„Claude Agents“ ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Sammelbegriff für fünf Wege, wie Anthropic Claude als Agenten arbeiten lässt, also mit eigenen Arbeitsschritten und Werkzeugen statt nur mit einer Antwort. Für deine eigene Arbeit gibt es Claude Code mit seinen Subagents. Für Entwickler gibt es das Claude Agent SDK, das Claude Code als Bibliothek in eine eigene Python- oder TypeScript-Anwendung holt, und Claude Managed Agents, bei denen Anthropic die Agenten-Schleife samt abgeschotteter Arbeitsumgebung in der Cloud betreibt; Managed Agents ist Stand 26.10.2026 in der Beta. Wer alles selbst steuern will, baut die Schleife direkt auf der Messages API. Und für Endkunden gibt es seit dem 21.10.2026 Claude Duet, einen fertigen Agenten in einer eigenen App, bisher nur per Warteliste in den USA. Welcher Weg passt, hängt an einer Frage: Willst du selbst mit einem Agenten arbeiten, oder soll ein Agent Teil deiner eigenen Software werden?
Ich betreibe meine Belegschaft aus vierzehn KI-Mitarbeitern in Claude Code, also auf dem ersten Weg. Wie du ohne Programmieren einen eigenen Agenten mit Claude baust, steht in KI-Agent mit Claude erstellen: drei Wege. Wie Subagents, Skills und ein ganzer KI-Mitarbeiter in Claude Code zusammenspielen, steht in Claude Subagents, Skills und Agents. Dieser Beitrag ordnet die Entwickler-Angebote von Anthropic ein, die in beiden nicht vorkommen.
Was Anthropic unter einem Agenten versteht
Anthropic trennt in seinem Grundlagentext zu Agenten zwei Dinge. Workflows sind Systeme, in denen ein Sprachmodell und Werkzeuge über vorher festgelegte Pfade im Code laufen. Agenten sind Systeme, in denen das Modell seine Schritte und seinen Werkzeuggebrauch selbst steuert. Im Agent SDK heißt es noch einfacher: Ein Agent ist eine Anwendung, die eine Aufgabe erledigt, indem sie ihre Schritte selbst plant und Werkzeuge aufruft, die Dateien lesen, Befehle ausführen oder Code ändern.
Im selben Text steht der Rat, den ich für den wichtigsten halte: die einfachste mögliche Lösung suchen und die Komplexität nur erhöhen, wenn es nötig ist. Viele Aufgaben, die nach „Agent“ klingen, erledigt ein fester Ablauf zuverlässiger und billiger. Was einen Agenten von einem Chatbot oder einem Workflow unterscheidet, habe ich in Was ist ein KI-Agent? Einfach erklärt ausführlicher aufgeschrieben.
Claude Agents im Überblick: fünf Angebote
Quelle: Anthropics Dokumentation zu Agent SDK und Managed Agents sowie die Duet-Seiten, Stand 26.10.2026. Daneben gibt es in den Claude-Apps Cowork, das seit September 2026 schrittweise im normalen Chat aufgeht; das ist der Agent für Büroarbeit ohne Terminal, beschrieben in Claude Cowork: was es kann und für wen.
Subagents in Claude Code: Agenten für deine eigene Arbeit
Für die meisten Selbstständigen ist das der richtige Startpunkt. Claude Code ist selbst ein Agent: Es plant, liest Dateien, führt Befehle aus und prüft das Ergebnis. Subagents sind spezialisierte Helfer darin, jeder mit eigenem Kontextfenster, eigener Systemanweisung, eigenen Werkzeugrechten und auf Wunsch eigenem Modell. Wichtig für die Kosten: Laut Doku senden Subagents eigene Anfragen, die auf dieselben Nutzungsgrenzen zählen wie dein Hauptgespräch. Laut Doku ist außerdem der Fork-Modus voreingestellt: Claude kann damit selbst Abzweigungen starten, die den bisherigen Gesprächsverlauf erben. Deine eigenen Subagents starten dagegen weiterhin mit leerem Kontext.
Bei mir sind dreizehn der vierzehn Mitarbeiter als Subagent-Definition in .claude/agents/ angelegt; Kai, meine Führungskraft, läuft ohne eigene Datei direkt über Claude Code. Wie so eine Datei aufgebaut ist und wann ein Skill statt eines Subagenten reicht, wiederhole ich hier nicht; das steht in Claude Subagents, Skills und Agents, die Feinheiten für den Betrieb in Claude Code Subagents: Best Practices.
Claude Agent SDK: Claude Code als Bibliothek
Das Agent SDK gibt dir laut Anthropic dieselben Werkzeuge, dieselbe Agenten-Schleife und dasselbe Kontextmanagement, auf denen Claude Code läuft, programmierbar in Python und TypeScript. Technisch startet das SDK das Claude-Code-Programm und steuert es aus deinem Code heraus. Mitgeliefert werden die eingebauten Werkzeuge (Dateien lesen und schreiben, Befehle ausführen, im Web suchen), Hooks, Subagents, MCP-Anbindungen, Berechtigungen, Sitzungen und das Laden von Skills und Gedächtnisdateien aus .claude/, genau wie in Claude Code.
Wann lohnt das? Wenn der Agent nicht für dich arbeitet, sondern Teil eines Produkts oder eines internen Werkzeugs wird: ein Prüfagent in deiner Build-Kette, ein Rechercheagent hinter einem Formular, ein Agent, der jede Nacht Belege vorsortiert. Für andere Sprachen als Python und TypeScript nennt Anthropic als Alternative, Claude Code direkt als Unterprozess mit -p aufzurufen.
Zwei Regeln aus der Doku solltest du kennen, bevor du anfängst:
- Anmeldung über API-Key, sobald andere dein Produkt nutzen. Anthropic erlaubt Drittanbietern ohne vorherige Zustimmung nicht, in ihren Produkten eine claude.ai-Anmeldung oder die Kontingente eines Abos anzubieten, auch nicht für Agenten auf Basis des SDK. Für ein Produkt, das du anderen anbietest, brauchst du also einen API-Key. Nutzt du das SDK nur selbst und bist mit deinem Claude-Abo angemeldet, zählt es laut Anthropic auf dein Abo-Kontingent. Wie du einen Key anlegst und schützt, steht in Claude API: Key, Kosten und Einstieg.
- Eigener Name. Dein Produkt darf sich nicht „Claude Code“ nennen oder so aussehen. Erlaubt sind etwa „Claude Agent“ oder „Dein Name Powered by Claude“.
Meine Belegschaft läuft nicht über das SDK, sondern direkt in Claude Code mit Abo, denn ich arbeite mit den Mitarbeitern selbst. Das SDK wird erst interessant, wenn ein Agent ohne dich in einem Produkt laufen soll.
Claude Managed Agents: Anthropic betreibt die Schleife
Managed Agents ist der Weg für alle, die einen Agenten wollen, aber keine Agenten-Schleife, keine Sandbox und keine Werkzeugausführung selbst bauen möchten. Anthropic beschreibt es als vorgefertigte, einstellbare Agenten-Umgebung auf verwalteter Infrastruktur, gedacht für lange laufende und asynchrone Aufgaben. Der Agent kann dort Dateien lesen, Befehle ausführen, im Web suchen und Code laufen lassen. Vier Begriffe tragen das Ganze:
- Agent: Modell, Systemanweisung, Werkzeuge, MCP-Server und Skills.
- Environment: wo die Sitzungen laufen, in Anthropics Cloud-Sandbox oder in einer Sandbox auf deiner eigenen Infrastruktur.
- Session: ein laufender Agent, der eine konkrete Aufgabe erledigt.
- Events: die Nachrichten zwischen deiner Anwendung und dem Agenten.
Laut Doku eignet sich Managed Agents für Aufgaben, die Minuten oder Stunden laufen, für Sitzungen mit dauerhaftem Dateisystem und für wiederkehrende Läufe nach Zeitplan. Zwei Einschränkungen stehen ausdrücklich dabei: Managed Agents ist in der Beta, jede Anfrage braucht einen eigenen Beta-Header (die SDKs setzen ihn automatisch). Und weil die Sitzungen ihren Zustand auf Anthropics Servern speichern, ist Managed Agents derzeit nicht für Zero Data Retention zugelassen. Sitzungen und hochgeladene Dateien kannst du jederzeit über die API löschen. Wer mit Kundendaten arbeitet, sollte das vor dem ersten Test klären; die Grundlagen dazu stehen in Claude Datenschutz und DSGVO: was gilt.
Abgerechnet wird in zwei Teilen: die Token zum normalen Modellpreis und die Laufzeit mit 0,08 Dollar je Sitzungsstunde, gezählt nur, solange die Sitzung tatsächlich arbeitet. Anthropics eigenes Rechenbeispiel: eine Stunde mit Opus 5.5, 50.000 Token Eingabe und 15.000 Token Ausgabe, kostet 0,58 Dollar, mit Caching für 40.000 der Eingabe-Token 0,43 Dollar. Den Batch-Rabatt gibt es für Managed Agents nicht. Was die Modelle je Token kosten, steht in Claude Modelle: Opus, Sonnet, Haiku, Fable.
Messages API: die Schleife selbst bauen
Der vierte Weg ist der älteste: Du schickst Anfragen an die Messages API, gibst Claude eigene Werkzeuge mit und schreibst die Schleife selbst, die Werkzeugaufrufe ausführt und die Ergebnisse zurückgibt. Das SDK für deine Sprache bringt dafür in der Beta einen „Tool Runner“ mit, der diese Schleife übernimmt. Der Vorteil ist volle Kontrolle; der Preis ist, dass du alles, was Claude Code und Managed Agents fertig mitbringen, selbst baust. Ich würde diesen Weg nur empfehlen, wenn du genau weißt, warum dir die fertigen Varianten nicht reichen.
Claude Duet: der fertige Agent für Endkunden
Duet ist das Gegenteil der Entwickler-Angebote: eine eigene App, in der Claude als proaktiver Agent deine verbundenen Konten im Blick behält, dir morgens eine Übersicht schickt und Aufgaben auf einem eigenen Rechner in der Cloud erledigt. Vor dem Senden, Bezahlen, Unterschreiben oder Löschen fragt Duet nach. Seit dem 21.10.2026 gibt es Duet als Research Preview per Warteliste, nur für Pro- und Max-Abonnenten in den USA, und es läuft auf Opus 5.5. Was Duet genau kann und was das für Nutzer in Deutschland heißt, steht in Claude Duet: was der proaktive Agent kann.
Skills als gemeinsamer Baustein
Ein Baustein zieht sich durch fast alle Wege: Skills. Das Agent SDK lädt sie wie Claude Code aus .claude/, Managed Agents nimmt sie in die Agent-Definition auf. Am 22.10.2026 hat Anthropic den offenen Standard Agent Skills an die Agentic AI Foundation unter der Linux Foundation übergeben; laut Anthropic haben ihn über 70 Agenten-Plattformen eingebaut, darunter ChatGPT, Cursor, GitHub Copilot und VS Code. Für dich heißt das: Eine gut geschriebene Arbeitsanweisung als Skill ist die Investition, die du am ehesten von einem Agenten-Weg zum nächsten mitnimmst. Wie du Skills schreibst, beschreibe ich im Beitrag „Claude Skills: erstellen und nutzen“.
Welcher Weg passt zu dir
Meine Empfehlung, von einfach nach aufwendig:
- Du willst Arbeit abgeben, ohne zu programmieren: Cowork im Claude-Chat oder ein Subagent in Claude Code. Der Einstieg steht in KI-Agent mit Claude erstellen: drei Wege.
- Du arbeitest täglich mit mehreren Rollen: Claude Code mit Subagents, wie meine Belegschaft. Wie das aussieht, zeigt KI-Belegschaft: 14 Mitarbeiter, ein Chef.
- Der Agent soll in deine eigene Software: Agent SDK, wenn du ihn selbst betreiben willst; Managed Agents, wenn Anthropic Sandbox und Laufzeit stellen soll.
- Du brauchst jeden Schritt unter eigener Kontrolle: Messages API mit eigener Schleife.
- Du willst einen persönlichen Agenten fürs Postfach und den Kalender: Duet, sobald es für dich verfügbar ist.
Für die Wege 3 und 4 gilt: Wenn du Max oder Team bezahlst, deckt das monatliche API-Guthaben laut Anthropic die API, das Agent SDK und Managed Agents ab, nicht aber interaktive Claude-Code-Sitzungen. Wie viel Guthaben es je Plan gibt, steht in Claude API: Key, Kosten und Einstieg. Alle Abo-Preise stehen in Claude Kosten und Abos im Überblick.
Häufige Fragen
Was sind Claude Agents?
Ein Sammelbegriff für die Wege, auf denen Claude selbstständig Schritte plant und Werkzeuge nutzt: Claude Code mit Subagents, das Claude Agent SDK, Claude Managed Agents, eigene Schleifen auf der Messages API und die Endkunden-App Claude Duet. Ein einzelnes Produkt mit dem Namen „Claude Agents“ gibt es nicht.
Was ist das Claude Agent SDK?
Eine Bibliothek für Python und TypeScript, die den Agenten von Claude Code in deine eigene Anwendung holt: dieselben Werkzeuge, dieselbe Schleife, dasselbe Kontextmanagement. Für ein Produkt, das du anderen anbietest, meldest du dich laut Doku per API-Key an und zahlst nach Token. Nutzt du es nur selbst und bist mit deinem Claude-Abo angemeldet, zählt es laut Anthropic auf dein Abo-Kontingent.
Was kosten Claude Managed Agents?
Die Token zum normalen Modellpreis plus 0,08 Dollar je Sitzungsstunde, gezählt nur, solange die Sitzung arbeitet. Anthropics Beispiel für eine Stunde mit Opus 5.5 liegt bei 0,58 Dollar. Der Batch-Rabatt gilt hier nicht.
Kann ich einen Claude-Agenten ohne Programmieren bauen?
Ja, über Cowork in den Claude-Apps oder als Subagent in Claude Code, der nur eine Textdatei mit Anweisungen braucht. Agent SDK, Managed Agents und die Messages API setzen dagegen Programmierkenntnisse voraus.
Darf ich mein Claude-Abo für ein Produkt auf Basis des Agent SDK nutzen?
Nicht ohne vorherige Zustimmung von Anthropic. Laut Doku dürfen Drittanbieter in ihren Produkten keine claude.ai-Anmeldung und keine Abo-Kontingente anbieten; vorgesehen ist die Anmeldung per API-Key.
Was ist der Unterschied zwischen einem Subagent und Managed Agents?
Ein Subagent ist ein Helfer innerhalb deiner Claude-Code-Sitzung, auf deinem Rechner, abgerechnet über dein Abo oder deinen Key. Managed Agents ist ein eigenständiger Agent, den Anthropic in der Cloud betreibt und den deine Anwendung über die API startet und steuert.
Wie du weitermachst
Fang mit dem Weg an, der am wenigsten baut: ein Subagent für eine Aufgabe, die bei dir jede Woche wiederkehrt. Erst wenn klar ist, dass der Agent in ein Produkt gehört oder ohne dich laufen muss, lohnt der Blick auf SDK und Managed Agents. Wenn dir dafür noch die Grundlagen fehlen, beginn mit Claude Code: Anleitung für Einsteiger. Und wenn du sehen willst, wie andere ihre Agenten und KI-Mitarbeiter aufbauen, komm in meine deutschsprachige Community Claude Practitioners.