Texte mit KI schreiben heißt: Du gibst einem KI-Chat wie ChatGPT, Claude oder Gemini den Zweck des Textes, den Leser, dein Material und ein Beispiel für deinen Ton. Daraus bekommst du in Sekunden einen Entwurf, den du prüfst und freigibst. Die KI formuliert schnell und sauber, aber was du ihr über Betrieb und Kunden nicht mitgibst, füllt sie mit Durchschnitt auf oder erfindet es.
Ich arbeite jeden Tag mit Claude. Meine vierzehn KI-Mitarbeiter laufen auf Claude Team, manche auch auf offenen Modellen oder über die API. Zwei davon entwerfen vor allem Texte: Sonja entwirft meine Geschäftsmails, Conny meine Captions für Instagram. Verschickt oder gepostet wird bei mir nichts, was ich nicht selbst gelesen habe. Alle Grundlagen zu KI sammle ich auf der Seite KI-Grundlagen.
Was die KI zum Schreiben von dir braucht
Ein KI-Chat beruht auf einem Sprachmodell. Das ist ein Programm, das aus riesigen Textmengen gelernt hat, welche Wörter wahrscheinlich aufeinander folgen. Deshalb klingen seine Texte flüssig. Ob sie zu dir passen, hängt fast ganz davon ab, was du ihm gibst.
Anthropic, der Hersteller von Claude, gibt dafür ein gutes Bild: Stell dir die KI als brillanten, aber neuen Mitarbeiter vor, der deine Gewohnheiten und Abläufe nicht kennt. Je genauer du erklärst, was du willst, desto besser wird das Ergebnis. Fünf Angaben reichen für die meisten Texte:
Was du mitgibst
Warum
Beispiel
Zweck
Die KI weiß sonst nicht, was der Text bewirken soll
Kunden sollen ihren Termin vor dem Urlaub buchen
Leser
Ton und Wortwahl hängen davon ab
Stammkunden, die dich duzen
Material
Fakten kann die KI nicht wissen, nur raten
Urlaub vom 22.12. bis 6.1., Notdienst unter der Handynummer
Ton
Ohne Vorbild schreibt sie neutral und höflich
zwei Texte, die du selbst geschrieben hast
Form
Sonst wird es meist zu lang
höchstens fünf Sätze, keine Aufzählung
Am meisten bringt die vierte Zeile. Anthropic schreibt, dass Beispiele zu den verlässlichsten Mitteln gehören, um Form, Ton und Aufbau einer Antwort zu steuern. Eine Beschreibung wie „locker, aber professionell“ trifft dagegen fast jeder Text.
Schritt für Schritt: vom Stichpunkt zum fertigen Text
Ein Beispiel, ausgedacht, wie es in jedem kleinen Betrieb vorkommen kann: Ein Malerbetrieb will seine Stammkunden über den Betriebsurlaub informieren.
Schreib die Botschaft selbst in Stichpunkten auf. Was ist neu, was soll der Kunde tun, bis wann? Diese drei Zeilen kommen von dir, nicht von der KI.
Gib den Auftrag mit den fünf Angaben. Etwa so: „Schreib eine kurze Mail an unsere Stammkunden. Zweck: Sie sollen Termine vor dem Urlaub jetzt buchen. Fakten: Betriebsurlaub 22.12. bis 6.1., Notdienst unter 0170 … Ton: wie in den zwei Mails unten. Höchstens fünf Sätze. Erfinde keine Angaben, die hier nicht stehen.“
Lies den Entwurf und ändere gezielt. Statt „mach es besser“ schreibst du, was genau anders sein soll: „Den Notdienst in den ersten Satz“, „ohne Ausrufezeichen“.
Prüf die Fakten gegen deine Stichpunkte. Datum, Telefonnummer, Preise. Hier passieren die teuren Fehler.
Gib selbst frei. Erst dann geht der Text raus.
Der letzte Satz im Auftrag aus Schritt 2 ist mir besonders wichtig. Conny hat bei mir eine feste Regel: Sie erfindet keine persönlichen Fakten über mich. Fehlt eine Angabe, steht im Entwurf eine sichtbare Lücke statt einer plausiblen Erfindung. Die fülle ich in dreißig Sekunden selbst. Warum eine KI sonst gern etwas erfindet, erkläre ich in KI-Halluzinationen erkennen und reduzieren.
Wiederkehrende Aufträge musst du nicht jedes Mal neu formulieren. Fertige Briefings für Angebote, Kundenmails und Texte in deiner Stimme findest du in meinen Prompt-Vorlagen. Ein Prompt ist dabei einfach der Auftrag, den du der KI schreibst.
Welche Texte sich für die KI eignen und welche nicht
Ob ein KI-Entwurf passt, hängt weniger von der Textsorte ab als davon, wie viel Entscheidung im Text steckt. Routine eignet sich gut, heikle Nachrichten schreibst du besser selbst.
Die letzte Zeile hat einen einfachen Grund: Dort ist der Text selbst die Entscheidung. Wer ihn entwerfen lässt, gibt nicht das Formulieren ab, sondern das Abwägen.
Worauf du achten solltest
Die Botschaft kommt von dir. Die KI verbessert Sprache, Aufbau und Länge. Was du sagen willst, weiß nur du.
Kundendaten gehören nicht ungeprüft in den Chat. Bevor ich echte Kundendaten in einen Prompt schreibe, ersetze ich Namen, Beträge und Firmenbezeichnungen durch Platzhalter wie <Kunde A> oder <Betrag>. Erst wenn die Vorlage steht, trage ich die echten Angaben ein, und auch dann nur in dem Umfang, den die Aufgabe wirklich braucht. Mehr dazu im Abschnitt zum Anonymisieren in Claude Prompts auf Deutsch: Vorlagen.
Lange Chats vermeiden. Für jeden neuen Text öffnest du am besten einen neuen Chat. Sonst mischt die KI Ton und Fakten aus früheren Aufträgen hinein. Warum das so ist, steht in Kontext und Kontextfenster bei KI erklärt.
Kennzeichnung klären. Ob und wann du einen KI-Text kennzeichnen musst, erkläre ich in meinem Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht.
Häufige Fragen
Welche KI ist am besten zum Texte schreiben?
Eine feste Rangliste gibt es nicht, weil das Ergebnis stark vom Auftrag abhängt. ChatGPT, Claude und Gemini schreiben alle flüssiges Deutsch. Mein Rat: Gib zwei Werkzeugen denselben Auftrag mit denselben Beispielen und nimm das, dessen Entwurf du weniger ändern musst.
Kann die KI in meinem eigenen Ton schreiben?
Ja, wenn du ihr zeigst, wie du schreibst. Sonja schreibt meine Mails nach einem Leitfaden, der aus 50 meiner echten gesendeten Mails entstanden ist: Anrede, Satzlänge, Grußformel und eine Liste mit Dingen, die ich nie schreibe. Eine Beschreibung wie „freundlich und direkt“ allein reicht dafür nicht.
Brauche ich dafür gute Prompts?
Du brauchst einen klaren Auftrag, keine Zauberformel. Die fünf Angaben oben reichen für die meisten Texte. Wenn du immer wieder dieselbe Art Text brauchst, lohnt sich eine feste Vorlage, die du nur noch mit deinem Material füllst.
Merkt der Leser, dass der Text von einer KI kommt?
Manchmal, an typischen Wendungen und an fehlenden Details. Mit deinem Material und deinen Beispielen wird der Text konkreter und klingt mehr nach dir. Wichtiger als die Frage, ob man es merkt, ist eine andere: Stimmt jede Angabe, und würdest du den Text so unterschreiben?
Kann ich KI-Texte direkt verschicken?
Ich mache das nicht. Ein Entwurf ist ein Vorschlag, kein fertiger Vorgang. Bei mir bleibt die Freigabe immer bei mir, auch wenn der Entwurf von einer meiner eigenen KI-Rollen kommt.
Wie du weitermachst
Nimm einen Text, den du diese Woche ohnehin schreiben musst, und gib der KI die fünf Angaben aus der Tabelle oben, dazu zwei eigene Texte als Vorbild. Vergleich den Entwurf dann mit dem, was du sonst bekommst. Wenn du gerade erst mit KI anfängst, lies vorher KI für Anfänger: was du beachten musst. Der nächste Schritt geht in die andere Richtung: Texte und PDFs mit KI zusammenfassen. Wie andere ihre Texte mit KI schreiben und prüfen, besprechen wir in meiner deutschsprachigen Community Claude Practitioners.
Kevin Welter
Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus vierzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.