ChatGPT Work und Claude Cowork lösen dieselbe Aufgabe: Du gibst eine Arbeit mit klarem Ergebnis ab, etwa eine Präsentation, eine Vergleichstabelle oder eine wiederkehrende Zusammenfassung, und bekommst eine fertige Datei zur Durchsicht zurück. Beide nutzen die Technik ihres Coding-Agenten, Work die von Codex, Cowork die von Claude Code, beide laufen auf Wunsch in der Cloud weiter und können über die Desktop-App auf deinen Rechner zugreifen. Die Unterschiede liegen im Detail: ChatGPT Work steckt laut OpenAI in jedem ChatGPT-Plan bis hinunter zu Free und teilt sich das Kontingent mit Codex, Cowork gibt es nur in bezahlten Claude-Plänen. Cowork führt geplante Aufgaben laut Anthropic in der Cloud aus, ohne dass ein Gerät online ist. Cowork kannst du in Deutschland in jedem bezahlten Plan nutzen. Für Work schließt OpenAIs Doku die EU nicht aus, macht einzelne Funktionen aber von der Region abhängig, ohne die Regionen zu nennen. Die proaktiven Geschwister Dots und Claude Duet sind für Privatabos hier nicht zu haben.
Cowork habe ich selbst genutzt, unter anderem für Präsentationen und für eigene Skills. Heute arbeite ich nur noch in Claude Code, dort läuft meine Belegschaft aus vierzehn KI-Mitarbeitern. ChatGPT Work beschreibe ich aus OpenAIs Doku, Stand 26.10.2026, und kennzeichne, was dort steht und was nicht. Alles zu Claude sammle ich auf der Seite Claude.
Was „delegieren“ bei beiden heißt
Der Unterschied zum Chat ist bei beiden Herstellern derselbe. OpenAI schreibt: „Use Chat when you want an answer, explanation, brainstorm, or short draft. Use ChatGPT Work when you want ChatGPT to complete a task with a clear outcome.“ Anthropic beschreibt Cowork so: „Instead of responding to prompts one at a time, Claude can take on complex, multi-step tasks and execute them on your behalf.“
Delegieren heißt hier also: Ergebnis beschreiben, Quellen und Grenzen nennen, laufen lassen, Ergebnis prüfen. Beide zeigen dir unterwegs, was sie tun, und bei beiden kannst du während der Arbeit die Richtung ändern. Bei Freigaben unterscheiden sie sich: Work fragt laut OpenAI vor wichtigen Aktionen nach, Cowork bietet drei Modi, von „Manually approve“ für jede Aktion über „Automatically approve“ mit einer automatischen Sicherheitsprüfung bis „Skip all approvals“, das Anthropic nur bei vollem Vertrauen empfiehlt. OpenAI empfiehlt ausdrücklich Grenzen wie „use only these sources“ oder „stop before sending anything“. Das ist derselbe Gedanke, mit dem ich meinen KI-Mitarbeitern Aufträge gebe: Ergebnis, Quellen, Grenze, Abnahme.
ChatGPT Work kurz erklärt
ChatGPT Work ist laut OpenAI „a way to delegate real work to ChatGPT“. Du schaltest im Chat oben auf „Work“ um und beschreibst die Aufgabe. Work kann Dateien, Plugins und freigegebene Werkzeuge nutzen, in der Desktop-App auch lokale Dateien, Programme und den Browser. Die Doku nennt als typische Aufgaben Präsentationen, Vergleichstabellen und wiederkehrende Updates. Plugins verbinden Work mit Slack, Google Drive, SharePoint, E-Mail, Kalendern, CRM-Systemen und Projektwerkzeugen. Wie du mit Work oder einem anderen Werkzeug Schritt für Schritt eine Präsentation mit KI erstellst, zeige ich in einem eigenen Beitrag.
Technisch ist Work eng mit Codex verwandt. OpenAI schreibt: „If you have used Codex for non-coding work, you can stay in Codex or use ChatGPT Work instead.“ Beide teilen sich Preise, Credits und Nutzungsgrenzen. In der Desktop-App kannst du je nach Konto wählen, ob eine Aufgabe lokal läuft, mit Zugriff auf deinen Rechner, oder in der Cloud, damit sie weiterläuft, wenn dein Laptop zu ist. Geplante Aufgaben gibt es auch. Brauchen sie lokale Dateien, muss laut Doku der Rechner an und die App offen sein. Aufgaben im Web laufen ohne deinen Rechner, können dann aber nicht in einem Ordner auf deinem Rechner arbeiten.
Claude Cowork kurz erklärt
Cowork nutzt laut Anthropic „the same agentic architecture that powers Claude Code, with no terminal required“. Seit September legt Anthropic Chat und Cowork zu einem Claude zusammen. Mit der neuen Oberfläche wählst du keinen Modus mehr. Solange dein Eingabefeld noch „Chat“ und „Cowork“ zeigt, wählst du „Cowork“. Die Details dazu stehen in Claude Cowork: was es kann und für wen.
Cowork-Aufgaben laufen laut Anthropic in der Cloud, in einer abgeschotteten Umgebung auf Anthropics Servern. Bei Pro und Max gilt das für alle neuen Sitzungen, bei Team ist es standardmäßig an, bei Enterprise schaltet es ein Owner frei. Für lokale Dateien, den Browser und die Computer-Steuerung muss Claude Desktop auf deinem Rechner offen sein. Geplante Aufgaben laufen laut Anthropic „in the cloud, with no device online“. Dazu kommen Projekte mit eigenen Dateien, Anweisungen und Gedächtnis, Teilaufgaben, die parallel laufen, und fertige Excel-Tabellen mit Formeln, Präsentationen und Dokumente.
Die beiden im direkten Vergleich
Die Tabelle fasst zusammen, was die Hersteller am 26.10.2026 dokumentieren.
Für einen Betrieb ohne Entwickler sind zwei Zeilen am wichtigsten. Erstens die Pläne: ChatGPT Work kannst du laut OpenAI auch ohne Bezahlabo ausprobieren, mit GPT-6 Luna und nur in der Desktop-App. Cowork setzt mindestens Pro voraus. Zweitens die geplanten Aufgaben: Wer jeden Montag einen Bericht aus mehreren Quellen will, ohne dass ein Rechner läuft, bekommt das bei Cowork laut Doku ohne Gerät und bei Work über eine Aufgabe im Web, die dann aber nicht in lokalen Ordnern arbeiten kann.
EU-Verfügbarkeit: was belegt ist
Hier lohnt sich ein genauer Blick, weil die Lage je Funktion verschieden ist.
- Claude Cowork: Deutschland steht auf Anthropics Liste der unterstützten Länder, und die Hilfeartikel zu Cowork nennen nur Pläne, keine Länder. Daraus folgt: In bezahlten Plänen kannst du Cowork in Deutschland nutzen. Die Computer-Steuerung ist laut Anthropic eine Beta für Pro und Max.
- ChatGPT Work: Die OpenAI-Doku, die ich abgerufen habe, schließt die EU für Work nicht aus. Sie schreibt aber allgemein: „Features depend on your plan, platform, region, rollout, and workspace settings.“ Der Hilfeartikel zu Work und Codex war beim Abruf nicht zugänglich.
- Computer Use in ChatGPT: laut Doku nur „in supported regions“. Welche Regionen das sind, steht auf der Seite nicht. Ob du es hast, siehst du in deinem Konto.
- OpenAI Dots: In den Pro-Plänen ausdrücklich nur „outside the European Economic Area, United Kingdom, and Switzerland“. Für Business Premium und Enterprise schreibt OpenAI „Rolling out worldwide“, dazu: „You may not see dots immediately, even if your plan is eligible.“ Ob Business Premium in Deutschland buchbar ist, habe ich nicht geprüft.
- Claude Duet: laut Anthropic „available in the US only during the research preview“, nur für Pro und Max, nicht für Team.
Die Faustregel für Oktober 2026: Die Werkzeuge zum Delegieren, Work und Cowork, schließen Deutschland laut Doku nicht aus, einzelne Funktionen von Work hängen aber an der Region. Die proaktiven Agenten, die sich selbst melden, gibt es hier in Privatabos nicht. Bei OpenAI sind die Firmenpläne der einzige Weg, auf dem Dots laut Doku weltweit ausgerollt wird, auch dort schrittweise. Bei Anthropic gibt es keinen solchen Weg.
Der nächste Schritt: Dots und Duet
Work und Cowork warten auf deinen Auftrag. Dots und Claude Duet gehen weiter: Sie laufen dauerhaft, prüfen verbundene Konten selbst und melden sich, wenn etwas deine Entscheidung braucht. Was Duet kann und warum es in Deutschland noch nicht ankommt, steht in Claude Duet: was der proaktive Agent kann. Für das Delegieren im Alltag sind diese Agenten heute noch keine Alternative zu Work oder Cowork, weil sie in Deutschland in Privatabos nicht verfügbar sind.
Welche Datenschutzfragen ein Agent aufwirft, der selbst ins Postfach schaut, habe ich in meinem Beitrag zu Claude Duet und der DSGVO zusammengetragen.
Welches Werkzeug für wen
Meine Einschätzung, als Heuristik:
- Dein Team arbeitet schon in ChatGPT: Dann ist Work der kürzeste Weg, weil es im selben Konto steckt. Wer zusätzlich programmiert, nutzt dasselbe Kontingent für Codex.
- Dein Team arbeitet schon mit Claude: Dann ist Cowork in deinem bezahlten Abo bereits enthalten. Mit der zusammengelegten Oberfläche musst du nicht einmal einen Modus wählen.
- Du willst wiederkehrende Berichte ohne laufenden Rechner: Cowork führt geplante Aufgaben laut Doku ohne Gerät in der Cloud aus. Bei Work geht das über Aufgaben im Web, dann ohne Zugriff auf lokale Ordner.
- Du willst erst ohne Abo testen: Das geht laut OpenAI nur mit Work, mit GPT-6 Luna in der Desktop-App.
- Du arbeitest mit Kundendaten: Dann zählt weniger das Werkzeug als der Vertrag dahinter. Nimm ein Firmenabo und prüf die Voreinstellungen, bevor du Konten verbindest. Zum Datenschutz bei Claude steht alles in Claude Datenschutz und DSGVO: was gilt.
Wenn deine Aufgaben über Dokumente und Tabellen hinausgehen, in Code, Server oder Abläufe mit festen Regeln, ist der Schritt zu Claude Code der nächste. Wo die Grenze zwischen beiden liegt, habe ich in Claude Code oder Cowork: was wofür? beschrieben.
Was beide nicht für dich lösen
Ein Werkzeug zum Delegieren macht aus einer KI noch keinen Mitarbeiter. Ob Work oder Cowork: Ohne klaren Auftrag, ohne festgehaltene Regeln und ohne Abnahme bekommst du beeindruckende Einzelergebnisse und keine verlässliche Entlastung. In dieselbe Richtung zeigt die Doku beider Hersteller, OpenAI mit dem Rat, Ergebnis, Quellen, Grenzen und den Punkt für die Freigabe zu nennen, Anthropic mit Projekten, die eigene Anweisungen und ein eigenes Gedächtnis haben.
Der Ablauf, mit dem ich Rollen definiere, Akten anlege und Probearbeit bewerte, ist werkzeugunabhängig. Er steht in KI-Mitarbeiter einstellen: der Ablauf und hängt nicht daran, ob du Work oder Cowork nutzt.
Häufige Fragen
Gibt es ChatGPT Work in Deutschland?
Die OpenAI-Doku schließt die EU für Work nicht aus, macht Funktionen aber allgemein von Plan, Plattform und Region abhängig. Computer Use gibt es laut Doku nur in unterstützten Regionen, ohne dass OpenAI sie nennt. Ob eine Funktion bei dir freigeschaltet ist, siehst du in deinem Konto.
Ist ChatGPT Work dasselbe wie Codex?
Nicht ganz. Laut OpenAI bringt Work „the technology behind Codex“ in ChatGPT, mit einer Oberfläche für Büroarbeit. Beide teilen sich Preise, Credits und Nutzungsgrenzen. Codex bleibt das Werkzeug für Code, Work das für Dokumente, Tabellen und wiederkehrende Aufgaben.
Kostet Claude Cowork extra?
Nein, Cowork ist in allen bezahlten Claude-Plänen enthalten, ab Pro. Mehrstufige Aufgaben verbrauchen laut Anthropic aber mehr vom Kontingent als eine schnelle Frage, weil jeder Arbeitsschritt Token kostet.
Können Work und Cowork auf Dateien auf meinem Rechner zugreifen?
Ja, beide über ihre Desktop-App, und nur auf Ordner, die du freigibst. Bei Cowork läuft die Aufgabe trotzdem in der Cloud und holt sich über die offene App, was sie braucht. Bei Work wählst du für lokale Arbeit den lokalen Modus, sofern er für dein Konto oder deinen Workspace freigeschaltet ist. In beiden Fällen muss die App laufen, solange die Aufgabe deinen Rechner braucht.
Was ist der Unterschied zu Dots und Claude Duet?
Work und Cowork arbeiten, wenn du einen Auftrag gibst. Dots und Duet laufen dauerhaft, prüfen verbundene Konten von sich aus und melden sich. Für Pro-Pläne schließt OpenAI Deutschland aus. Für Business Premium und Enterprise rollt OpenAI Dots laut Doku weltweit und schrittweise aus. Duet gibt es laut Anthropic bisher nur in den USA.
Wie du weitermachst
Gib dem Werkzeug, das in deinem Abo schon steckt, eine einzige echte Aufgabe aus deiner Woche, mit klarem Ergebnis, festen Quellen und einem Halt vor dem Versand, und bewerte das Ergebnis wie eine Probearbeit. Wie Cowork im Detail funktioniert, steht in Claude Cowork: was es kann und für wen. Wie du den Schritt vom Werkzeug zum KI-Mitarbeiter gehst, zeige ich in KI-Mitarbeiter einstellen: der Ablauf. Und wie andere ihre Aufgaben an Claude abgeben, besprechen wir in meiner deutschsprachigen Community Claude Practitioners.