Buchhaltungssoftware für Kleinunternehmen
Sechs Kriterien, die eine Entscheidung tragen, und was Lexware Office, sevDesk, Papierkram, WISO MeinBüro, Accountable und DATEV im September 2026 kosten.
Zum Artikel18. September 2026 · 14 Min. Lesezeit
Wer frisch selbstständig ist, braucht für die Buchhaltung zwei Entscheidungen und vier Arbeitsfelder, der Rest ist Organisation. Die erste Entscheidung fällt meistens von selbst: Freiberufler und kleine Gewerbetreibende ermitteln ihren Gewinn als Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG, also Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben, ohne Bilanz. Bilanzieren musst du erst, wenn dich das Handelsrecht dazu verpflichtet oder das Finanzamt dich nach § 141 AO auffordert, weil dein Umsatz über 800.000 Euro oder dein Gewinn über 80.000 Euro lag. Die zweite Entscheidung ist die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG: Bleibst du im Vorjahr unter 25.000 Euro Gesamtumsatz und im laufenden Jahr unter 100.000 Euro, sind deine Umsätze steuerfrei, du weist keine Umsatzsteuer aus und gibst keine Voranmeldungen ab. Vier Arbeitsfelder betreffen fast jeden Betrieb, ihre Ausgestaltung hängt aber von Rechtsform und Steuerstatus ab: Belege sammeln und aufbewahren, sie ordentlich und unveränderbar führen (§ 146 AO und die GoBD), die Umsatzsteuer anmelden, soweit du nicht befreit bist, und einmal im Jahr erklären. Die Aufbewahrungsfristen in § 147 Abs. 3 AO sind dabei nicht mehr einheitlich zehn Jahre: Buchungsbelege acht, Geschäftsbriefe sechs. Und ganz am Anfang steht eine Frist, die viele übersehen: Betriebseröffnung oder Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit meldest du nach § 138 Abs. 4 AO innerhalb eines Monats. Alles hier gilt für Deutschland; was in Österreich bei Grenzen, Fristen und Registrierkasse anders läuft, steht in Buchhaltung für Selbstständige in Österreich.
Ich mache meine Buchhaltung nicht selbst, und ich gebe sie auch nicht komplett ab. Die Vorarbeit läuft automatisiert, Freigabe und Steuererklärung bleiben beim Menschen und beim Steuerberater. Wie dieser Aufbau funktioniert, steht unter KI-Mitarbeiter einstellen, was sich für einen Ein-Personen-Betrieb davon lohnt in KI für Selbstständige: was sich lohnt. Dieser Beitrag setzt nichts davon voraus: Er zeigt die Pflichten, egal ob du sie mit einem Ordner, einer Software oder mit Hilfe erledigst.
Es gibt zwei Arten, den Gewinn zu ermitteln, und die einfachere ist für die meisten Selbstständigen die richtige.
| Kriterium | Einnahmen-Überschuss-Rechnung | Bilanz mit doppelter Buchführung |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 4 Abs. 3 EStG | § 140 AO (Handelsrecht), § 141 AO (Steuerrecht) |
| Wer | Freiberufler ohne Größengrenze, Gewerbetreibende unter den Schwellen | Kaufleute nach § 238 HGB, Kapitalgesellschaften, Betriebe darüber |
| Zeitpunkt | Zufluss und Abfluss (§ 11 EStG) | Entstehung der Forderung oder Verbindlichkeit |
| Aufwand | eine Gegenüberstellung, keine Bestandskonten | Konten, Inventar, Abschluss |
| Form | Anlage EÜR, elektronisch (§ 60 Abs. 4 EStDV) | Jahresabschluss |
Der entscheidende Satz steht in § 4 Abs. 3 EStG: Wer nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften zur Buchführung verpflichtet ist und auch freiwillig keine Bücher führt, darf den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben als Gewinn ansetzen. Für Freiberufler heißt das: Die EÜR bleibt, egal wie groß du wirst, denn § 141 AO gilt ausdrücklich nur für gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte.
Für Gewerbetreibende nennt § 141 Abs. 1 AO zwei Schwellen: mehr als 800.000 Euro Gesamtumsatz im Kalenderjahr oder mehr als 80.000 Euro Gewinn im Wirtschaftsjahr; dieselben Zahlen stehen als Befreiung für Einzelkaufleute in § 241a HGB. Wichtig ist § 141 Abs. 2 AO: Die Pflicht beginnt nicht mit dem Überschreiten, sondern mit dem Wirtschaftsjahr nach der Mitteilung des Finanzamts. Du bekommst also einen Brief, bevor es losgeht.
Das ist die Rechtslage, wie sie in den genannten Vorschriften steht, und keine Steuerberatung.
§ 147 Abs. 1 AO listet auf, was geordnet aufzubewahren ist, Absatz 3 sagt, wie lange. Seit der Verkürzung für Buchungsbelege laufen drei Fristen nebeneinander.
| Unterlage | Frist | Fundstelle |
|---|---|---|
| Bücher, Aufzeichnungen, Inventare, Jahresabschlüsse, Eröffnungsbilanz | 10 Jahre | § 147 Abs. 3 AO |
| Buchungsbelege, also Rechnungen und Quittungen | 8 Jahre | § 147 Abs. 3 AO |
| Handels- und Geschäftsbriefe, sonstige steuerlich bedeutsame Unterlagen | 6 Jahre | § 147 Abs. 3 AO |
Zwei Dinge werden daran regelmäßig falsch verstanden. Erstens der Fristbeginn: Nach § 147 Abs. 4 AO läuft die Frist ab dem Schluss des Kalenderjahres, in dem der Beleg entstanden ist, nicht ab dem Belegdatum. Ein Beleg aus dem März 2026 startet also am 31. Dezember 2026 und darf frühestens Ende 2034 weg. Zweitens die Verlängerung: Nach § 147 Abs. 3 Satz 5 AO läuft die Frist nicht ab, solange die Unterlagen für noch offene Festsetzungsfristen bedeutsam sind. Bei laufender Betriebsprüfung wirfst du nichts weg.
Digital gelten dieselben Grundsätze wie für einen Papierordner, nur strenger nachprüfbar. § 146 Abs. 1 AO verlangt, Buchungen und Aufzeichnungen einzeln, vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorzunehmen. Dazu kommt die Unveränderbarkeit nach § 146 Abs. 4 AO: Eine Buchung darf nicht so verändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr feststellbar ist oder unklar bleibt, ob die Änderung später kam. Genau daran scheitert die beliebteste Bastellösung: eine alleinstehende Tabelle ohne Protokollierung, in der jede Zeile spurlos überschrieben werden kann. Entscheidend ist dabei nicht das Dateiformat, sondern ob das Verfahren als Ganzes eine nachvollziehbare Änderungshistorie hat.
Was das im Alltag bedeutet, führt die Finanzverwaltung in den GoBD aus, dem BMF-Schreiben vom 28. November 2019, zuletzt geändert am 14. Juli 2025. Vier Punkte sind für einen Ein-Personen-Betrieb relevant:
Dazu kommt eine Pflicht, die seit dem 1. Januar 2025 jeden inländischen Unternehmer trifft, auch Kleinunternehmer: Du musst E-Rechnungen empfangen können.
Wenn du nicht Kleinunternehmer bist, meldest du die Umsatzsteuer unterjährig an. § 18 Abs. 1 UStG setzt die Frist: bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums, elektronisch, Zahlung am selben Tag fällig. Der Zeitraum steht in § 18 Abs. 2 UStG.
| Steuer des Vorjahres | Voranmeldungszeitraum |
|---|---|
| mehr als 9.000 Euro | Kalendermonat |
| 2.000 bis 9.000 Euro | Kalendervierteljahr (der Regelfall) |
| nicht mehr als 2.000 Euro | Das Finanzamt kann dich ganz befreien |
Zwei praktische Zusätze. Erstens die Dauerfristverlängerung: Nach § 46 UStDV hat das Finanzamt dir auf Antrag einen Monat mehr Zeit zu geben; wer monatlich meldet, zahlt dafür nach § 47 UStDV eine Sondervorauszahlung von einem Elftel der Vorjahreszahlungen. Zweitens die Gründerregel: § 18 Abs. 2 Satz 4 UStG schreibt Gründern eigentlich den Kalendermonat vor, für die Besteuerungszeiträume 2021 bis 2026 gilt nach Satz 6 aber die voraussichtliche Steuer des laufenden Jahres. Diese Sonderregel endet mit dem Jahr 2026 (Stand: September 2026).
Seit dem 1. Januar 2025 ist das keine Nichterhebung der Steuer mehr, sondern eine echte Steuerbefreiung: Nach § 19 Abs. 1 UStG sind deine Umsätze steuerfrei, wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet. Fünf Punkte gehören dazu:
Was als Kleinunternehmer in ein Angebot gehört und was davon erst in der späteren Rechnung Pflicht ist, steht in Wie schreibe ich ein Angebot, das überzeugt?.
Fast jede Zahl hier hat sich schon einmal bewegt. Beim nächsten Jahreswechsel schaust du hier nach (Stand: September 2026).
| Punkt | Aktueller Stand | Wo es sich zuletzt bewegt hat |
|---|---|---|
| Kleinunternehmergrenzen | 25.000 / 100.000 Euro | Neu gefasst zum 1.1.2025, die Vorjahresgrenze lag davor bei 22.000 Euro |
| Buchführungsgrenzen | 800.000 / 80.000 Euro | Für Jahre, die nach dem 31.12.2023 beginnen (Art. 97 § 19 Abs. 3 und 4 EGAO) |
| Voranmeldungsgrenzen | 9.000 / 2.000 Euro | § 18 Abs. 2 UStG, in der Vergangenheit mehrfach angehoben |
| Gründerregel Voranmeldung | Sonderregel für 2021 bis 2026 | § 18 Abs. 2 Satz 6 UStG endet mit dem Jahr 2026 |
| E-Rechnung ausstellen | Übergangsfristen bis Ende 2026 bzw. Ende 2027 | § 27 Abs. 38 UStG, für Umsätze ab 2028 ohne Ausnahme |
| Steuererklärungsfristen | wieder regulär ab Zeitraum 2025 | Die Sonderfristen in Art. 97 § 36 EGAO enden mit dem Zeitraum 2024 |
Zur letzten Zeile: § 149 Abs. 2 AO gibt dir Zeit bis zum 31. Juli, mit Steuerberater nach Absatz 3 bis Ende Februar des zweiten Folgejahres.
Sind die Pflichten geklärt, bleibt die eigentliche Arbeit: Jeder Beleg muss gefunden, zugeordnet und gegen die Abrechnung geprüft werden. Das ist kein Denken, das ist Abgleichen. Reisen rechnest du als Selbstständiger mit denselben Verpflegungspauschalen ab wie Angestellte; Werte und Vorlage stehen in Spesenabrechnung: Vorlage, Pauschalen, Ablauf.
Diesen Schritt übernimmt bei mir Peter, mein KI-Mitarbeiter für Belege und Buchhaltung. Er arbeitet in meiner Buchhaltungsoberfläche im Browser, sichtet die neu eingegangenen Belege, setzt den Belegtyp und gleicht die Abrechnung dagegen ab. Die Zahlen aus seinem ersten Lauf habe ich öffentlich gemacht: 116 Belege gesichtet, 38 von 40 richtig zugeordnet, gut eine Stunde. Interessanter als die 38 sind die zwei: Sie blieben offen, weil sein Prozess den Fall nicht entscheiden konnte, und er hat sie als offen gemeldet, statt sie passend zu machen. Ein Assistent, der rät, wäre hier schlimmer als gar keiner.
Zwei Grenzen sind fest verdrahtet: Er bucht nicht, sein Prozess kennt nur Zuordnen und Abgleichen, und Beträge, Daten und Belegnummern kommen immer vom Bildschirm, nie aus dem Gedächtnis. Die Abnahme bleibt bei mir, die Steuererklärung beim Steuerberater. Wie das Zusammenspiel aus Posteingang, Belegen und Entwürfen aussieht, steht in KI-Agent für Buchhaltung und Postfach; das fertige Paket heißt Frieda. Welche Daten überhaupt in ein KI-System gehen, klärt KI und Datenschutz: was die KI sehen darf.
Neben der Belegzuordnung ist der Umgang mit offenen Kundenforderungen ein eigener Ablauf; Mahnwesen automatisieren mit KI beschreibt Abgleich, Entwurf und Freigabe.
In aller Regel nicht. Freiberufler dürfen dauerhaft die Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG nutzen, weil § 141 AO nur gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte betrifft. Gewerbetreibende wechseln erst über 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn, und auch dann erst nach der Mitteilung des Finanzamts (§ 141 Abs. 2 AO).
Buchungsbelege, also die meisten Rechnungen und Quittungen, acht Jahre; Bücher und Jahresabschlüsse zehn, sonstige Geschäftsbriefe sechs, alles nach § 147 Abs. 3 AO. Gezählt wird nach § 147 Abs. 4 AO ab dem Schluss des Kalenderjahres, in dem der Beleg entstanden ist, nicht ab dem Belegdatum.
Nach § 147 Abs. 2 AO ist die Aufbewahrung auf einem Datenträger zulässig, wenn sie den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. Bei empfangenen Geschäftsbriefen und Buchungsbelegen muss die Wiedergabe bildlich übereinstimmen und die ganze Frist über lesbar und maschinell auswertbar bleiben. Welche Originale trotzdem auf Papier bleiben sollten, klärst du mit deinem Steuerberater.
Nein. § 19 Abs. 1 Satz 2 UStG nimmt Voranmeldung und Jahreserklärung ausdrücklich aus. Drei Einschränkungen: Das Finanzamt kann dich nach § 149 Abs. 1 Satz 2 AO einzeln auffordern, sobald du die 100.000 Euro unterjährig überschreitest, gelten ab dann die allgemeinen Erklärungspflichten, und schuldest du Steuer als Leistungsempfänger nach § 13b UStG, gibst du nach § 18 Abs. 4a UStG für diese Zeiträume Voranmeldungen ab.
Nimm dir eine Stunde und klär drei Dinge in dieser Reihenfolge: ob du EÜR machst oder bilanzieren musst, ob du die Kleinunternehmerregelung nutzen willst (rechne durch, wie viel Vorsteuer du im ersten Jahr hättest), und wo deine Belege landen, so, dass sie in acht Jahren noch lesbar sind. Erst danach lohnt der Blick auf Software.
Die Ablage ist der Punkt, an dem die meisten hängen bleiben, weil man sie einmal selbst festlegen muss; wie eine Belegablage im Betrieb aussieht, die dann trägt, steht im eigenen Beitrag. Das musst du nicht allein durchdenken: In meiner Community Claude Practitioners sitzen Leute, die genau diese Entscheidung schon getroffen haben, und eine Frage in einem Posting oder in einem Call erspart dir die erste Runde Ausprobieren.
Wenn das steht und die monatliche Zuordnerei anfängt zu nerven, ist das der Moment für einen KI-Mitarbeiter. Welche Aufgaben sich dafür eignen, klärt Welche Aufgaben du an KI abgeben kannst; wie ich meine eigene Belegarbeit aufgebaut habe, mit Prozessbeschreibung, Lernmodus und Kontrollzählung, zeige ich dort ebenfalls.
Sechs Kriterien, die eine Entscheidung tragen, und was Lexware Office, sevDesk, Papierkram, WISO MeinBüro, Accountable und DATEV im September 2026 kosten.
Zum ArtikelEinnahmen-Ausgaben-Rechnung, Kleinunternehmergrenze, Belegerteilung, Registrierkasse und Voranmeldung: die österreichischen Pflichten mit Paragraf.
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Kevin Welter
Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus fünfzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.
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