Vibe Coding heißt: Du beschreibst einer KI in normaler Sprache, was ein Programm tun soll, und übernimmst den Code, den sie schreibt, ohne ihn selbst zu lesen. Du prüfst nur, ob das Ergebnis funktioniert. Für Prototypen und kleine Helfer ist das ein schneller Weg, für alles mit Kundendaten, Zahlungen oder Passwörtern fehlt dabei die Prüfung, ob der Code auch sicher ist.
Ich bin Entwickler und schreibe trotzdem seit anderthalb Jahren keine Zeile Code mehr selbst. Meine vierzehn KI-Mitarbeiter laufen auf Claude Team, manche auch auf offenen Modellen oder über die API. Was ich mache, ist trotzdem kein Vibe Coding, und den Unterschied erkläre ich weiter unten. Alle Grundlagen zu KI sammle ich auf der Seite KI-Grundlagen.
Woher der Begriff kommt
„Vibe“ ist Englisch und heißt so viel wie Stimmung oder Gefühl. Geprägt hat den Begriff der KI-Forscher Andrej Karpathy im Februar 2025. Er beschrieb damit „eine neue Art zu programmieren“, bei der man sich ganz dem Gefühl hingibt und vergisst, dass es den Code überhaupt gibt. Code ist der Text in einer Programmiersprache, aus dem ein Programm besteht.
Karpathy schilderte auch, wie das bei ihm aussah: Er klickt immer auf „Accept All“, also „alles übernehmen“, liest die Änderungen nicht mehr und kopiert Fehlermeldungen einfach zurück in den Chat. Der Code wachse über das hinaus, was er ohne längeres Lesen noch verstehe. Sein eigenes Fazit: nicht schlecht für Wegwerf-Projekte am Wochenende.
Der Begriff hat sich schnell verbreitet. Das britische Wörterbuch Collins hat „vibe coding“ zum Wort des Jahres 2025 gewählt und beschreibt es als den Einsatz von KI, die mit natürlicher Sprache angeleitet wird, um Computercode zu schreiben.
Vibe Coding oder Programmieren mit KI: der Unterschied
Nicht jeder Code, den eine KI schreibt, ist Vibe Coding. Der Entwickler Simon Willison zieht die Grenze so: Vibe Coding heißt, Software mit einem Sprachmodell zu bauen, ohne den Code zu prüfen, den es schreibt. Ein Sprachmodell ist das Programm hinter Werkzeugen wie ChatGPT oder Claude, das Text und eben auch Code erzeugt.
Wer den Code der KI liest, testet und einem anderen erklären könnte, macht laut Willison kein Vibe Coding mehr, sondern ganz normale Softwareentwicklung. Dass eine KI dabei hilft, ändert daran nichts.
Womit du Vibe Coding machst
Für Vibe Coding brauchst du kein besonderes Programm. Drei Arten von Werkzeugen sind verbreitet:
- KI-Chats mit Vorschau: Du beschreibst im Chat, was du willst, und siehst das Ergebnis direkt daneben, etwa einen kleinen Rechner oder eine Checkliste.
- Baukästen für Websites und Apps: Du tippst einen Wunsch ein und bekommst eine fertige Seite. Welche es gibt und worauf du achtest, steht in KI-Website-Generatoren im Vergleich.
- Coding-Agenten: Ein Agent ist eine KI, die selbst Dateien anlegt, Befehle ausführt und mehrere Schritte nacheinander geht. Claude Code ist so ein Werkzeug, es läuft zum Beispiel im Terminal, also in einem Textfenster für Befehle. Den Einstieg erkläre ich in Claude Code: Anleitung für Einsteiger. Welche anderen Agenten es gibt, steht in Claude Code Alternativen 2026 im Überblick.
Wofür Vibe Coding taugt
Vibe Coding ist stark, wenn ein Fehler wenig Schaden anrichtet. Willison rät Einsteigern, sich vor jedem Projekt zu fragen, wie viel Schaden der Code anrichten könnte, wenn er Fehler oder Sicherheitslücken hat. Gute Einsätze sind deshalb:
- Prototypen: Du willst sehen, ob eine Idee trägt, bevor du Geld für eine echte Umsetzung ausgibst.
- Kleine Helfer für dich allein: ein Rechner, ein Formular, eine Auswertung einer Tabelle ohne Kundendaten.
- Lernen: Du siehst, was mit Code möglich ist, ohne erst eine Programmiersprache zu lernen.
Ein Beispiel: Eine Tischlerin lässt sich von der KI ein kleines Werkzeug bauen, das aus Breite, Höhe und Plattenmaß ausrechnet, wie viele Platten sie für einen Schrank braucht. Sie probiert es mit drei alten Aufträgen aus, deren Ergebnis sie kennt. Stimmt das, nutzt sie es. Sensible Daten fließen nicht hinein, und läuft es einmal falsch, merkt sie es beim Zuschnitt. Genau das ist der Bereich, für den Vibe Coding gedacht ist.
Wo die Risiken liegen
- Sicherheitslücken: Der Sicherheitsanbieter Veracode testet seit 2025 regelmäßig Code von KI-Modellen, inzwischen von mehr als 100. Laut dem Bericht vom Juli 2026 lässt sich der Code fast immer ausführen, fällt aber in fast 44 Prozent der Fälle durch die Sicherheitstests, wenn die Anweisung keine Sicherheitsvorgaben enthält. Getestet wurden die Modelle allein, ohne Prüfung durch Menschen oder weitere Werkzeuge.
- Geheimnisse: Passwörter und API-Schlüssel, also die Zugangsdaten, mit denen ein Programm einen Onlinedienst nutzt, dürfen nicht im Code oder im Chat landen. Ob sie es tun, siehst du nur, wenn du den Code verstehst.
- Kosten: Willison warnt vor Diensten, die nach Nutzung abrechnen. Ein Fehler, der einen Dienst tausendfach aufruft, kann teuer werden. Was eine API ist und wie solche Aufrufe funktionieren, erkläre ich in Was ist eine API?.
- Wartung: Wenn niemand den Code versteht, kann ihn später auch niemand gezielt reparieren oder erweitern. Karpathy hat genau das selbst beschrieben.
- Verantwortung: Anthropic schreibt in der Sicherheitsdoku zu Claude Code, dass du dafür verantwortlich bist, vorgeschlagenen Code und Befehle vor der Freigabe auf Sicherheit zu prüfen.
Wie ich es mache: bauen lassen, aber prüfen lassen
Auch bei meiner Website schreibe ich den Code nicht selbst. Ralf baut sie, Sebastian schreibt die Beiträge und misst, und Falk sucht die Sicherheitslücken, zu jedem Fund mit Beleg und Fix. Was nach außen geht, gebe ich selbst frei. Die Regel dahinter: Wer etwas erstellt, korrigiert es nicht. Das ist der Unterschied zum Vibe Coding. Ich verzichte nicht auf die Prüfung, ich gebe sie an eine zweite Rolle ab, die den Code nicht geschrieben hat. Wie so eine Prüfung mit Werkzeugen von Anthropic aussieht, steht in Claude Code Review: Kosten, Ablauf, Grenzen. Wie meine Rollen insgesamt verteilt sind, steht in KI-Belegschaft: 14 Mitarbeiter, ein Chef.
Worauf du achten solltest
- Fang klein an. Ein Werkzeug für dich allein, ohne echte Kundendaten.
- Keine Zugangsdaten in den Chat. Passwörter und Schlüssel gehören nicht in den Code und nicht in die Unterhaltung mit der KI.
- Setz ein Ausgabenlimit, wenn ein bezahlter Dienst im Spiel ist.
- Begrenze die Rechte der KI. Ein Coding-Agent sollte nur in dem Ordner arbeiten dürfen, um den es geht. Wie das in Claude Code geht, steht in Claude Code Sicherheit: Rechte und Sandbox.
- Teste mit Fällen, deren Ergebnis du kennst. Wie die Tischlerin mit ihren alten Aufträgen.
- Lass prüfen, bevor andere es nutzen. Willison empfiehlt, vor dem Teilen jemanden mit Erfahrung draufschauen zu lassen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Vibe Coding auf Deutsch?
Wörtlich etwa „Programmieren nach Gefühl“. Gemeint ist, dass du der KI sagst, was du willst, und ihren Code übernimmst, ohne ihn zu lesen. Einen festen deutschen Begriff gibt es nicht, auch im Deutschen sagt man Vibe Coding.
Brauche ich Programmierkenntnisse für Vibe Coding?
Zum Ausprobieren nicht, das ist ja gerade der Reiz. Sobald andere dein Programm nutzen oder Daten darin stecken, brauchst du aber jemanden, der den Code versteht und prüfen kann. Das kannst du selbst sein, eine Fachkraft oder eine zweite KI-Rolle mit klarer Prüfaufgabe.
Ist Vibe Coding sicher?
Für ein privates Werkzeug ohne sensible Daten ist das Risiko klein. Für Software mit Kundendaten, Zahlungen oder Logins nicht, solange niemand den Code prüft. Der Veracode-Bericht zeigt, dass KI-Code ohne Sicherheitsvorgaben in der Anweisung oft durch Sicherheitstests fällt.
Kann ich mit Vibe Coding eine Website bauen?
Ja, eine einfache Seite geht damit. Für eine Website deines Betriebs reicht das Bauen aber nicht: Impressum, Datenschutz, Pflege und Sicherheit bleiben an dir hängen. Die Wege, eine Seite ohne Kosten zu bauen, und ihre Grenzen erkläre ich in Website kostenlos mit KI erstellen: die Wege.
Ist Vibe Coding schlecht?
Nein, es ist ein Werkzeug für einen bestimmten Zweck. Willison schreibt sogar, Vibe Coding sei für Einsteiger der beste Weg zu sehen, was mit Code möglich ist. Schlecht wird es, wenn Wegwerf-Code plötzlich Kundendaten verarbeitet.
Wie du weitermachst
Vibe Coding baut oft auf fremden Diensten auf. Wie Programme miteinander sprechen, erkläre ich in Was ist eine API? Wenn du nicht ein Programm bauen, sondern einen Ablauf verbessern willst, lies, was ein Workflow ist. Wenn du mit Claude Code loslegen willst, helfen dir die wichtigsten 15 Claude Code Befehle. Den Einstieg in das Werkzeug selbst findest du in Claude Code: Anleitung für Einsteiger. Wie andere Selbstständige mit KI bauen und prüfen, besprechen wir in meiner deutschsprachigen Community Claude Practitioners.