben oder eine kleinere Aufgabe wählen
Die Reihenfolge der Zeilen ist auch die Reihenfolge, in der ich Lücken schließen würde. Ohne beschriebenen Ablauf und ohne verantwortliche Person bringt eine Datenregel wenig. Sind beide da, geht es bei den übrigen Fragen um Ordnung und Absprachen, nicht mehr um Grundsätzliches.
Von der KI-Readiness zur KI-Roadmap
Eine KI-Roadmap klingt nach einem Projektplan über Monate. Im kleinen Betrieb ist sie eine Reihenfolge: Welche Aufgabe kommt zuerst, welche danach? Ich empfehle eine Rolle pro Woche, jede Woche mit einer Entscheidung, ob sie bleibt. Wie das über vier Wochen aussieht, mit Posteingang, Angeboten, Kundensuche und Website, steht in KI für kleine Unternehmen einführen.
Eine KI-Potenzialanalyse beantwortet die Frage davor: Wo im Betrieb lohnt sich KI überhaupt? Welche Aufgaben je Abteilung zuerst lohnen, steht in KI Use Cases im Betrieb nach Abteilung. Welcher Ablauf in deinem Büro am stärksten an dir hängt, zeigt dir mein Engpass-Check mit zehn Fragen, ohne Anmeldung.
Öffentliche Readiness-Checks im Vergleich
Unter dem Begriff „KI-Readiness-Check“ findest du sehr Verschiedenes. Drei Beispiele, Stand 28.10.2026:
KI-Readiness-Check (KIRC) des Mittelstand-Digital Zentrums Kaiserslautern. Eine geführte Selbstanalyse für kleine und mittlere Unternehmen zu den vier Bereichen oben, mit einem ermittelten Reifegrad. Die Bundesnetzagentur verlinkt ihn auf einer ihrer Seiten zu KI. Laut der Seite des Zentrums lief dessen Förderung von August 2021 bis Ende Juli 2026, die Startseite des Checks war am 28.10.2026 erreichbar.
KI-Readiness-Check von Fraunhofer FOKUS. Kein Selbsttest, sondern eine beauftragte Bewertung durch Fachleute, laut Seite in höchstens zwei Wochen bis zum Ergebnisbericht. Er richtet sich an gesetzliche Krankenversicherungen.
Mein Engpass-Check. Er misst keinen Reifegrad, sondern zeigt, welcher Ablauf am stärksten an dir hängt und wie viele Stunden pro Woche er dich kostet. Er passt nach diesem Selbsttest, wenn du weißt, dass du bereit bist, aber nicht, womit du anfängst.
Welcher Weg der richtige ist, hängt von der Größe ab. Wer mehrere Abteilungen und eine eigene IT hat, bekommt mit einem Reifegradmodell einen breiteren Blick. Wer fünf Leute hat, kommt mit den fünf Fragen oben schneller zum ersten Schritt.
Häufige Fragen
Was bedeutet KI-Readiness?
Die Bereitschaft eines Betriebs, KI sinnvoll einzusetzen: beschriebene Abläufe, zugängliche Daten, eine verantwortliche Person, klare Regeln und ein kleines Budget. Fehlt einer dieser Punkte, scheitert der Einstieg meist nicht an der KI, sondern an dieser Lücke.
Wie messe ich den KI-Reifegrad meines Betriebs?
Öffentliche Checks wie der KIRC aus Kaiserslautern ermitteln einen Reifegrad über mehrere Bereiche. Für einen kleinen Betrieb reicht oft der Selbsttest oben. Er liefert keine Zahl, sondern für jedes Nein einen nächsten Schritt.
Brauche ich eine externe KI-Potenzialanalyse?
Nicht für den Einstieg. Wenn du einen Ablauf aufschreiben kannst und weißt, wo du die meiste Zeit verlierst, kennst du deinen ersten Kandidaten. Eine Begleitung lohnt sich eher, wenn mehrere Abteilungen beteiligt sind oder die Abläufe ineinandergreifen.
Was ist ein KI-Readiness-Check?
Ein strukturierter Test, ob ein Unternehmen die Voraussetzungen für KI mitbringt. Öffentliche Checks wie der KIRC ermitteln dabei einen Reifegrad, andere sind beauftragte Bewertungen durch Fachleute. Der Selbsttest oben ist die kurze Fassung für kleine Betriebe.
Was, wenn ich bei fast allen Fragen Nein sage?
Dann fang bei Frage 1 an und schreib einen einzigen Ablauf auf. Das kostet keine Lizenz und macht dein Büro auch ohne KI ordentlicher. Danach sieht der Rest des Tests meist anders aus.
Wie du weitermachst
Beantworte die fünf Fragen heute für eine einzige Aufgabe, nicht für den ganzen Betrieb. Wenn alle fünf mit Ja beantwortet sind, mach den Engpass-Check und starte mit Woche 1 aus KI für kleine Unternehmen einführen. Wie ich gemeinsam mit Unternehmen Abläufe aufnehme und übergebe, steht auf der Seite Prozessoptimierung. Fertige Rollen mit Freigabe-Regeln gibt es zum Laden in meiner Community Claude Practitioners.
Kevin Welter
Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus vierzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.