Blog · 17. September 2026 · 14 Min. Lesezeit

Termine planen mit KI: was heute schon geht

Grafische Titelkarte zum Beitrag „Termine planen mit KI: was heute schon geht“ mit einem stilisierten Motiv: geordnetes Postfach.
Grafik: HumanITy

Vier Dinge laufen heute zuverlässig, wenn du Termine mit Softwareunterstützung planst: eine Buchungsseite, auf der andere in deinen eigenen Verfügbarkeitsfenstern buchen, ein Kalender, der bestätigte Termine aus Bestätigungsmails selbst einträgt, automatische Erinnerungen vor dem Termin, und ein Link, über den abgesagt oder verschoben wird, ohne dass dir jemand schreiben muss. Beim Fall mit mehreren Beteiligten hört das auf: Sobald Kalender zusammenkommen, von denen dir keiner gehört, verkürzen die vier Werkzeuge in diesem Beitrag die Runde, sie nehmen sie dir nicht ab. Das ist kein KI-Problem, sondern ein Zugriffsproblem, denn fremde Kalender siehst du nur so weit, wie sie dir freigegeben sind. Der wichtigere Punkt steckt woanders: Der Zeitfresser ist nicht das Eintragen, das dauert zwanzig Sekunden, sondern das Hin und Her davor. Deshalb spart eine Buchungsseite mit klaren Regeln mehr Zeit als eine Automatik im Kalender, und die eigentliche Arbeit daran ist keine technische: Du legst fest, wann du erreichbar bist, wie lange eine Terminart dauert, wie viel Puffer dazwischen liegt und wie kurzfristig noch gebucht werden darf.

Ich behandle Termine in meinem Betrieb als einen von fünf wiederkehrenden Abläufen. Wie ich einen Ablauf zerlege, bevor ich Technik daranhänge, steht auf Prozessoptimierung, die Einordnung der fünf Abläufe in Büroorganisation für Selbstständige, der Übergang vom Postfach in den Kalender in KI-Agent für Buchhaltung und Postfach.

Der Zeitfresser ist die Terminfindung, nicht der Eintrag

Sieh dir an, woraus ein Termin besteht, bevor er im Kalender steht. Jemand fragt an, du schlägst drei Zeiten vor, der andere kann bei keiner und nennt zwei eigene, eine davon geht bei dir knapp. Du schreibst zurück, er bestätigt am nächsten Tag, du trägst ein. Der Eintrag ist der kürzeste Teil davon; alles davor sind Nachrichten, die einzeln kurz sind und zusammen Liegezeit erzeugen. Genau hier setzt eine Buchungsseite an, nicht weil sie schneller schreibt, sondern weil sie eine Runde überflüssig macht: Der andere sieht, was frei ist, und wählt. Es gibt keinen Vorschlag mehr, der abgelehnt werden kann.

Deine Regeln zuerst, das Werkzeug danach

Eine Buchungsseite ist nur so gut wie die Regeln, die du hineinschreibst. Das ist kein Nebenschauplatz der Einrichtung, das ist die Einrichtung. Sechs Festlegungen bieten die gängigen Werkzeuge an:

Festlegung Ohne sie passiert das
Verfügbarkeitsfenster: an welchen Tagen, in welchen Stunden Dein Kalender füllt sich mit dem, was anderen passt
Dauer je Terminart: Erstgespräch, Rückfrage, Projekttermin Alles wird eine Stunde, auch die Zehn-Minuten-Frage
Puffer davor und danach: Vorbereitung, Weg, Nachbereitung Termine kleben aneinander, der erste Verzug zieht durch den Tag
Mindestvorlauf: wie kurzfristig gebucht werden darf Der Termin morgen um acht, von dem du abends erfährst
Buchungsfenster nach vorn: wie weit im Voraus buchbar Zusagen für einen Monat, den du nicht überblickst
Obergrenze pro Tag: wie viele solcher Termine ein Tag verträgt Sechs Erstgespräche an einem Dienstag

Diese Einstellungen sind keine Erfindung eines Anbieters. Die Google-Kalender-Hilfe beschreibt für Terminpläne Pufferzeit („Sie können Zeit zwischen Terminen in Ihrem Kalender einplanen"), ein Buchungsfenster in beide Richtungen und eine Tagesgrenze („Sie können die Anzahl der Termine begrenzen, die Sie pro Tag akzeptieren"); Calendly führt Puffer unter „Limits and buffers" mit dem Zweck „prevent back-to-back meetings". In meiner eigenen Einrichtung haben sich zwei Werte bewährt, über die kaum jemand nachdenkt: der Mindestvorlauf und der Puffer danach, weil ohne ihn die Nachbereitung ausfällt.

Schreib diese sechs Zeilen auf, bevor du ein Konto anlegst. Danach ist die Werkzeugwahl eine Zehn-Minuten-Entscheidung. Und wer bei den eigenen Werten unsicher ist, knobelt sie nicht allein aus: Stell die sechs Zeilen in meiner Community zur Diskussion, dann nennt dir jemand die Ausnahme, an die du noch nicht gedacht hast.

Vier Werkzeuge im Vergleich

Alle Angaben unten stammen von den Anbieterseiten, Stand September 2026, in US-Dollar.

Werkzeug Was es ist Preis laut Anbieterseite
Google Kalender, Terminpläne im Kalender eingebaut, erzeugt eine öffentliche Buchungsseite Die Hilfeseite nennt keine Gratisliste, sondern nur: „Für einige Funktionen für Terminpläne ist ein berechtigtes Google Workspace- oder Google One-Abo erforderlich." Welche der sechs Festlegungen oben in deinem Konto freigeschaltet ist, steht in Googles Vergleich der Premium-Funktionen und hängt an Kontotyp und Rollout
Microsoft Bookings in Microsoft 365 enthalten, als Personal Bookings für den eigenen Kalender und als Shared Bookings für ein Team kein Aufpreis in den genannten Abos
Calendly eigenständiger Dienst, verbindet sich mit Google, Outlook und Office 365 Free mit einer Terminart und einer Kalenderverbindung; Standard 10 $ pro Platz und Monat bei monatlicher Zahlung; Teams 16 $
Cal.com quelloffen, auf GitHub verfügbar und selbst hostbar Free für einen Nutzer mit unbegrenzten Terminarten; Teams 12 $ pro Nutzer und Monat, jährlich gezahlt

Zwei Dinge daran sind nützlicher als ein Testsieger. Wer Microsoft 365 hat, hat eine Buchungsseite bereits bezahlt; Microsoft nennt Bookings für eine lange Reihe von Business-, Enterprise- und Teams-Abos. Und der übliche Grund, von kostenlos auf bezahlt zu wechseln, ist nicht KI, sondern die zweite Terminart.

Terminvorschläge aus einer Mail heraus: was wirklich passiert

Hier lohnt sich eine genaue Trennung, weil die Werbung mehr verspricht als die Hilfeseiten.

Belegbar automatisch passiert die Übernahme bestätigter Termine: „Wenn Sie Gmail verwenden, werden E-Mails zu Terminen wie Flügen oder Reservierungen in Ihren Kalender eingetragen", schreibt die Google-Kalender-Hilfe und nennt dazu Hotel- und Restaurantreservierungen sowie „Termine, für die Sie Buchungsbestätigungen oder Tickets erhalten". Diese Einträge bleiben standardmäßig nur für dich sichtbar, und die Funktion lässt sich abschalten. Das ist Mustererkennung auf einer Bestätigung: Der Termin steht fest und wird abgeschrieben.

Der schwierigere Fall ist die Mail, in der noch kein Termin steht, sondern eine Anfrage. Microsoft führt für Copilot in Outlook unter anderem das Planen von Besprechungen als Fähigkeit und nennt als Beispiel-Eingabe „Schedule a meeting with my manager". Die Hilfeseite beschreibt dabei allerdings keine Funktion, die aus dem Inhalt einer Mail selbstständig Zeitvorschläge ableitet, und sie weist darauf hin, dass der Umfang von der zugewiesenen Copilot-Lizenz abhängt.

Praktisch heißt das: Eine KI im Postfach zeigt dir die Terminanfrage, schlägt den passenden Buchungslink vor und entwirft die Antwort. Ausgehandelt wird der Termin woanders. Wer das trennt, kommt heute weit.

Erinnerungen, Absagen und Verschieben

Dieser Teil ist unspektakulär und spart am meisten laufende Arbeit. Microsoft schreibt zu Bookings, die Benachrichtigungen per E-Mail und SMS „reduce no-shows and enhance customer satisfaction"; das ist eine Herstellerangabe ohne genannte Messmethode. Calendly bündelt dasselbe unter Workflows („automate pre- and post-meeting emails and texts to invitees, hosts, and teammates"): Erinnerung vorher, Nachricht danach, Verschiebeanfrage mit eigener Zeitwahl des Empfängers. Laut Preisseite gehören Automationen dort zur Standard-Stufe.

Der eigentliche Gewinn liegt beim Verschieben und Absagen: Erledigt dein Gegenüber das über einen Link, ist das Hin und Her auch dort weg, wo es sonst am teuersten ist, nämlich kurzfristig. Drei Regeln legst du dafür vorher fest: bis wann eine Absage ohne Rückfrage möglich ist, was bei einem nicht wahrgenommenen Termin passiert, und wann die Erinnerung rausgeht.

Wo es bei mehreren Beteiligten aufhört

Sobald mehrere Personen beteiligt sind, die nicht in deiner Organisation arbeiten, ändert sich die Aufgabe. Der Grund steht in den Freigabe-Einstellungen: Ein Google-Kalender kennt Stufen von „Nur Verfügbarkeit anzeigen (keine Details)" bis zur vollen Bearbeitung, und ohne Freigabe siehst du nichts; die Hilfeseite hält fest: „Personen außerhalb Ihrer Organisation können Ihren Kalender nicht finden." Keine KI umgeht das, und das ist auch gut so.

Übrig bleiben Umfragen. Doodle beschreibt seine Group Polls mit „Find the time that works best for everyone in your group"; kostenlos sind laut Preisseite eine Gruppenumfrage, eine Buchungsseite und ein Eins-zu-eins-Format, Pro kostet 11 US-Dollar im Monat bei jährlicher Zahlung. Calendly nennt dasselbe Meeting Polls: Zeiten wählen, Link teilen, gebucht wird bei Einigung.

Das verkürzt, es löst nicht. Wer nicht abstimmt, blockiert weiter, und bei gleich guten Vorschlägen entscheidet weiterhin ein Mensch, wessen Kalender nachgibt. In einem kleinen Betrieb ist deshalb oft die unspektakulärste Variante die praktikabelste: Eine Person legt die Zeit fest, die anderen bekommen eine Einladung mit Absagemöglichkeit statt einer Frage.

Was das Werkzeug dabei von deinem Kalender liest

Ein Werkzeug, das Terminvorschläge macht oder eine Buchungsseite betreibt, liest deinen Kalender mit. Das ist keine Nebenwirkung, das ist die Funktion, und die Zugriffstiefe ist sehr unterschiedlich. Die Google-Kalender-API staffelt das ausdrücklich: calendar.freebusy gewährt „View your availability in your calendars", also nur belegt oder frei, calendar.readonly dagegen „See and download any calendar you can access", und der Bereich calendar reicht bis „See, edit, share, and permanently delete all the calendars you can access". Dazwischen liegt der Unterschied zwischen einem Werkzeug, das weiß, dass du am Dienstag um zehn belegt bist, und einem, das weiß, mit wem.

Mit Belegt oder Frei allein kommt eine Buchungsseite deshalb nicht aus: Sie muss Termine auch anlegen, ändern und wieder absagen, und dafür braucht sie zusätzlich einen schreibenden Bereich, calendar.events oder den engeren calendar.events.owned („See, create, change, and delete events on Google calendars you own"). Calendly beschreibt beide Seiten davon („Calendly checks your calendar for busy times and adds new meetings to it") und lässt dich auswählen, welche Kalender auf Konflikte geprüft werden. Dazu kommt, was beim Anbieter selbst entsteht: Profil, Buchungen sowie Namen und Nachrichten der Gäste liegen in dessen System, egal wie eng der Kalenderzugriff ist. Der schmale Zugriff ist also das Ziel, auf das du beim Einrichten hinarbeitest, und keine Eigenschaft, die eine Buchungsseite von sich aus mitbringt. Ein Werkzeug, das aus einer Mail etwas vorschlagen soll, liest ohnehin Inhalte, also Titel, Teilnehmer und oft die Notizen.

Daraus folgen vier Regeln, die nichts kosten. Lies beim Verbinden den Zustimmungsdialog und nicht nur die Schaltfläche, dort steht die Zugriffsstufe. Gib der Buchungsseite nur die Kalender frei, die für Konflikte zählen. Wo ein Anbieter die Wahl lässt, nimm die engere Stufe. Und sieh nicht nur auf den Kalender: Was dein Gegenüber ins Buchungsformular tippt, die Einladungsmails und die Erinnerungen per SMS laufen ebenfalls über den Anbieter und werden dort gespeichert. Zum Speicherort macht Microsoft für Bookings eine klare Ansage: „All Bookings data is stored within the Microsoft 365 platform and in Exchange Online." Termine mit Kundennamen sind personenbezogene Daten; welche Rechtsgrundlage in deinem Fall gilt, gehört zu deinem Datenschutzbeauftragten oder Anwalt, dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Wer beim Setzen der Rechte unsicher ist, findet in der Community Leute, die denselben Zustimmungsdialog schon einmal durchgegangen sind.

Der Teil, den bei mir Frieda übernimmt

Eine Buchungsseite löst die Terminfindung, nicht die Vorbereitung. Dieser Teil geht bei mir an Frieda, meine KI-Mitarbeiterin für Posteingang, Termine und Belege. Was sie bei Terminen tut, ist eng umrissen: Sie liefert Termin-Briefings vor Kalendereinträgen. Sie versendet nie selbst, sie legt Entwürfe hin, die ich lese und freigebe. Kommt die Anfrage als Mail herein, landet sie zuerst in ihrem Stapel-System, und Fälle, die ihre Regeln nicht eindeutig treffen, gehen in den Stapel für meine Einschätzung statt in eine Entscheidung. Das Werkzeug nimmt damit die mechanische Runde weg, die Rolle die inhaltliche Vorarbeit, und die Freigabe bleibt an einer Stelle.

Häufige Fragen

Kann eine KI selbstständig Termine für mich vereinbaren?

Für den einfachen Fall ja, aber ohne Verhandlung: Eine Buchungsseite nimmt Termine in deinen Regeln an, trägt sie ein und bestätigt. Keines der vier hier geprüften Werkzeuge handelt dagegen mit jemandem aus, dessen Kalender es nicht sieht. Diesen Teil übernimmt bei mir eine Rolle statt eines Werkzeugs: Buchungsseite für die Annahme, Frieda für Sortierung und Vorbereitung, Freigabe bei mir.

Welches Werkzeug passt, wenn ich mit Outlook arbeite?

Microsoft Bookings, weil es in vielen Microsoft-365-Abos ohne Aufpreis enthalten ist; die Liste der Abos steht im Vergleich oben. Es gibt eine persönliche Variante für den eigenen Kalender und eine geteilte für ein Team, erreichbar im Browser und als App in Outlook und Teams.

Brauche ich dafür ein kostenpflichtiges Werkzeug?

Für eine einzelne Terminart meist nicht. Google Kalender hat Terminpläne eingebaut, welche Einstellungen davon ohne Abo freigeschaltet sind, steht in Googles Vergleich der Premium-Funktionen. Cal.com bietet unbegrenzte Terminarten für einen Nutzer kostenlos, Calendly eine Free-Stufe mit einer Terminart. Anlass zum Wechsel ist meist die zweite Terminart oder die Zahlung beim Buchen. Prüf vorher, ob dein Abo schon eine Buchungsseite enthält; im Vergleich der Büromanagement-Software sind Termine einer der sechs Bereiche, nach denen ich die Pakete prüfe.

Wie finde ich einen Termin mit fünf Beteiligten?

Über eine Umfrage, nicht über einen Buchungslink. Doodle und Calendly Meeting Polls machen aus mehreren Nachrichtenrunden eine: Du schlägst Zeiten vor, die anderen tragen ein, gebucht wird bei Einigung. Niemand kann für die anderen antworten, deshalb ist in kleinen Runden eine festgesetzte Zeit mit Absagemöglichkeit oft schneller.

Sieht ein Terminwerkzeug meine privaten Termine?

Das hängt an der Zugriffsstufe, die du beim Verbinden erteilst; die Google-Kalender-API trennt reine Verfügbarkeit von vollem Lesezugriff auf Inhalte. Eine Buchungsseite braucht mindestens belegt oder frei und dazu das Recht, Termine anzulegen und abzusagen. Lies den Zustimmungsdialog, wähl die engere Stufe, und leg Privates in einen Kalender, den du nicht freigibst.

Wie du weitermachst

Nimm die sechs Zeilen aus dem zweiten Abschnitt und schreib sie für die eine Terminart auf, die du am häufigsten vergibst. Richte sie in dem Werkzeug ein, das du ohnehin bezahlst, und verschick eine Woche lang den Link statt Terminvorschlägen. Was dir dabei auffällt, sind deine echten Regeln.

Wenn du sehen willst, wie die Vorbereitung dahinter aussieht, wenn sie ein KI-Mitarbeiter übernimmt, und wie dessen Regeln und Grenzen wörtlich formuliert sind: Frieda gibt es mit diesem Aufbau als fertiges Paket in meiner Community Claude Practitioners, zusammen mit den anderen KI-Mitarbeitern und dem Kurs dazu.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus vierzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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