Das ist keine Rechtsberatung, sondern die Betreiber-Perspektive, mit der ich KI-Mitarbeiter für Betriebe aufbaue. Claude Code für Therapeuten und Heilpraktiker lohnt sich heute dort, wo keine Patientendaten im Spiel sind: Verwaltungspost vorsortieren und Antworten entwerfen, die Website pflegen, Texte und Vorlagen schreiben, Belege für die Buchhaltung vorbereiten. Sobald Patientendaten dazukommen, ist es eine andere Frage. Gesundheitsdaten sind nach Art. 9 DSGVO besonders geschützt, approbierte Psychotherapeuten unterliegen der Schweigepflicht nach § 203 StGB, und ein Business-Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag löst davon nur einen Teil. Für Praxen und Kanzleien, die mit vertraulichen Personenangaben arbeiten, gibt es deshalb meine KI-Datenschleuse, die Daten pseudonymisiert, bevor sie zu Claude gehen. Sie ist fertig, entstanden für Kanzleien, und ich richte sie für jede Praxis einzeln ein.
Ich arbeite täglich mit Claude Code und baue KI-Mitarbeiter auch für Kunden, darunter eine Steuerberatung. Einen KI-Fall aus einer Therapiepraxis enthält dieser Beitrag nicht: Die Praxisbeispiele sind gedacht, die Rechtslage stammt aus den Gesetzestexten, die Angaben zu Claude aus Anthropics Hilfeseiten, Stand November 2026. Den Überblick über alle Einsatzfelder in der Praxis gibt KI für Therapeuten.
Was Claude Code für Therapeuten ohne Patientendaten erledigt
Claude Code ist laut Anthropic ein agentisches Werkzeug, das Dateien liest und bearbeitet, Befehle ausführt und mit anderen Programmen zusammenarbeitet. Gebaut ist es fürs Programmieren, meine KI-Mitarbeiter laufen aber darauf: Claude, feste Regeln, ein eigener Zugang und meine Freigabe vor jedem Versand. Wie du anfängst, steht in Claude Code: Anleitung für Einsteiger.
Für eine kleine Praxis heißt das zum Beispiel:
Aufgabe
Was der KI-Mitarbeiter vorbereitet
Wo Patientendaten lauern
Verwaltungspostfach
Mails vorsortieren, Antworten als Entwurf
Jede Mail, in der jemand um einen Termin oder Rat bittet
Geschäftsmails
Angebote an Kooperationspartner, Rückfragen an Vermieter oder Steuerbüro
Kaum, solange kein Fall erwähnt wird
Website und Texte
Leistungsseiten, Anfahrt, FAQ, Blogartikel
Keine, solange keine Fallgeschichten hineingeraten
Infoblätter, Aufnahmebogen-Gerüst, Checklisten ohne Fall
Erst beim Ausfüllen
Bei mir übernehmen das Frieda fürs Postfach, Sonja für Geschäftsmails, Peter für Belege und Ralf für die Website, jeweils mit Entwurf und meiner Freigabe.
Art. 9 DSGVO. Gesundheitsdaten sind laut Art. 4 Nr. 15 Daten, die sich auf die körperliche oder geistige Gesundheit beziehen, „einschließlich der Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen“. Ihre Verarbeitung ist nach Art. 9 Abs. 1 grundsätzlich untersagt. Für Behandlung und Versorgung erlaubt sie Abs. 2 lit. h, nach Abs. 3 aber nur, wenn Fachpersonal sie verarbeitet, das einem Berufsgeheimnis unterliegt, oder eine Person mit einer entsprechenden Geheimhaltungspflicht. In Deutschland ergänzt das § 22 BDSG, verlangt angemessene und spezifische Schutzmaßnahmen und nennt dafür ausdrücklich auch die Pseudonymisierung.
§ 203 StGB. Strafbar ist, wer unbefugt ein fremdes Geheimnis offenbart, das ihm unter anderem als Angehörigem eines Heilberufs anvertraut wurde, „der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert“ (Abs. 1 Nr. 1). Für approbierte Psychotherapeuten passt das: Die Berufsbezeichnung setzt nach § 1 Abs. 1 PsychThG die Approbation voraus. Nr. 2 nennt zusätzlich Berufspsychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher Abschlussprüfung. Nach Abs. 3 Satz 2 dürfen Geheimnisse an mitwirkende Personen gehen, „soweit dies für die Inanspruchnahme der Tätigkeit der sonstigen mitwirkenden Personen erforderlich ist“. Nach Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 macht sich strafbar, wer nicht dafür gesorgt hat, dass eine solche Person zur Geheimhaltung verpflichtet wurde, wenn diese das Geheimnis dann unbefugt offenbart.
Heilpraktiker. Heilpraktiker nennt § 203 Abs. 1 StGB nicht ausdrücklich. Das Heilpraktikergesetz verlangt eine Erlaubnis (§ 1 HeilprG) nach einer Überprüfung durch das Gesundheitsamt (§ 2 Abs. 1 lit. i der Durchführungsverordnung), aber keine staatlich geregelte Ausbildung. Ob Nr. 1 greift, ist eine Rechtsfrage, die ich nicht beantworten kann. Die DSGVO mit Art. 9 gilt für Heilpraktiker in jedem Fall, auch für Heilpraktiker für Psychotherapie.
Was Team- und Enterprise-Tarife lösen, und was nicht
Bei den kommerziellen Produkten von Anthropic, also Claude Team, Enterprise und der API, ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit Standardvertragsklauseln automatisch Teil der Commercial Terms. Anthropic handelt dort als Auftragsverarbeiter und nutzt Eingaben und Ausgaben standardmäßig nicht zum Training. Eine Ausnahme ist Feedback: Drückst du im Chat den Daumen hoch oder runter, speichert Anthropic laut eigener Angabe das ganze Gespräch bis zu fünf Jahre und darf es zum Training nutzen; Owner eines Team- oder Enterprise-Plans können das unter „Rate chats“ abschalten. Bei Free, Pro, Max und Ultra, auch wenn du Claude Code mit einem solchen Konto nutzt, gelten die Verbraucherbedingungen. Einzelheiten je Plan stehen in Claude Datenschutz und DSGVO: was gilt, die Tarife in Claude Team: Kosten und wann es lohnt und Claude Enterprise oder Team: Kosten, DSGVO.
Was ein solcher Tarif nicht löst:
Die Rechtsgrundlage nach Art. 9. Der Vertrag regelt, wie Anthropic verarbeitet, nicht, ob du die Gesundheitsdaten dorthin geben darfst.
Die Verpflichtung nach § 203 Abs. 4 StGB. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag und eine Verpflichtung zur Geheimhaltung sind zwei verschiedene Dinge. Ob die Standardbedingungen eines Anbieters beides abdecken, steht in ihrem Wortlaut.
Die Erforderlichkeit. Nach § 203 Abs. 3 Satz 2 nur, soweit nötig. Für einen Textentwurf braucht die KI selten einen Namen.
Den Kontext. Wer Arbeitgeber, Familienlage und Lebensereignis kennt, erkennt einen Menschen auch ohne Namen.
Die KI-Datenschleuse: pseudonymisieren, bevor etwas zu Claude geht
Die KI-Datenschleuse sitzt zwischen deiner Praxis und Claude. Bevor eine Anfrage zu Claude geht, ersetzt sie Namen und andere Angaben, die auf eine Person zeigen, durch Platzhalter wie [Person 1]. Claude bekommt die Platzhalter statt der Namen. Welcher Platzhalter für wen steht, bleibt auf unserem Server in Deutschland, und dort setzt die Schleuse die echten Namen in die Antwort wieder ein.
Das Prinzip der KI-Datenschleuse an einem erfundenen Beispiel, Platzhalter vereinfacht. Grafik: Kevin Welter
Die KI-Datenschleuse ist fertig. Ich richte sie für jede Praxis einzeln ein und lerne sie auf die Arbeit deiner Praxis an. Für deinen individuellen Fall schauen wir uns gemeinsam an, was deine Praxis braucht und ob die Schleuse dafür der richtige Weg ist. Keine automatische Erkennung findet jede Angabe, und ein Therapieverlauf verrät eine Person oft schon über den Kontext; deshalb gehören manche Inhalte gar nicht erst zu Claude. Das Prinzip steht auch in Claude Code Mods in der Steuerberatung.
Pseudonymisierung ist die Maßnahme, die Art. 32 Abs. 1 lit. a DSGVO als erste nennt. Die Schleuse senkt damit das Risiko, sie nimmt dir aber keine Pflicht ab. Neues zur KI-Datenschleuse steht im Newsletter.
Verwaltung und Patienten trennen. Eigenes Postfach, eigene Ordner. Der KI-Mitarbeiter bekommt nur den Verwaltungsteil.
Fallbeispiele nur anonymisiert, besser abstrakt. Anonym ist ein Therapieverlauf selten. Frag lieber nach der Struktur eines Berichts als nach deinem Fall.
Suchen und Ersetzen vor jedem Text. Namen, Orte und Kennungen gegen KLIENT_1 oder ORT_1 tauschen, die Liste bleibt bei dir, die Antwort übersetzt du selbst zurück. Das ist Pseudonymisierung von Hand.
Lokale Modelle für die Vorarbeit. Ein offenes Modell auf deinem eigenen Rechner kann Namen markieren, bevor ein Text irgendwohin geht. Wie das geht, steht in Lokale KI: was 2026 wirklich geht. Prüfen musst du das Ergebnis trotzdem.
Business-Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag, Training aus. Bei Team und Enterprise ist das Training standardmäßig aus, den Feedback-Daumen schaltest du als Owner ab.
Vor dem ersten Patientendatum fragen. Kammer, Berufsverband oder eine Fachkraft für Datenschutz, nicht danach.
Darf ich als Psychotherapeutin Claude oder ChatGPT nutzen?
Für Aufgaben ohne Patientendaten, also Website, Texte, Vorlagen und Verwaltungspost, spricht nichts Grundsätzliches dagegen. Für Patientendaten gelten Art. 9 DSGVO und § 203 StGB.
Sind pseudonymisierte Patientendaten anonym?
Nein. Nach Art. 4 Nr. 5 und Erwägungsgrund 26 DSGVO bleiben sie personenbezogen, weil sich die Person mit der Zusatzinformation wieder zuordnen lässt. Bei Gesundheitsdaten gilt deshalb weiter Art. 9.
Kann ich die KI-Datenschleuse für meine Praxis nutzen?
Ja, nach einem Gespräch. Sie ist fertig und wird für jede Praxis einzeln eingerichtet und angelernt. Im Gespräch klären wir, welche Arbeit sie abdecken soll, was dafür nötig ist und ob für deinen Fall ein anderer Weg besser passt, etwa eine lokale KI auf eigener Hardware. Gespräch vereinbaren
Entwickler, IT-Architekt, Fachbuchautor (Kubernetes, Cloud-Infrastrukturen) und Speaker. Betreibt sein Business mit einer KI-Belegschaft aus fünfzehn KI-Mitarbeitern und zeigt Selbstständigen in seiner Community, wie sie ihren ersten KI-Mitarbeiter einstellen.