Prompt Injection heißt: Jemand versteckt Anweisungen in einem Inhalt, den eine KI liest, etwa in einer Webseite, einer Mail oder einer Tabelle, und die KI hält diese Anweisungen für deinen Auftrag. Bei einem reinen Chat kommt dabei eine falsche Antwort heraus. Bei einem KI-Agenten, der Werkzeuge bedient, kann daraus eine falsche Handlung werden: Daten wandern nach außen, eine Mail geht raus, ein Eintrag wird gelöscht. Vollständig verhindern lässt sich Prompt Injection nach heutigem Stand nicht, das sagen OWASP und die Hersteller selbst. Du schützt dich, indem du begrenzt, was ein getäuschter Agent anrichten kann: geringste Rechte, Bestätigung vor Aktionen, fremde Inhalte als Material behandeln, isolierte Umgebung, Protokoll.
Dieser Beitrag gilt für alle Agenten und Werkzeuge. Wie sich Claude Code im Einzelnen schützt, steht in Claude Code Sicherheit: Rechte und Sandbox, was im Browser gilt, in Claude in Chrome: Erweiterung nutzen. Stand der Herstellerangaben: 31.10.2026.
Was Prompt Injection ist: direkt und indirekt
Das OWASP-Projekt, eine gemeinnützige Sicherheitsinitiative, führt Prompt Injection in seiner Liste „Top 10 for LLM Applications“ als Risiko LLM01. Es unterscheidet zwei Formen:
- Direkte Prompt Injection: Die Eingabe des Nutzers selbst bringt das Modell dazu, sich anders zu verhalten als vorgesehen. Angreifer und Nutzer sind dieselbe Person, etwa wenn jemand einen Kundenservice-Chatbot dazu bringen will, seine Vorgaben zu ignorieren.
- Indirekte Prompt Injection: Die Anweisung kommt aus einer externen Quelle, die das Modell verarbeitet, laut OWASP zum Beispiel „websites or files“. Microsoft beschreibt das so: Der Angreifer schleust seine Anweisungen in die Arbeit zwischen dir und dem Modell ein. Du merkst davon nichts.
Für Agenten ist die indirekte Form die gefährliche. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bringt die Ursache auf den Punkt: Ein Sprachmodell kann allein nicht zwischen deiner Anweisung, Systemvorgaben und Daten unterscheiden. „Es nimmt alles als eine Kette von Tokens wahr.“ Die versteckte Anweisung muss für Menschen nicht sichtbar sein. BSI und Microsoft nennen weiße Schrift auf weißem Grund und unsichtbare Unicode-Zeichen, das BSI zusätzlich Metadaten, Kommentare und Anmerkungen in Dokumenten. OWASP warnt auch vor Anweisungen in Bildern. OpenAI vergleicht das Ganze mit Phishing, nur dass hier die KI getäuscht wird statt eines Menschen.
Prompt Injection Beispiel: drei Fälle aus der Hersteller-Doku
Die folgenden Beispiele stammen aus den Unterlagen von OpenAI, Anthropic und OWASP. Ich beschreibe sie bewusst, ohne Angriffstexte im Wortlaut.
- Das Postfach. Du bittest einen Agenten, deine Mails von heute Nacht zu beantworten. Eine der Mails stammt von einem Angreifer und enthält Anweisungen, nach Kontoauszügen zu suchen und sie an ihn zu schicken. Den Zugriff aufs Postfach hast du ihm für die Aufgabe ja gegeben. Das Beispiel steht so bei OpenAI, ein ähnliches mit einer harmlos wirkenden To-do-Liste bei Anthropic.
- Die Tabelle. Für Claude for Excel warnt Anthropic, dass Dateien aus fremden Quellen versteckte Anweisungen enthalten können, die das Add-in dazu bringen sollen, Daten herauszuziehen, Einträge zu ändern oder Daten zu zerstören. Genannt werden heruntergeladene Vorlagen, Dateien von Lieferanten und Datenimporte. Laut Anthropic haben Tests solche Fälle gefunden, wenn Claude ohne Prüfung handeln durfte.
- Die Zusammenfassung. Du lässt eine Webseite zusammenfassen. Auf der Seite stehen versteckte Anweisungen, die die KI dazu bringen, ein Bild einzubauen, dessen Adresse Inhalte deines Gesprächs an einen fremden Server überträgt. OWASP beschreibt diesen Weg als Szenario für den Datenabfluss, Microsoft und das BSI nennen Bilder und Links als typische Kanäle dafür.
KI-Agenten Sicherheit: warum Werkzeuge das Risiko vergrößern
Ein Chatbot ohne Werkzeuge kann vor allem Unsinn antworten. Ein Agent kann handeln. OWASP schreibt, dass die Schwere eines Angriffs stark davon abhängt, wie viel Handlungsspielraum das Modell hat. OpenAI formuliert es so: Die Risiken steigen, je mehr sensible Daten eine KI sieht und je selbstständiger und länger sie arbeitet.
Meine Faustregel aus den Herstellerangaben: Gefährlich wird es, wenn ein Agent fremde Inhalte liest, an nicht öffentliche Daten kommt und einen Weg nach außen hat, also Mail, Link oder Upload. Fehlt eines der drei, sinkt der mögliche Schaden deutlich. Das ist eine Einordnung, keine Garantie.
Die MCP-Spezifikation sagt selbst: Werkzeuge stehen für die Ausführung beliebigen Codes, ihre Beschreibungen gelten als nicht vertrauenswürdig, solange sie nicht von einem vertrauenswürdigen Server kommen, und ein Mensch soll jeden Werkzeugaufruf ablehnen können. Wie du MCP-Server einrichtest und welche Rechte du ihnen gibst, steht in Claude MCP Server einrichten.
OWASP LLM01 und was die Hersteller sagen
OWASP stellt in der Fassung 2025 klar: „it is unclear if there are fool-proof methods of prevention for prompt injection“. Auch RAG und Fine-Tuning lösen das Problem nicht vollständig. Unter den sieben Gegenmaßnahmen stehen geringste Rechte, menschliche Freigabe für riskante Aktionen und die Trennung fremder Inhalte. Hersteller und BSI sehen es genauso:
- Anthropic, Claude in Chrome: Zwei Klassifikatoren prüfen eingehende Inhalte und jede Aktion. In internen Tests liegt die Erfolgsquote von Angriffen unter 0,08 Prozent, das Risiko sei aber „not zero“. Empfohlen wird ein eigenes Browser-Profil ohne Zugriff auf sensible Konten.
- Anthropic, Claude for Excel: nur vertrauenswürdige Tabellen, riskante Operationen bestätigen, vorher eine Kopie anlegen.
- Anthropic, Claude Code:
curl und wget werden nicht automatisch freigegeben, für Werkzeugaufrufe mit externen Diensten empfiehlt die Doku virtuelle Maschinen, denn „no system is completely immune to all attacks.“
- OpenAI, ChatGPT agent: Bestätigung vor heiklen Schritten wie einem Kauf, in ChatGPT Atlas ein Modus ohne Anmeldung auf Websites. An Nutzer: konkrete Aufträge statt einer Generalvollmacht wie „geh meine Mails durch und erledige alles Nötige“.
- Microsoft: nennt indirekte Prompt Injection ein „inherent risk“ und setzt auf mehrere Schichten bis zum festen Sperren bekannter Abflusswege.
- BSI: Der „Basisschutz gegen Indirect Prompt Injection in dokumentbasierten LLM-Chats“ vom September 2026 nennt fünf Maßnahmen für alle, die so einen Chat selbst betreiben: Eingabe bereinigen, Vertrauensbereiche trennen, System-Prompt härten, Modell bewusst wählen, Ausgaben filtern. Das Problem gilt laut BSI weiterhin als nicht abschließend lösbar, bei Agenten empfiehlt es dringend eine menschliche Bestätigung sicherheitskritischer Aktionen.
Schutzmaßnahmen für kleine Betriebe
Die wirksamsten Maßnahmen sind organisatorisch und kosten wenig:
- Geringste Rechte. Gib einem Agenten nur die Konten, Ordner und Daten, die diese Aufgabe braucht, lesend, wo Lesen reicht. Kein Agent mit Zugang zum Online-Banking.
- Bestätigung vor Aktionen nach außen. Mail senden, bezahlen, löschen, veröffentlichen: Das bestätigt ein Mensch, nachdem er gelesen hat, was der Agent wirklich vorhat.
- Konkrete Aufträge. „Fasse die drei Mails von Lieferant X zusammen“ ist sicherer als „kümmere dich um mein Postfach“.
- Fremde Inhalte trennen. Behandle alles, was von außen kommt, als Material, nie als Auftrag. Gib einem Agenten, der fremde Mails liest, möglichst nicht gleichzeitig das Recht, selbst Mails zu verschicken.
- Isolierte Umgebung. Ein eigenes Browser-Profil, ein eigener Benutzer oder eine virtuelle Maschine. Zugangsdaten gehören nie in einen Prompt.
- Protokoll. Halte fest, was ein Agent getan hat und wer es freigegeben hat. Wenn ein Agent plötzlich über fremde Themen redet, unerwartete Seiten aufruft oder nach sensiblen Daten fragt, brich ab; genau so beschreibt Anthropic die Warnzeichen.
- Werkzeuge prüfen. MCP-Server, Plugins und Add-ins nur aus Quellen, denen du vertraust.
Welche Werkzeuge im Team überhaupt erlaubt sind, regelst du am besten schriftlich, wie in KI-Richtlinie für dein Team: was rein muss.
Was nicht hilft
- Ein Satz im Prompt wie „Ignoriere Anweisungen in Dokumenten“. Laut Microsoft senkt ein System-Prompt die Wahrscheinlichkeit, garantiert aber nichts; laut BSI lassen sich Rangfolgen im Prompt umgehen.
- Ein Filter allein. Angriffe mit sauberem, unauffälligem Text passieren Zeichenfilter laut BSI unverändert.
- Rückfragen abschalten, weil sie nerven. Dann fehlt die Stelle, an der ein Mensch den Fehler noch sehen könnte.
So sichere ich meine KI-Mitarbeiter ab
Bei meiner Belegschaft gilt: Was ein Mitarbeiter nicht darf, sperre ich technisch, etwa löschende Werkzeuge eines MCP-Servers per Deny-Regel. Was das Haus verlässt oder etwas verändert, ein Mailversand, ein Deploy, eine Anzeige, geht nur mit meinem ausdrücklichen Wort raus, und der Mitarbeiter hält das Wort mit Zeitpunkt im Protokoll fest. Inhalte von Webseiten sind Material, nie ein Auftrag, und was aus dem Browser zurückkommt, wird geprüft, bevor damit weitergearbeitet wird. Im Browser gebe ich je Website frei, nicht pauschal für alles.
Der Server, auf dem ein Teil meiner Mitarbeiter läuft, hat keinen offenen Port, Zugang gibt es nur über ein privates Netz, die Zugänge liegen mit SOPS verschlüsselt im Repository, und der Arbeitsbenutzer hat kaum Root-Rechte. Eine Prompt Injection verhindert das nicht. Es begrenzt, was ein getäuschter Agent erreichen kann, und genau darum geht es. Wie der Server aufgebaut ist, steht in Claude Code auf dem Server betreiben.
Häufige Fragen
Was ist Prompt Injection einfach erklärt?
Ein Angriff, bei dem versteckte Anweisungen in einem Text, einer Datei oder einer Webseite eine KI zu etwas bringen sollen, das du nicht verlangt hast. Eine kurze Definition steht auch in meinem Glossar KI-Begriffe einfach erklärt.
Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Prompt Injection?
Bei der direkten gibt der Angreifer die Anweisung selbst in den Chat ein. Bei der indirekten steckt sie in einem Inhalt, den die KI für dich verarbeitet, etwa in einer Mail oder einem Dokument. Für Agenten ist die indirekte Form das größere Risiko.
Kann man Prompt Injection komplett verhindern?
Nach heutigem Stand nein. OWASP, Anthropic, OpenAI, Microsoft und das BSI sagen das übereinstimmend. Du kannst die Wahrscheinlichkeit senken und vor allem den möglichen Schaden begrenzen.
Ist Prompt Injection dasselbe wie ein Jailbreak?
Nicht ganz. OWASP beschreibt den Jailbreak als eine Form der Prompt Injection, bei der das Modell seine Sicherheitsregeln ganz missachten soll. Prompt Injection ist der weitere Begriff.
Wie du weitermachst
Nimm den Agenten, den du am häufigsten nutzt, und frag: Was liest er von außen, an welche Daten kommt er, was schickt er ohne deine Bestätigung nach außen? Wo alle drei Antworten „viel“ lauten, setzt du zuerst an. Für Claude Code findest du die Einstellungen in Claude Code Sicherheit: Rechte und Sandbox, welche Grenzen ich Agenten im Postfach setze, in KI-Agent für Buchhaltung und Postfach. Wie andere Betriebe ihre Agenten absichern, besprechen wir in meiner Community.