Das Kontextfenster von Claude Code ist das Arbeitsgedächtnis einer Sitzung: Darin stehen deine Nachrichten, Claudes Antworten, gelesene Dateien, Befehlsausgaben, die CLAUDE.md, Auto Memory, die Beschreibungen deiner Skills und die Systemanweisungen. Die aktuellen Modelle Opus 5.5, Sonnet 5.5, Haiku 5.5 und Fable 5.1 laufen in Claude Code laut Anthropic standardmäßig mit einem Fenster von 1 Million Token. Wird es voll, fasst Claude Code das Gespräch automatisch zusammen, das heißt Compaction; bei diesen Modellen passiert das standardmäßig bei etwa 967.000 Token, und im Terminal seit Version 2.1.299 vom 14.10.2026 auch dann, wenn ein Gespräch ab 200.000 Token rund 54 Minuten ruht. Nach der Compaction lädt Claude Code die CLAUDE.md im Projektordner und Auto Memory frisch von der Platte; Anweisungen, die nur im Chat standen, können verloren gehen. Eine neue Sitzung startet mit frischem Kontext, in den nur CLAUDE.md und Auto Memory automatisch laden; ein altes Gespräch setzt du mit /resume fort. Und weil jede Anfrage das ganze Gespräch mitschickt, kostet eine lange Sitzung mehr von deinem Kontingent, als die einzelne Frage vermuten lässt.
Zwei meiner KI-Mitarbeiter, Conny und Ralf, laufen regelmäßig in langen, zusammenhängenden Sitzungen. Was hier steht, stammt aus der Doku und dem Changelog von Anthropic, abgerufen am 26.10.2026. Um Claudes Gedächtnis in der Chat-App geht es hier nicht; das erkläre ich in Claude Gedächtnis: Memory prüfen und nutzen. Alles zu Claude findest du auf der Seite Claude.
Was im Kontextfenster steht
Anthropic beschreibt den Ablauf einer Sitzung in drei Phasen. Bevor du etwas tippst, laden CLAUDE.md (oder eine AGENTS.md an ihrer Stelle), Auto Memory, die Namen der MCP-Werkzeuge und die Beschreibungen deiner Skills; dazu ein Output Style, falls du einen gesetzt hast. Während Claude arbeitet, kommt jede gelesene Datei dazu, jede Befehlsausgabe, Regeln, die nur für bestimmte Pfade gelten, sobald Claude eine passende Datei anfasst, und die Ausgabe von Hooks. Ein Subagent liest in seinem eigenen Kontextfenster, zurück kommt nur seine Zusammenfassung.
Was ein Baustein kostet, hängt davon ab, wann er lädt:
Was in deiner eigenen Sitzung gerade Platz belegt, zeigt /context: eine Aufschlüsselung nach Kategorien mit Vorschlägen, welche Dateien von CLAUDE.md und Auto Memory geladen sind, und mit /context all die Token je MCP-Werkzeug.
Wie groß das Kontextfenster ist
Laut Anthropic laufen Fable 5.1, Fable 5, Sonnet 5 und neuer, Haiku 5.5 sowie Opus 4.7 und neuer in Claude Code standardmäßig mit 1 Million Token, auch über Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry. Opus 4.6 und Sonnet 4.6 erreichen 1 Million nur über ihre Variante mit dem Zusatz [1m], und ob die in deinem Plan enthalten ist, hängt vom Plan ab. Willst du bewusst bei 200.000 Token bleiben, setzt du CLAUDE_CODE_DISABLE_1M_CONTEXT=1; dann verdichtet Claude Code an dieser Grenze.
Ein großes Fenster heißt nicht, dass du es füllen solltest. Über die API kostet der Bereich über 200.000 Token laut Anthropic den normalen Modellpreis, nur Haiku 5.5 wird bei Prompts über 100.000 Token teurer. Im Abo zahlst du nicht pro Token, aber jede Anfrage zieht aus deinem Kontingent, und eine Anfrage mit 600.000 Token Gesprächsverlauf zieht mehr als eine mit 60.000. Welche Modelle es gibt und wofür ich welches nehme, steht in Claude Modelle: Opus, Sonnet, Haiku, Fable.
Compaction: automatisch, von Hand und im Leerlauf
Compaction ist laut Anthropics Glossar die automatische Zusammenfassung deines Gesprächs, wenn das Kontextfenster an seine Grenze kommt. Sie läuft auf drei Wegen.
Automatisch. Modelle mit 1 Million Token verdichten laut Doku standardmäßig bei etwa 967.000 Token, Sonnet 4.6 und Opus 4.6 ohne [1m] an der Grenze von 200.000. Mit /autocompact legst du einen eigenen Wert fest, zum Beispiel /autocompact 500k; erlaubt sind 100.000 bis 1 Million Token. Claude Code speichert den Wert je Modell in deinen Einstellungen. Für alle Modelle gilt der Eintrag autoCompactWindow in den Einstellungen, für einen einzelnen Start der Schalter --autocompact, in Skripten die Variable CLAUDE_CODE_AUTO_COMPACT_WINDOW. Seit Version 2.1.296 vom 09.10.2026 kann auch ein einzelner Subagent mit autoCompactWindow früher verdichten als das Hauptgespräch.
Von Hand. Mit /compact verdichtest du sofort, am besten mit einem Schwerpunkt, etwa /compact focus on the auth bug fix. Dann behält die Zusammenfassung, was du willst, statt was die Automatik für wichtig hält. Mit /rewind kannst du außerdem nur einen Teil des Gesprächs zusammenfassen, ab oder bis zu einer gewählten Nachricht.
Im Leerlauf. Seit Version 2.1.299 vom 14.10.2026 verdichtet Claude Code im Terminal ein Gespräch ab 200.000 Token, das rund 54 Minuten ruht, bevor der einstündige Prompt-Cache abläuft. Deine nächste Nachricht schickt dann eine Zusammenfassung statt des ganzen Verlaufs. Du erkennst es an einer Zeile, die mit „Compacted while idle, before the prompt cache expired“ beginnt. Die Grenze von 200.000 änderst du mit CLAUDE_CODE_IDLE_COMPACT_MIN_TOKENS (mindestens 100.000), abschalten kannst du die Funktion mit "idleCompaction": false oder seit Version 2.1.302 vom 16.10.2026 in /config. In der VS-Code-Erweiterung und der Desktop-App läuft sie laut Doku nur für Konten, die Anthropic auswählt.
Zwei Dinge zur Compaction selbst: Sie ist laut Doku selbst eine große Anfrage, weil sie das ganze Gespräch liest, das sie zusammenfasst. Willst du ohnehin neu anfangen, kostet /clear nichts. Und füllt eine einzelne riesige Datei oder Ausgabe den Kontext nach jeder Zusammenfassung sofort wieder, hört Claude Code nach einigen Versuchen auf und zeigt einen Fehler, statt endlos zu verdichten.
Was nach der Compaction bleibt
Ob etwas die Compaction übersteht, hängt laut Doku davon ab, wie es geladen wurde:
Daraus folgen drei praktische Regeln. Was immer gelten soll, gehört in die CLAUDE.md im Projektordner, nicht in den Chat. Das Wichtigste in einem Skill steht oben in der SKILL.md, weil beim Kürzen der Anfang bleibt. Und was die Zusammenfassung behalten soll, kannst du ihr in einem Abschnitt „Compact Instructions“ in der CLAUDE.md mitgeben.
Was jede neue Sitzung lädt: CLAUDE.md und Auto Memory
Jede Sitzung beginnt laut Anthropic mit einem frischen Kontextfenster. Automatisch laden beim Start nur zwei Quellen, und beide laufen danach in jeder Anfrage mit:
- CLAUDE.md, die Anweisungen, die du schreibst: Claude Code lädt jede Datei, die beim Start greift, ganz, solange sie nicht größer als 4 MiB ist.
- Auto Memory, die Notizen, die Claude selbst schreibt: Davon lädt nur der Anfang der Datei
MEMORY.md, die ersten 200 Zeilen oder 25 KB. Die Detaildateien liest Claude nur bei Bedarf. Auto Memory ist in lokalen Sitzungen standardmäßig an.
Beide lädt Claude Code nach einer Compaction frisch von der Platte. Welche Dateien gerade geladen sind, zeigt /context, öffnen und bearbeiten kannst du sie mit /memory. Wichtig für die Erwartung: Beides ist laut Anthropic Kontext, keine erzwungene Einstellung. Was in jedem Fall gelten muss, setzt du mit einem PreToolUse-Hook durch; ohne verwaltete Einstellungen und ohne Team- oder Enterprise-Anmeldung kann ein installierter Mod einen Hook-Block allerdings überstimmen, Details in Claude Code Hooks: Regeln, die immer gelten. Wie CLAUDE.md und AGENTS.md zusammenspielen, steht in CLAUDE.md vs AGENTS.md: was überlebt.
Ein altes Gespräch ist mit einer neuen Sitzung nicht verloren: Mit /resume setzt du es fort, und dann steht sein Verlauf wieder im Kontext. Genau das kann ins Kontingent gehen, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Kontext und Limits: warum lange Sitzungen ins Kontingent gehen
Claude Code ist laut Anthropic in allen bezahlten Plänen enthalten und zieht aus demselben Kontingent wie der Chat. Die Limits hängen vom Tarif ab: Bei Pro und Max gibt es ein rollierendes Fünf-Stunden-Fenster und Wochenlimits. Ultra hat für verifizierte Konten kein Fünf-Stunden-Limit, dort gilt das Wochenlimit; bei nicht verifizierten Konten kann vorübergehend ein zusätzliches Limit gelten. Eine feste Zahl an Nachrichten nennt Anthropic nicht, weil auch die Länge der Gespräche zählt (Anthropic zu Ultra, Stand: 31.10.2026).
Genau dort wirkt der Kontext. Laut Doku schickt Claude Code mit jeder Anfrage das ganze Gespräch, und nach jedem Werkzeugaufruf eine weitere Anfrage mit den Ergebnissen. Dank Prompt-Cache liest es den Verlauf zum günstigeren Cache-Preis, aber: „a one-line question in a session that has been open all day still draws usage for the whole conversation“. Nach einer Pause, die länger ist als die Lebensdauer des Caches, verarbeitet die erste Nachricht den ganzen Kontext neu. Geplante Aufgaben, Nachrichten aus anderen Sitzungen, Subagents und Workflows schicken ebenfalls eigene Anfragen.
Anthropic hat im Oktober zwei Dinge dafür nachgerüstet. Die Idle Compaction vom 14.10.2026 verdichtet ein ruhendes Gespräch, bevor der Cache abläuft. Und seit Version 2.1.304 vom 19.10.2026 warnt Claude Code auf Pro und Max, wenn das Fortsetzen eines alten Gesprächs einen spürbaren Teil des Fünf-Stunden-Limits kosten würde: Du kannst trotzdem fortsetzen oder neu anfangen, und Claude kann das alte Gespräch nachschlagen, wenn du dich darauf beziehst.
Wo du stehst, zeigt /usage: auf Pro, Max, Team und Enterprise mit Balken für die Planlimits und einer Aufschlüsselung, die für Verhalten ab 10 Prozent deiner jüngsten Nutzung eine Änderung empfiehlt, etwa bei langem Kontext oder Cache-Fehlschlägen. Dauerhaft sichtbar wird das in der Statusline: Auf Pro und Max bekommt sie die Auslastung des Fünf-Stunden- und des Wochenlimits sowie die Kontextauslastung als Felder. Wie du das einrichtest, steht in meiner Anleitung zur Claude Code Statusline.
/compact oder /clear: was wann?
Die kurze Antwort: /compact fasst das bisherige Gespräch zusammen, und du arbeitest an derselben Aufgabe weiter. /clear beginnt ein neues Gespräch mit leerem Kontext; laut Doku bleibt dabei das Projektgedächtnis erhalten: CLAUDE.md und Auto Memory lädt auch das neue Gespräch, wie oben unter „Was jede neue Sitzung lädt“ beschrieben. Anthropic formuliert die Grenze selbst: Willst du Platz schaffen und dasselbe Gespräch fortsetzen, nimm /compact statt /clear.
Drei Beispiele, so ausgedacht:
- Fehler behoben, jetzt die Doku. Du hast einen Fehler im Login repariert und willst als Nächstes die README überarbeiten. Das hat mit dem Login nichts zu tun, also
/clear. Willst du später zurück, gib dem alten Gespräch vorher mit /rename einen Namen oder nutze direkt /clear login-fix; laut Doku landet der Name dann in der Auswahl von /resume.
- Mitten im Umbau. Du stellst ein Modul um, drei Schritte fehlen noch, und
/context zeigt einen vollen Verlauf. Hier /compact focus on the remaining steps and the files changed so far, dann bleibt der Plan erhalten.
- Der dritte Anlauf. Claude baut denselben Fehler zum dritten Mal ein. Die Doku rät in diesem Fall nicht zu
/compact, sondern zu /clear und einem neuen, genaueren Prompt, der das Gelernte schon enthält. Laut Anthropic schlägt eine saubere Sitzung mit besserem Prompt fast immer eine lange Sitzung voller Korrekturen.
Zwei Dinge helfen bei der Entscheidung. Erstens kostet /clear nichts, /compact ist dagegen selbst eine große Anfrage, wie oben beschrieben. Zweitens ist /clear kein Löschen ohne Rückweg: Das alte Gespräch holst du mit /resume zurück, und im selben Claude-Code-Prozess zeigt das Menü von /rewind ganz oben einen Eintrag für die Sitzung vor dem /clear. /reset und /new sind laut Doku andere Namen für /clear.
Sieben Handgriffe für einen schlanken Kontext
/context öfter aufrufen. Es zeigt, was Platz belegt, und schlägt Kürzungen vor.
- Zwischen Aufgaben
/clear. Wann /clear und wann /compact passt, steht im Abschnitt „/compact oder /clear: was wann?“ oben.
- Vor einer langen neuen Aufgabe
/compact mit Schwerpunkt. Die Beispiele dazu stehen im selben Abschnitt.
- Große Lesearbeit an Subagents geben. Die Dateien bleiben in deren Kontext, zurück kommt die Zusammenfassung. Wie ich das aufsetze, steht in Claude Code Subagents: Best Practices.
- Skills, die du nur selbst aufrufst, mit
disable-model-invocation: true versehen. Dann steht ihre Beschreibung nicht in jeder Anfrage; für fremde Skills geht das über skillOverrides in den Einstellungen.
- Plugins sparsam aktivieren. Jedes aktivierte Plugin bringt seine Beschreibungen in jede Sitzung, auch wenn es gerade nichts tut; wie du die Kontextkosten vorher siehst, steht in Claude Code Plugins: installieren und bauen.
- Dauerhafte Regeln in die CLAUDE.md im Projektordner, nicht in den Chat. Nur so überstehen sie die Compaction sicher. Anthropic rät dabei zu weniger als 200 Zeilen.
Häufige Fragen
Wie groß ist das Kontextfenster von Claude Code?
Mit den aktuellen Modellen Opus 5.5, Sonnet 5.5, Haiku 5.5 und Fable 5.1 laut Anthropic 1 Million Token, standardmäßig und ohne Zusatz. Opus 4.6 und Sonnet 4.6 haben ohne die Variante [1m] 200.000 Token. Mit CLAUDE_CODE_DISABLE_1M_CONTEXT=1 bleibst du bei 200.000.
Was passiert, wenn das Kontextfenster voll ist?
Claude Code fasst das Gespräch automatisch zusammen und arbeitet weiter; bei Modellen mit 1 Million Token standardmäßig bei etwa 967.000 Token. Die CLAUDE.md im Projektordner und Auto Memory lädt es danach frisch, Anweisungen aus dem Chat können verloren gehen.
Übersteht meine CLAUDE.md eine Compaction?
Die CLAUDE.md im Projektordner ja: Claude Code lädt sie danach frisch von der Platte. CLAUDE.md-Dateien in Unterordnern und Regeln mit paths: kommen erst wieder, wenn Claude eine passende Datei anfasst. Anweisungen, die nur im Chat standen, bleiben nur, soweit die Zusammenfassung sie behält.
Was ist Idle Compaction?
Seit Version 2.1.299 vom 14.10.2026 verdichtet Claude Code im Terminal ein Gespräch ab 200.000 Token, das rund 54 Minuten ruht, bevor der einstündige Prompt-Cache abläuft. So muss deine nächste Nachricht nicht den ganzen Verlauf neu verarbeiten. Abschalten geht mit "idleCompaction": false oder in /config.
Kostet ein großes Kontextfenster mehr Nutzung?
Nicht das Fenster, aber sein Inhalt. Claude Code schickt mit jeder Anfrage das ganze Gespräch mit; je länger es ist, desto mehr zieht jede Frage aus deinem Kontingent. Deshalb lohnen sich /clear zwischen Aufgaben und Subagents für große Lesearbeit.
Was ist der Unterschied zwischen /compact und /clear?
/compact fasst das bisherige Gespräch zusammen, und du arbeitest an derselben Aufgabe weiter. /clear beginnt ein neues Gespräch mit leerem Kontext, CLAUDE.md und Auto Memory lädt Claude Code trotzdem. Faustregel aus der Doku: neue, fremde Aufgabe heißt /clear, dieselbe Aufgabe mit langem Verlauf heißt /compact.
Wie du weitermachst
Ruf in deiner nächsten Sitzung einmal /context auf und schau, was beim Start schon geladen ist, bevor du überhaupt etwas tippst. Danach räumst du dort auf, wo es dauerhaft kostet: Skill-Beschreibungen, Plugins, eine zu lange CLAUDE.md. Wie du große Aufgaben aus dem Hauptgespräch heraushältst, steht in Claude Code Subagents: Best Practices. Welche Bausteine wie viel Kontext kosten und wann du welchen nimmst, steht in Claude Code Erweiterungen: was ist was?. Wie andere ihre Sitzungen und KI-Mitarbeiter organisieren, besprechen wir in meiner deutschsprachigen Community Claude Practitioners.