31. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Was ist ein Prompt? Prompt und Systemprompt

Titelkarte zum Beitrag „Was ist ein Prompt? Prompt und Systemprompt“ mit drei durch Pfeile verbundenen Kästchen und einem Blitz als Auslöser.
Grafik: HumanITy

Ein Prompt ist die Anweisung, die du einer KI wie ChatGPT oder Claude gibst: deine Frage oder Aufgabe, dazu das Material und die Vorgaben, wie das Ergebnis aussehen soll. Gemeint ist hier der Prompt bei KI, nicht die Eingabeaufforderung im Terminal eines Computers, die auf Englisch ebenfalls Prompt heißt. Neben deinem eigenen Prompt gibt es den Systemprompt: Anweisungen, die vor dem Gespräch festgelegt werden und für jede Nachricht gelten, zum Beispiel Rolle, Ton und Grenzen.

Ich schreibe meine Prompts nach einem einfachen Aufbau aus vier Teilen, den ich weiter unten zeige. Für wiederkehrende Aufgaben tippe ich sie nicht jedes Mal neu: Meine KI-Mitarbeiter haben ihre dauerhaften Anweisungen in Dateien, jeder in einem eigenen Ordner. Hier geht es um die Grundlagen: was ein Prompt ist, welche Arten es gibt und was einen guten Prompt ausmacht. Alle Grundlagen zu KI findest du auf der Seite KI-Grundlagen.

Was ein Prompt ist

Das englische Wort prompt heißt so viel wie Aufforderung oder Anstoß. Bei einer KI ist es alles, was du ihr als Eingabe gibst. Dazu gehören:

  • die Aufgabe, zum Beispiel „Formuliere eine Antwort an diesen Kunden“,
  • das Material, etwa die Kundenmail, eine Preisliste oder eine Datei,
  • die Vorgaben, also Länge, Ton, Format und was die KI nicht tun soll.

Die KI liest deinen Prompt nicht allein. Sie sieht zusätzlich alles, was in diesem Gespräch schon steht, und die festen Anweisungen im Hintergrund. Zusammen heißt das Kontext. Wie viel davon gleichzeitig hineinpasst, erkläre ich im Beitrag zum Kontextfenster.

Anthropic, der Hersteller von Claude, gibt dafür ein gutes Bild: Stell dir die KI als brillanten, aber neuen Mitarbeiter vor, der deine Abläufe und Gewohnheiten nicht kennt. Je genauer du erklärst, was du willst, desto besser das Ergebnis.

Prompt, Systemprompt, Projektanweisung: die Begriffe

Begriff Wer schreibt ihn Wofür er gilt
Prompt, auch Nutzerprompt du, im Chatfeld für diese eine Nachricht
Systemprompt der Anbieter einer App oder wer einen eigenen Assistenten baut für das ganze Gespräch, vor deiner ersten Nachricht
Anweisungen für alle Gespräche du, in den Einstellungen für jedes Gespräch in deinem Konto
Projektanweisung du, in einem Projekt für jeden Chat in diesem Projekt
CLAUDE.md du, als Datei in einem Ordner für jede Sitzung von Claude Code in diesem Ordner

Ein paar Erklärungen dazu:

  • Den Systemprompt der Chat-App schreibt der Anbieter. Anthropic legt offen, dass die Claude-App im Browser und auf dem Handy zu Beginn jedes Gesprächs einen Systemprompt mitgibt, etwa mit dem aktuellen Datum. Du siehst ihn im Chat nicht.
  • Deine eigenen dauerhaften Anweisungen setzt du in den Einstellungen oder in einem Projekt. In Claude gelten die Anweisungen in den Einstellungen laut Anthropic für alle deine Gespräche. Projektanweisungen gelten nur im jeweiligen Projekt. Die aktuellen Zugangsbedingungen stehen in der Anthropic-Hilfe zu Projekten. Dort kannst du zum Beispiel festlegen, dass Claude förmlicher antwortet oder aus der Sicht einer bestimmten Rolle oder Branche. Vereinfacht gesagt übernehmen diese Anweisungen für dich die Rolle eines Systemprompts. Wie ich Projekte aufbaue, steht in Claude Projekte richtig nutzen.
  • Die CLAUDE.md ist eine Textdatei, die das Programmierwerkzeug Claude Code laut Anthropic bei jedem Sitzungsstart in den Kontext lädt. Sie ist also ein dauerhafter Prompt für einen Ordner. Wie sie mit der Datei AGENTS.md zusammenspielt, dem Gegenstück für andere Programmierwerkzeuge, steht in CLAUDE.md vs AGENTS.md: was überlebt.

So ist ein guter Prompt aufgebaut

Für den Einstieg nutze ich selbst einen Aufbau aus vier Bausteinen:

  1. Rolle und Aufgabe in einem Satz.
  2. Kontext, hier im engeren Sinn: das Material und was die KI darüber wissen muss.
  3. Format: Länge, Aufbau, Ton.
  4. Grenzen: was die KI ausdrücklich nicht tun soll.

Ein Beispiel aus dem Büro, so ausgedacht. Ein schwacher Prompt lautet: „Schreib eine Mail wegen der Verspätung.“ Die KI weiß nicht, wer schreibt, an wen, wie spät es wird und was du anbieten willst. Sie füllt die Lücken selbst, und genau dort entstehen Fehler.

Ein besserer Prompt lautet: „Du hilfst mir, einem Kunden eine Verspätung zu erklären. Der Kunde hat ein Regal bestellt, Liefertermin war der 3. November, neuer Termin ist der 10. November, weil ein Bauteil fehlt. Schreib freundlich und knapp, höchstens fünf Sätze, mit Entschuldigung und dem neuen Termin. Biete keinen Rabatt an und erfinde keine weiteren Gründe.“

Zwei Hinweise aus Anthropics Anleitung machen den Unterschied noch größer:

  • Sag, warum. Wenn du eine Vorgabe begründest, kann die KI sie besser übertragen. Anthropics Beispiel: Statt „Nie Auslassungspunkte“ besser „Der Text wird vorgelesen, und die Sprachausgabe kann Auslassungspunkte nicht aussprechen“.
  • Zeig Beispiele. Laut Anthropic gehören Beispiele zu den verlässlichsten Mitteln, um Format, Ton und Aufbau zu steuern. Empfohlen werden drei bis fünf, möglichst nah an deinem echten Fall.

Und ein einfacher Test, ebenfalls von Anthropic: Zeig deinen Prompt einer Kollegin, die die Aufgabe nicht kennt. Wäre sie verwirrt, ist es die KI auch.

Wann du einen Systemprompt schreibst

In der normalen Chat-App schreibst du keinen echten Systemprompt. Dort nutzt du die Anweisungen in den Einstellungen oder Projekte. Einen Systemprompt schreibst du erst, wenn du selbst einen Assistenten baust, zum Beispiel über die Schnittstelle eines Anbieters oder mit einem Werkzeug für eigene KI-Assistenten. Anthropic schreibt dazu: Schon ein einziger Satz zur Rolle im Systemprompt verändert Verhalten und Ton für deinen Anwendungsfall.

Ein Beispiel für einen kurzen Systemprompt, so ausgedacht: „Du beantwortest Fragen von Kunden einer Schreinerei zu Lieferzeiten und Pflege von Holzmöbeln. Antworte freundlich in zwei bis drei Sätzen. Zu Preisen sagst du: Dazu meldet sich das Team persönlich.“

Worauf du achten solltest

Häufige Fragen

Was ist ein Prompt, einfach erklärt?

Ein Prompt ist deine Eingabe an eine KI: die Frage oder Aufgabe, das Material dazu und die Vorgaben für das Ergebnis. Je genauer er ist, desto weniger muss die KI raten.

Was ist ein Systemprompt?

Ein Systemprompt sind Anweisungen, die vor dem Gespräch festgelegt werden und für jede Nachricht gelten, etwa Rolle, Ton und Grenzen. In Chat-Apps setzt ihn der Anbieter. Wenn du selbst einen Assistenten baust, schreibst du ihn selbst.

Was ist der Unterschied zwischen Systemprompt und Nutzerprompt?

Der Nutzerprompt ist deine einzelne Nachricht im Chat. Der Systemprompt steht davor und gilt für das ganze Gespräch. Vereinfacht: Der Systemprompt beschreibt den Job, der Nutzerprompt die konkrete Aufgabe.

Wie schreibe ich einen guten Prompt?

Mit vier Bausteinen: Rolle und Aufgabe, Kontext, Format und Grenzen. Begründe deine Vorgaben und gib, wenn möglich, ein Beispiel für das gewünschte Ergebnis. Danach prüfst du die Antwort, bevor du sie verwendest.

Wie lang sollte ein Prompt sein?

So lang, wie die Aufgabe es braucht. Eine kurze Frage braucht einen Satz, eine Antwort an einen Kunden eher fünf. Wichtiger als die Länge ist, ob jemand ohne Vorwissen verstehen würde, was du willst.

Wie du weitermachst

Nimm den letzten Prompt, mit dem du nicht zufrieden warst, und schreib ihn nach den vier Bausteinen neu. Vergleich dann beide Ergebnisse. Wenn du der KI viele eigene Unterlagen mitgeben willst, lies vorher den Beitrag zum RAG-System. Für Claude habe ich meine erprobten Tipps in Claude Prompts auf Deutsch: Vorlagen gesammelt. Alle Fachwörter aus diesem Beitrag findest du in meinem KI-Glossar. Wie andere ihre Prompts und KI-Mitarbeiter aufbauen, besprechen wir in meiner deutschsprachigen Community Claude Practitioners.

Kevin Welter

Kevin Welter

Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus vierzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.

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