Blog › KI-Grundlagen · 27. Oktober 2026 · 15 Min. Lesezeit

KI-Begriffe einfach erklärt: das Glossar

Grafische Titelkarte zum Beitrag „KI-Begriffe einfach erklärt: das Glossar“ mit einem stilisierten Motiv: ein aufgeschlagenes Register mit Buchstabenreitern von A bis Z, aus dem einzelne Karteikarten herausragen.
Grafik: HumanITy

KI-Begriffe wie Token, Kontextfenster, LLM, Prompt oder Agent beschreiben, woraus ein KI-Werkzeug besteht und wie es arbeitet. In diesem Glossar erkläre ich die 40 wichtigsten Begriffe für Einsteiger, alphabetisch und jeden in wenigen Sätzen. Wo es einen ausführlichen Beitrag gibt, führt ein Link dorthin.

Ich arbeite jeden Tag mit Claude. Meine vierzehn KI-Mitarbeiter laufen auf Claude Team, manche auch auf offenen Modellen oder über die API. Alle Grundlagen zu KI sammle ich auf der Seite KI-Grundlagen.

So hängen die Begriffe zusammen

Viele Begriffe beschreiben denselben Ablauf aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein Beispiel: Du tippst eine Frage in ChatGPT oder Claude, das ist dein Prompt. Ein Tokenizer zerlegt ihn in Tokens. Das LLM sieht diese Tokens zusammen mit dem Systemprompt in seinem Kontextfenster und erzeugt daraus Token für Token eine Antwort, das heißt Inferenz. Weiß es die Antwort nicht, rät es vielleicht, und dann entsteht eine Halluzination. Was hinter dem Oberbegriff künstliche Intelligenz steckt, erkläre ich in einem eigenen Beitrag.

Die Begriffe von A bis Z

Agent (KI-Agent)

Ein KI-Agent ist eine KI, die ein Ziel bekommt und den Weg dorthin selbst geht, mit Werkzeugen wie Websuche, Dateien oder anderen Programmen. Mehr in Was ist ein KI-Agent? Einfach erklärt und im Vergleich KI-Agent, Chatbot oder Assistent?.

API

API steht für Application Programming Interface, auf Deutsch Programmierschnittstelle. Über sie reden zwei Programme direkt miteinander, etwa wenn eine Software ein KI-Modell anfragt, ohne dass jemand ein Chatfenster öffnet. Mehr in Was ist eine API?.

CLAUDE.md

Eine Textdatei mit dauerhaften Anweisungen, die Claude Code zu Beginn jeder Sitzung liest. Was davon auch in anderen Werkzeugen funktioniert, steht in CLAUDE.md vs AGENTS.md: was überlebt.

Compaction

Compaction heißt Verdichtung: Wird das Kontextfenster voll, fasst ein Werkzeug wie Claude Code das bisherige Gespräch automatisch zusammen. Anweisungen, die nur im Chat standen, können dabei verloren gehen.

Context Engineering

Anthropic versteht darunter alle Strategien, mit denen man auswählt und pflegt, welche Informationen ein Modell im Kontext hat. Es ist die Weiterentwicklung des Prompt Engineering: Nicht nur der Prompt zählt, sondern alles, was im Kontextfenster landet.

Embedding

Ein Embedding verwandelt Text in eine lange Liste von Zahlen. Texte mit ähnlicher Bedeutung bekommen ähnliche Zahlen, deshalb kann ein Programm damit nach Bedeutung suchen statt nach genauen Wörtern. Genutzt wird das zum Beispiel für die Suche in RAG-Systemen.

Fine-Tuning

Beim Fine-Tuning wird ein fertig trainiertes Modell mit zusätzlichen eigenen Daten weitertrainiert, damit es deren Muster und Stil übernimmt. Die Claude API bietet das laut Anthropic derzeit nicht an.

Generative KI

Generative KI erzeugt neue Inhalte: Texte, Bilder, Musik oder Code. Große Sprachmodelle sind ein Beispiel dafür, Bildgeneratoren ein anderes. Wie sie sich von agentischer KI unterscheidet, steht in Agentische KI: was das ist und was nicht. Beispiele und Grenzen stehen in Generative KI einfach erklärt.

Halluzination

Eine Halluzination ist eine KI-Antwort, die überzeugend klingt, aber falsch oder erfunden ist, etwa eine Quelle, die es nicht gibt. Das passiert laut Anthropic auch den besten Modellen. Woher das kommt und was dagegen hilft, erkläre ich in meinem Beitrag über KI-Halluzinationen.

Hook

Eine Aktion, meist ein Befehl, die Claude Code an einem festen Punkt im Ablauf selbst ausführt, zum Beispiel vor jeder Dateiänderung. Mehr in Claude Code Hooks: Regeln, die immer gelten. Alle Bausteine im Vergleich: Claude Code Erweiterungen: was ist was?.

Inferenz

Inferenz ist das Benutzen eines fertig trainierten Modells: Du stellst eine Frage, das Modell rechnet die Antwort aus. Training passiert vorher beim Hersteller, Inferenz bei jeder einzelnen Anfrage.

KI-Kennzeichnungspflicht

Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 der KI-Verordnung der EU. Wer KI im Betrieb nutzt, muss vor allem Deepfakes offenlegen und KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse, die kein Mensch redaktionell geprüft hat; die maschinenlesbare Markierung von KI-Inhalten ist Sache der Anbieter. Mehr in KI-Kennzeichnungspflicht: was ab wann gilt.

KI-Mitarbeiter

So nenne ich eine KI-Rolle mit Name, Aufgabenbereich, Gedächtnis und Regeln, die dauerhaft für dich arbeitet. Das ist meine Einteilung, kein Fachbegriff der Hersteller. Mehr in Was ist ein KI-Mitarbeiter?.

KI-Modell

Ein KI-Modell ist der Rechenkern einer KI: die beim Training gelernten Parameter und der Bauplan, nach dem damit gerechnet wird. Es ist nicht dasselbe wie die App, in der du chattest. Mehr in Was ist ein KI-Modell?.

KI-Modus (Google)

Der KI-Modus ist ein eigener Bereich der Google Suche: Du stellst Fragen in ganzen Sätzen und bekommst statt einer Linkliste eine ausformulierte Antwort mit Links zu den Quellen. Zusammengefasst wird sie von einem Gemini-Modell.

KI-Richtlinie

Eine KI-Richtlinie ist die schriftliche Hausregel, wie dein Team KI-Werkzeuge nutzt: welche erlaubt sind, welche Daten hinein dürfen und wer Ergebnisse prüft. Für ein kleines Team reichen eine bis zwei Seiten. Eine Vorlage steht in KI-Richtlinie für dein Team.

Kontext und Kontextfenster

Kontext ist alles, was eine KI in einem Moment vor sich hat: deine Nachrichten, ihre Antworten, Dateien und Anweisungen. Das Kontextfenster ist der Platz dafür, gemessen in Tokens. Anthropic nennt es das Arbeitsgedächtnis des Modells. Ausführlich in Kontext und Kontextfenster bei KI.

LLM (großes Sprachmodell)

LLM steht für Large Language Model, auf Deutsch großes Sprachmodell. Es wurde mit riesigen Textmengen trainiert und kann Texte schreiben, Fragen beantworten und zusammenfassen. Hinter ChatGPT, Claude und Gemini steckt jeweils ein solches Modell. Wie es arbeitet, erkläre ich in Wie funktioniert ein LLM?.

Lokale KI

Lokale KI heißt, ein Sprachmodell auf eigener Hardware zu betreiben statt über einen Cloud-Dienst. Mehr in Lokale KI: was 2026 wirklich geht.

Machine Learning

Machine Learning, auf Deutsch maschinelles Lernen, heißt: Eine Software lernt aus Beispielen, statt dass ein Mensch jede Regel von Hand einprogrammiert. Auch die Sprachmodelle hinter ChatGPT und Claude sind so entstanden. Mehr in Machine Learning einfach erklärt.

MCP (Model Context Protocol)

MCP ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen wie Claude oder ChatGPT an Datenquellen und Werkzeuge andocken. Die Entwickler vergleichen ihn mit einem USB-C-Anschluss für KI. Ein Programm, das so etwas anbietet, heißt MCP-Server, mehr in Claude MCP Server einrichten.

Multimodal

Ein multimodales Modell versteht oder erzeugt mehr als eine Art von Inhalt, zum Beispiel Text und Bilder. Claude kann etwa Fotos, Screenshots und PDFs lesen.

Open-Weight-Modell

Ein Modell, dessen Gewichte, also die gelernten Parameter, du herunterladen und selbst betreiben kannst. Ob du es kommerziell nutzen darfst, entscheidet die Lizenz. Einen Überblick gibt Open-Source-KI-Modelle 2026 im Vergleich. Die Lizenzen erkläre ich in Open Weight vs. Open Source: Lizenzen erklärt.

Parameter

Parameter sind die Zahlenwerte, die ein Modell beim Training lernt. Ihre Anzahl gibt die Größe eines Modells an, heute oft viele Milliarden. Je mehr Parameter, desto mehr Speicher braucht das Modell in der Regel.

Plugin

Ein Paket, das mehrere Bausteine für Claude Code wie Skills, Hooks und MCP-Server auf einmal installiert. Mehr in Claude Code Plugins: installieren und bauen. Alle Bausteine im Vergleich: Claude Code Erweiterungen: was ist was?.

Prompt

Ein Prompt ist der Text, den du einer KI gibst, damit sie etwas tut: eine Frage, eine Anweisung oder ein ganzes Dokument. Vorlagen findest du in Claude Prompts auf Deutsch: Vorlagen.

Prompt Injection

Bei einer Prompt Injection stecken versteckte Anweisungen in einer Datei, Webseite oder E-Mail, die die KI zu etwas bringen sollen, das du nie verlangt hast. Wie Claude Code sich schützt, steht in Claude Code Sicherheit: Rechte und Sandbox.

RAG (Retrieval Augmented Generation)

Bei RAG sucht ein System zuerst passende Stellen in deinen Dokumenten und gibt sie dem Modell mit deiner Frage. So antwortet die KI mit Wissen außerhalb ihres Trainings und kann Quellen nennen. Ein Praxisbeispiel steht in KI-Wissensdatenbank aus Calls. Den Begriff erkläre ich in RAG-System einfach erklärt.

Reasoning-Modell

Ein Modell, das vor der Antwort erst in eigenen Worten nachdenkt: Es zerlegt die Frage, probiert Wege aus und prüft Zwischenergebnisse. Bei Claude heißt das Thinking. Das dauert länger, hilft aber bei Rechnungen, Code und kniffligen Aufgaben.

Skill

Eine Datei SKILL.md mit Anweisungen oder einem Ablauf, die Claude bei Bedarf lädt. Mehr in Claude Subagents, Skills und Agents. Alle Bausteine im Vergleich: Claude Code Erweiterungen: was ist was?.

Slash-Befehl

Ein Befehl, den du in Claude Code mit einem Schrägstrich eintippst, etwa /clear für ein frisches Gespräch oder /compact für eine Verdichtung. Die wichtigsten stehen in meiner Übersicht der Claude Code Befehle.

Subagent

Ein Helfer mit eigenem Kontextfenster, der eine Teilaufgabe erledigt und nur eine Zusammenfassung zurückgibt. Mehr in Claude Code Subagents: Best Practices. Alle Bausteine im Vergleich: Claude Code Erweiterungen: was ist was?.

Systemprompt

Der Systemprompt sind Anweisungen, die vor deinem Gespräch stehen und Rolle, Ton und Regeln der KI festlegen. In Chat-Apps schreibt ihn der Anbieter, über die API oder in eigenen Assistenten schreibst du ihn selbst.

Temperatur

Die Temperatur steuert, wie zufällig ein Modell seine Wörter wählt. Niedrig heißt vorhersehbar und nah an der wahrscheinlichsten Antwort, hoch heißt abwechslungsreicher. Selbst bei Temperatur 0 sind die Antworten laut Anthropic nicht völlig gleich.

Token

Ein Token ist ein Stück Text, zum Beispiel ein Wort oder Wortteil, in das eine KI jeden Text zerlegt. Mit Krypto-Token hat das nichts zu tun. Kontextfenster und Antwortlänge werden in Tokens gemessen.

Training

Im Vortraining liest ein Modell riesige Textmengen und lernt, das nächste Wort vorherzusagen. Im Nachtraining lernt es, Anweisungen zu folgen und hilfreich zu antworten, unter anderem mit Rückmeldungen von Menschen. Erst danach ist es ein Assistent wie Claude oder ChatGPT.

Transformer

Der Transformer ist der Bauplan, nach dem heutige Sprachmodelle aufgebaut sind. Forscher bei Google haben ihn 2017 vorgestellt. Sein Kern ist ein Mechanismus, mit dem jedes Token auf die anderen Tokens im Kontext achten kann.

Vibe Coding

Vibe Coding heißt, eine KI Software schreiben zu lassen und ihren Code zu übernehmen, ohne ihn zu lesen. Für Prototypen taugt das, für Software mit Kundendaten nur mit Prüfung. Mehr in Vibe Coding: was es ist und für wen es taugt.

Wissensstand

Der Wissensstand, englisch Knowledge Cutoff, ist der Zeitpunkt, bis zu dem ein Modell am besten Bescheid weiß. Was danach passiert ist, kennt es nur, wenn es im Web sucht oder du es ihm mitgibst.

Workflow

Ein Workflow ist ein fester Arbeitsablauf: Schritte, die bei einem bestimmten Anlass immer in derselben Reihenfolge passieren. Anders als ein KI-Agent folgt er einem Weg, den vorher jemand gebaut hat. Mehr in Was ist ein Workflow?.

Worauf du achten solltest

  • Dasselbe Wort, verschiedene Bedeutungen. „Agent“ oder „Assistent“ benutzt jeder Anbieter etwas anders. Prüf, was das Produkt konkret tut.
  • Begriffe altern schnell. Modellnamen und Funktionen ändern sich alle paar Monate. Stand dieses Glossars ist Oktober 2026.
  • Nicht jedes Wort ist ein Fachbegriff. Manche Wörter sind Marketing oder die Einteilung einzelner Leute, auch meine, etwa „KI-Mitarbeiter“.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen KI, LLM und ChatGPT?

KI ist der Oberbegriff. Ein LLM ist eine bestimmte Art von KI, die mit Sprache arbeitet. ChatGPT ist ein Produkt, also die App, in der du mit einem LLM von OpenAI chattest.

Welche Begriffe sollte ich als Anfänger zuerst kennen?

Fang mit Prompt, Token, Kontextfenster, LLM und Halluzination an. Mit diesen fünf verstehst du, was beim Chatten passiert und warum eine KI manchmal danebenliegt.

Wie aktuell ist dieses Glossar?

Die Erklärungen geben den Stand Oktober 2026 wieder und stützen sich auf die Dokumentation der Hersteller. Wenn sich ein Begriff wesentlich ändert, passe ich den Eintrag an.

Warum stehen hier auch Begriffe aus Claude Code?

Weil viele Einsteiger nach dem Chat als Nächstes Claude Code ausprobieren und dort auf Wörter wie Skill, Hook oder Plugin stoßen. Diese Einträge sind bewusst kurz und verweisen auf die ausführlichen Beiträge.

Wie du weitermachst

Wenn du gerade erst mit KI anfängst, lies zuerst, was du als Anfänger beachten solltest. Danach lies, wie ein LLM funktioniert: Dort siehst du viele dieser Begriffe im Zusammenhang. Wie andere die Begriffe im Alltag anwenden, besprechen wir in meiner deutschsprachigen Community Claude Practitioners.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus vierzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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